Mit Tipranavir lassen sich HIV-Resistenzen überwinden

MÜNCHEN (wst). Patienten, deren HIV-Menge im Blut mit einer herkömmlichen Proteasehemmer-haltigen Kombinationstherapie nicht mehr zufriedenstellend gesenkt werden kann, bietet der Protease-Hemmer (PI) Tipranavir die Chance, die Virusmenge wieder unter die Nachweisgrenze zu drücken.

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Der nicht-peptidische Protease-Hemmer Tipranavir wurde im November vergangenen Jahres als Aptivus® in Deutschland eingeführt. Die Zulassung erfolgte vorerst für die antiretrovirale Kombinationstherapie erwachsener HIV-Infizierter, bei denen die Viren bereits eine Resistenz gegen eine oder mehrere andere Protease-Hemmer entwickelt haben.

Als optimale Dosis von Tipranavir wurden in Dosisfindungsstudien täglich zweimal 500 mg ermittelt, wobei jede Einzeldosis mit 200 mg Ritonavir geboostet wird: Ritonavir verhindert den Abbau von Tipranavir. Warum Ritonavir zur Boosterung hier doppelt so hoch dosiert wird wie bei den meisten anderen PIs, begründete Professor Jürgen Rockstroh aus Bonn bei den 11. Münchner AIDS-Tage mit der leichteren pharmakologischen Interaktion zwischen Tipranavir und Ritonavir.

Ausschlaggebend für die Zulassung von Tipranavir waren die Ergebnisse der Phase III-Studien RESIST 1 (Nordamerika und Australien) und RESIST 2 (Europa und Lateinamerika), wie Rockstroh auf einer Veranstaltung des Unternehmens Boehringer Ingelheim berichtete.

Einbezogen waren 1483 HIV-Infizierte mit einer Virusmenge über 1000 HIV-RNA-Kopien/ml, die bereits mit drei Klassen von antiretroviralen Medikamenten und mindestens zwei PI-haltigen Therapieregimen behandelt worden waren. Zusätzlich zur optimierten antiretroviralen Basisbehandlung erhielten 746 Patienten Ritonavir-geboostertes Tipranavir.

737 Patienten erhielten einen nach Resistenztestung noch erfolgversprechenden anderen, ebenfalls geboosterten PI (Lopinavir, Indinavir, Saquinavir oder Amprenavir). Nach 24 Wochen Tipranavir-Therapie hatten mehr als 41 Prozent der Patienten angesprochen, in der Kontrollgruppe nur 19 Prozent.

Ein Ansprechen war definiert als Abnahme der Virus-DNA um mindestens eine Log-Stufe (90 Prozent). Eine Virusmenge von weniger als 400 HIV-Kopien/ml (oder weniger als 50 Kopien/ml) hatten nach 48 Wochen unter Tipranavir 30 Prozent (oder 22,8 Prozent) der Patienten erreicht und unter den Kontroll-PIs nur 13,8 Prozent (10 Prozent).

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