Meningokokken-Infekte werden oft unterschätzt

Obwohl eine Meningokokken-Infektion häufig tödlich endet, sind nur 20 Prozent der Jugendlichen geimpft.

Veröffentlicht:

DÜSSELDORF(ab). Eine Meningokokken-Meningitis ist ein dramatisches Krankheitsbild, das meist ohne Vorankündigung beginnt und tödlich enden kann. Gefährdet sind nicht nur die Betroffenen, sondern auch Personen in der unmittelbaren Umgebung. Typische Zeichen einer Meningokokken-Infektion sind plötzliches hohes Fieber, Schüttelfrost, Erbrechen, Nackensteifigkeit und Bewusstseinsstörungen. Innerhalb kürzester Zeit kommt es zu Krankheitsbildern wie Meningitis, Sepsis oder Waterhaous-Friedrichsen-Syndrom mit einer Letalität von 35 Prozent.

Im Schnitt stirbt jeder Zehnte

Durchschnittlich stirbt jeder zehnte Patient an der Infektion und den Folgen, jeder fünfte erleidet trotz ärztlicher Behandlung Spätfolgen wie Taubheit oder Amputation von Gliedmaßen. Weltweit werden die Meningokokken-Infektionen durch bestimmte Serotypen, Typ A, B, C, W135 und Y, hervorgerufen. In Deutschland werden etwa 68 Prozent der Erkrankungsfälle durch den Serotyp B verursacht, bei 25 Prozent der Patienten ist Serotyp C verantwortlich. Es stehen bislang drei Impfstoffe zur Verfügung, die die Serotypen A, C, W135 und Y erfassen. Gegen den Serotyp B gibt es zur Zeit keinen Impfstoff.

Obwohl man in jedem Alter erkranken kann, sind Kleinkinder unter vier und Jugendliche zwischen 15 und 19 besonders häufig betroffen. Daher fordern einige Ländern wie beispielsweise Großbritannien, die Schweiz, Spanien, Kanada und die USA den Nachweis der Impfung von ihren Schülern und Studenten.

In Deutschland empfiehlt die Ständige Impfkommission (STIKO) standardmäßig eine Impfung gegen Meningokokken der Serogruppe C mit dem C-Konjugat-Impfstoff für alle Kinder im zweiten Lebensjahr. Für noch nicht geimpfte Kinder und Jugendliche sollte die Impfung bis zum 18. Lebensjahr nachgeholt werden.

Impfbeteiligung mangelhaft

Obgleich die Kosten für die Impfung von den Krankenkassen übernommen werden, ist die Impfbeteiligung in Deutschland nicht ausreichend. Bei Zweijährigen liegt sie bei 70 Prozent und bei Jugendlichen bei maximal 20 Prozent.

"Eine Pflichtimpfung ist nicht durchsetzbar. Wir müssen durch Information und Aufklärung an die Vernunft der Eltern appellieren", hat Dr. Jan Leidel, Leiter des Gesundheitsamtes Köln, auf einer Veranstaltung vom Centrum für Reisemedizin in Düsseldorf berichtet.

Lesen Sie dazu auch: Impfung gegen Meningokokken: Bayern hinten

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Gehäufte Infektionen in Südengland

Meningitis B: Das sind Warnzeichen – das ist zu tun

Das könnte Sie auch interessieren
DMykG 2025: So dringt Bifonazol effektiv in die Nagelplatte ein

© Matt LaVigne | iStock

Neue in-vitro-Daten

DMykG 2025: So dringt Bifonazol effektiv in die Nagelplatte ein

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Bifonazol: Antimykotikum mit antientzündlicher Wirkung

© Irina Esau | Getty Images/iStockphoto

Fokus: Integrität der Haut

Bifonazol: Antimykotikum mit antientzündlicher Wirkung

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Die Bedeutung von Bifonazol in der Therapie der Tinea capitis

© Prof. Dr. med. Hans-Jürgen Tietz

Pilzinfektion Kopfhaut

Die Bedeutung von Bifonazol in der Therapie der Tinea capitis

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Für Menschen ab 60 Jahren sind die Impfungen gegen Influenza, Corona, Pneumokokken und Herpes zoster (beide nicht im Bild) Standard-Impfungen. Für Menschen ab 75 Jahren kommt die RSV-Impfung hinzu.

© angellodeco / stock.adobe.com

Respiratorisches Synzytial Virus

STIKO: Alle Menschen ab 75 gegen RSV impfen!

Blickdiagnose: klinisches Bild mit typischen Effloreszenzen bei Herpes zoster.

© Mumemories / Getty Images / iStock

Zoster-Impfung

Schutz vor Herpes zoster und Rezidiven

Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: Potenzielle Schäden durch eine Influenza-Infektion an verschiedenen Organsystemen

© Springer Medizin Verlag

Impfen und Herzgesundheit

Mehr als nur Grippeschutz: Warum die Influenza-Impfung bei Menschen mit kardiovaskulären Erkrankungen so wichtig ist

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Sanofi-Aventis Deutschland GmbH, Frankfurt a. M.
Abb. 1: Mittlere Veränderung des DAS28-CRP bis Woche 52 gegenüber Ausgangswert (primärer Wirksamkeitsendpunkt)

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [2]

Anti-TNF-Therapie

Erstes Golimumab-Biosimilar erweitert Therapiespielräume bei RA, PsA, axSpA und pJIA

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Advanz Pharma GmbH, München
Zielgerichtete Interleukin-23p19-Inhibition

© Oleh / stock.adobe.com

Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen

Zielgerichtete Interleukin-23p19-Inhibition

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Lilly Deutschland GmbH, Bad Homburg v.d.H.
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen
Lesetipps
Ein Arzt in einem weißen Arztkittel spricht mit einem männlichen Patienten über die Ergebnisse der medizinischen Untersuchung und gibt anhand dieser eine Behandlungsempfehlung ab.

© Pcess609 / stock.adobe.com

Kommunikationsfehler vermeiden

Tipps: So sollten Sie mit Patienten über Risiken und Zahlen sprechen

Weltkugel mit Viren

© ImageFlow / stock.adobe.com

Review und Leitlinie

Ambulante antivirale COVID-19-Therapie: Was US-Wissenschaftler empfehlen

Das hochintensive Intervalltraining (HIIT) enthält kurze, aber maximale Belastungsphasen mit anschließender kurzer Erholungspause.

© shevtsovy / stock.adobe.com

Prävention kardiometabolischer Risiken

Wie hochintensives Intervalltraining Herz und Lungen stärkt