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Mit Gleichstrom gegen epileptische Anfälle

JENA (mut). Die transkranielle Gleichstromstimulation (tDCS) entwickelt sich möglicherweise zu einer schonenden neuen Behandlung für einen Teil der Kinder mit Therapie-resistenter Epilepsie. Nach ersten Beobachtungen kann die Methode die Anfallshäufigkeit bei etwa einem Drittel der Kinder reduzieren. Sie kann möglicherweise auch voraussagen, wer auf eine Vagusnerv-Stimulation anspricht.

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Bei der Gleichstromstimulation werden zwei großflächige Elektroden (etwa 35 cm2) am Kopf angebracht - zur Epilepsietherapie meist die Kathode über dem Epilepsiefokus. Über sie fließt ein transkranieller Strom. Das Prinzip: Der kathodale Strom bewirkt eine Hyperpolarisation und soll das Ruhemembranpotenzial von Nervenzellen absenken - und somit die Wahrscheinlichkeit eines epileptischen Anfalls reduzieren, so Professor Jürgen Sperner von der Uniklinik für Kinder- und Jugendmedizin in Lübeck.

Auf dem Neuropädiatrie-Kongress in Jena stellte Sperner erste Daten von Kindern mit Therapie-refraktärer Epilepsie vor. Insgesamt haben der Pädiater und seine Kollegen 33 solcher Kinder mit der neuen Methode behandelt. Etwa ein Drittel habe darauf gut angesprochen - die Zahl der Anfälle ging bei ihnen deutlich zurück. Bei einigen Kindern seien die Effekte sehr ausgeprägt gewesen. Sperner nannte etwa ein sechjähriges Mädchen mit täglichen myoklonischen Nickanfällen und sehr auffälligem EEG. Nach einer 20-minütigen Gleichstrom-Behandlung hatte sich das EEG normalisiert und die Patientin war fast vier Wochen anfallsfrei.

Bei Ansprechen auf Gleichstrom nützt oft auch ein Vagus-Stimulator.

Die Gleichstrombehandlung wird überwiegend bei Patienten mit fokalen Epilepsien angewandt. Allerdings sprechen teilweise auch Patienten mit primär generalisierten Epilepsien an: Sperner berichtete von drei solchen Patienten, bei denen sich die Zahl generalisierter Anfälle reduzieren ließ. Bei Patienten mit generalisierten Epilepsien müssten jedoch jeweils individuell geeignete Ansatzpunkte für die Elektroden gefunden werden.

Offenbar eignet sich das Verfahren auch, um herauszufinden, welche Patienten sich für eine Vagusnerv-Stimulation (VNS) eignen. Ein solches Prognose-Werkzeug zu haben wäre sehr hilfreich - schließlich profitieren nur etwa 30 bis 40 Prozent der Patienten, bei denen der Stimulator implantiert wird, von der VNS, so Sperner. Aufgefallen war ihm, dass Patienten, die auf eine VNS nicht ansprachen, auch keinen Nutzen von der Gleichstromstimulation hatten. So blieb bei zwölf VNS-Nonrespondern auch die Gleichstrombehandlung ohne Erfolg.

Umgekehrt scheint eine Symptomreduktion durch tDCS einen Erfolg der VNS vorherzusagen: In einer kleinen Studie mit 14 Kindern, die für eine VNS vorgesehen waren, normalisierte sich bei 4 Kindern das EEG nach der Gleichstromstimulation und die Zahl der Anfälle ging zurück. Bei diesen Patienten ließ sich durch die VNS die Zahl der Anfälle langfristig um mehr als die Hälfte reduzieren. Bei 8 Patienten, die auf Gleichstrom nicht angesprochen hatten, brachte auch die VNS nichts. Nur bei 2 Patienten ließ sich der Erfolg einer VNS durch die Gleichstrombehandlung nicht vorhersagen. In einer größeren Studie mit 70 Patienten soll nun weiter geprüft werden, ob sich die tDCS zur Prognose des VNS-Erfolgs eignet und somit unnötige Implantationen vermieden werden können.

Ein kommerzielles Gerät zur tDCS gibt es bei neuroConn, www.eldith.de

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