Gendiagnostik

Melanom-Risiko - ein Fall für personalisierte Medizin?

Forscher entdecken immer mehr Risikomarker für Hautkrebs. Aber hilft dieses Wissen wirklich bei Diagnose und Therapie?

Veröffentlicht: 30.09.2012, 19:00 Uhr
Melanom-Risiko - ein Fall für personalisierte Medizin?

Was bringt Gendiagnostik, zum Beispiel beim Melanom-Risiko? Gefahren könnten Überdiagnostik und Übertherapie sein.

© lily / fotolia.com

PRAG (nös). "Warum entwickeln wir eigentlich so wenig Krebs?" Martin Röcken, Dermatologie-Professor aus Tübingen sprach mit dieser Frage auf der Herbsttagung der europäischen Dermatologengesellschaft EADV am Freitag in Prag den Aspekt an, dass der menschliche Körper täglich hunderte DNA-Schäden ohne großes Aufsehen repariert. Fällt dieser Mechanismus aus, entartet die Zelle, es entsteht Krebs.

Röcken, der Mitglied in der Akademie der Wissenschaften Leopoldina ist, lenkt den Blick deswegen auf die zahlreichen Gene und Proteine, die uns täglich vor Krebs schützen. Am Beispiel des malignen Melanoms demonstrierte er die Rolle von CHEK2, einem Gen, das für die gleichnamige Proteinkinase kodiert.

CHEK2 überwacht nicht nur die DNA-Replikation, sondern fungiert auch als Tumorsuppressor, indem es das zentrale Genomwächterprotein p53 stabilisiert. Außerdem interagiert CHEK2 mit BRCA1, dessen Genmutation zu einem deutlich erhöhten Brustkrebsrisiko führt.

Allerdings kann auch CHEK2 beschädigt sein - mit negativen Folgen. Eine dänisch-deutsche Forschergruppe hat jüngst in einer großen Metaanalyse gezeigt, dass eine kleine Mutation des Gens zu einem zweifach erhöhten Melanomrisiko führt (J Invest Dermatol 2012; 132: 299). In einer anderen Analyse errechneten Forscher sogar ein drei- bis fünffach erhöhtes Risiko für Brustkrebs (J Clin Oncol 2008; 26(4): 542).

Für den Dermatologen Röcken ist die CHEK2-Mutation daher ein deutlicher Risikomarker - eben auch für Hautkrebs. Nach seiner Rechnung erkrankt von zehn Trägern dieser Mutation einer im Laufe seines Lebens an einem Melanom.

Ein Ansatzpunkt für die personalisierte Medizin? Vielleicht. "Das ist ein großes neues Feld für die Medizin", meint Röcken.

Er warnt allerdings auch vor den Gefahren - Überdiagnosen und Übertherapien sind die Stichworte. Denn nur weil man Mutationen und genetische Risiken ermitteln könne, müsse das noch lange nicht bedeuten, dass eine Krankheit auch ausbricht.

Viele Mutationen sind nicht selten "still", führen also gar nicht zu einer Erkrankung.

Mehr zum Thema

Zukunftsmodell

Hautdiagnostik per Autopilot

RheuMal-Register

Tritt Brustkrebs bei Rheuma früher auf?

Checkpoint-Blockade

Bei Krebs die Immunabwehr-Bremse lösen!

Das könnte Sie auch interessieren
Thromboseprophylaxe und COVID-19

„ÄrzteTage extra“-Podcast

Thromboseprophylaxe und COVID-19

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Leo Pharma GmbH, Neu-Isenburg
Aktuelle GTH-Empfehlung zur Thromboseprophylaxe bei COVID-19

CAT-Algorithmus

Aktuelle GTH-Empfehlung zur Thromboseprophylaxe bei COVID-19

Anzeige
Kommentare

Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar verfassen zu können.
Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Newsletter bestellen »

Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte, Medizinstudenten, MFA und weitere Personengruppen viele Vorteile.

Die Anmeldung ist mit wenigen Klicks erledigt.

Jetzt anmelden / registrieren »

Top-Meldungen
Raucher: „Entwöhnung kommt oft viel zu spät“

Exklusiv Nikotinsucht

Raucher: „Entwöhnung kommt oft viel zu spät“

Trump: USA steigen aus der WHO aus

Mitten in der Corona-Krise

Trump: USA steigen aus der WHO aus

COVID-19 und Krebs: völlig neue Fragestellungen

Virtueller ASCO

COVID-19 und Krebs: völlig neue Fragestellungen

Diese Website verwendet Cookies. Weitere Informationen zu Cookies und und insbesondere dazu, wie Sie deren Verwendung widersprechen können, finden Sie in unseren Datenschutzhinweisen.  Verstanden