Retrospektive Studie

Mit Botulin gegen Nichtmigräne-Schmerz

Eignet sich Onabotulinumtoxin A auch dann zur Prävention von chronischen Kopfschmerzen, wenn keine Migräne dahinter steckt? Neurologen haben diese Hypothese in einer kleinen Studie retrospektiv geprüft.

Von Beate Schumacher Veröffentlicht: 18.10.2019, 16:56 Uhr

Columbia. Patienten mit chronischer Migräne, die auf eine orale Prophylaxe unzureichend ansprechen oder diese nicht vertragen, können alternativ mit Onabotulinumtoxin A (BoNT-A) behandelt werden. Dabei wird das Toxin, wie in der zulassungsrelevanten Studie PREEMPT, im Abstand von drei Monaten in einer Gesamtdosis von 155–195 U in definierte Stellen von Kopf- und Nackenmuskeln injiziert.

Ob von einer solchen Behandlung auch Patienten profitieren, die an anderen chronischen Kopfschmerzen leiden, haben Ärzte der Universität in Columbia anhand von Patientenakten aus ihrer Klinik zu eruieren versucht (Front Neurol 2019; 10: 1009).

Retrospektive Studie

Einschlusskriterien für die aktuelle Studie waren Nichtmigräne-Kopfschmerzen an mehr als 15 Tagen im Monat, und zwar für mindestens vier bis sechs Stunden pro Tag, Versagen von zwei anderen prophylaktischen Therapien, angemessene Behandlung von sekundären Kopfschmerzen und eine mindestens sechsmonatige Behandlung mit Onabotulinumtoxin A. Außerdem sollte jeder Kopfschmerztyp durch mindestens drei Patienten vertreten sein.

Diese Voraussetzungen erfüllten 24 von über 700 Patienten mit Onabotulinumtoxin-ABehandlung; sie litten an posttraumatischen, zervikogenen oder Pseudotumor-cerebri-Kopfschmerzen oder an Kopfschmerzen im Zusammenhang mit einer obstruktiven Schlafapnoe.

Die Ergebnisse: Im Mittel war nach sechs und nach zwölf Monaten im Vergleich zum Ausgangszustand ein signifikanter Rückgang sowohl der Kopfschmerzfrequenz (11,9 beziehungsweise 7,1 vs. initial 25,2 Tage pro Monat) als auch der Schmerzintensität (2,8 beziehungsweise 2,6 vs. initial 7,0 auf einer VAS von 1–10) festzustellen. Im Einzelnen galt das auch für die Schmerzintensität bei posttraumatischen und zervikogenen Kopfschmerzen sowie für die Frequenz bei Kopfschmerzen nach Trauma, bei idiopathischer intrakranieller Hypertension und bei Schlafapnoe.

Erfolg bei der Prophylaxe

Fünf Patienten hatten zur Behandlung ihrer Kopfschmerzen auch Opioide eingesetzt. Drei von ihnen konnten diese Medikation reduzieren oder absetzen.

Fazit: Die Injektion von Onabotulinumtoxin A nach dem PREEMPT-Injektionsschema für mindestens sechs Monate kann außer Migräne auch andere primäre und sekundäre chronische Kopfschmerzen bessern. Die Aussage beruht allerdings auf den Krankenakten von nur 24 Patienten.

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