Studie mit Kaninchen

Mit körpereigenen Uteruszellen gegen Unfruchtbarkeit?

Forscher haben bei Kaninchen dysfunktionale Uteri durch Behandlung mit körpereigenen Zellen soweit wiederhergestellt, dass ein Teil der Tiere lebende Nachkommen zur Welt gebracht hat.

Von Anne Bäurle Veröffentlicht: 29.06.2020, 17:01 Uhr
Mit körpereigenen Uteruszellen gegen Unfruchtbarkeit?

Etwa sechs Prozent der Frauen, die sich einer Unfruchtbarkeitsbehandlung unterziehen, haben eine Funktionsstörung der Gebärmutter (Symbolbild). Ihnen könnte die neue Methode helfen.

© Iryna / stock.adobe.com

Winston-Salem. Mit Uterusgewebe aus körpereigenen Zellen könnte Frauen, die wegen einer Fehlfunktion der Gebärmutter unter Unfruchtbarkeit leiden, künftig eine Schwangerschaft ermöglicht werden. Im Tiermodell hatten Forscher Kaninchen, denen zuvor ein Teil des Uterus entfernt worden war, ein Polymergerüst implantiert, das mit körpereigenen Gebärmutterzellen beschichtet war. Ein Teil der Tiere brachte nach dieser Behandlung lebende Nachkommen zur Welt (Nat Biotechnol 2020; online 29. Juni).

Um die Effektivität der Methode zu belegen, setzte das Team um Dr. Renata Magalhaes von der Wake Forest University School of Medicine den Versuchstieren zum Teil nur das Polymergerüst ohne körpereigene Uteruszellen ein oder vernähte nach Entnahme eines Teils der Gebärmutter die Operationswunde lediglich.

Sechs Monate nach der Transplantation hatten sich nur in den Uteri von Kaninchen, die das mit Zellen beschichtete Polymergerüst implantiert bekommen hatten, uterus-ähnliche Strukturen entwickelt. Bei zehn der so behandelten Tiere wurden per Kaiserschnitt gesunde Jungen geboren.

Ähnliche Erfolgsquote wie Uterustransplantationen

Die neue Methode zur Unfruchtbarkeitsbehandlung zeige im Tierversuch damit eine ähnliche Erfolgsquote wie bisher durchgeführte Uterustransplantationen, berichtet das Science Media Center (SMC) in einer Mitteilung aus Anlass der Publikation und verweist auf eine Studie aus 2020 (Hum Reprod Open 2020; online 28. Februar). Zudem werden durch die Verwendung körpereigener Zellen Abstoßungsreaktionen vermieden.

„Die Grundprinzipien, die im Tierversuch mit Kaninchen gezeigt worden sind, sind auf den Menschen übertragbar“, berichtet Professor Matthias Beckmann vom Universitätsklinikum Erlangen, in der Mitteilung. Problematisch sei lediglich die Ausgangssituation der Frau, die so ein Transplantat bekomme: „In der Studie war das Implantat mit Zellen besiedelt, die von der Gebärmutter des jeweiligen Kaninchens gewonnen worden sind. Das ist natürlich bei Frauen, die keine Gebärmutter und auch diesen Zelltyp nicht haben, nicht möglich. An dieser Stelle müssten künstlich gezüchtete Zellen genutzt werden. In der Form wäre diese Technik allerdings gut denkbar“, so Beckmann.

Wie dehnbar ist das Gewebe?

Zu klären sei noch, inwiefern die Dehnbarkeit des Gewebes und der eingesetzten Struktur gegeben ist. „Diese ist natürlich in der Größenordnung Mensch anders als beim Kaninchen. Kontraktionen, also ein Zusammenziehen der Gebärmutter, sind in dieser Form sicherlich nicht möglich, sodass grundsätzlich eine Entbindung per Kaiserschnitt nötig ist“, meint Beckmann. Auch inwiefern die Durchblutung der vorhandenen Blutgefäße ausreichend sei und ob es notwendig sein werde, die Blutgefäße mit dem Implantat zu verbinden, sei derzeit unklar.

Etwa sechs Prozent der Frauen, die sich einer Unfruchtbarkeitsbehandlung unterziehen, haben eine Funktionsstörung des Uterus, heißt es in einem Bericht der US-Gesundheitsbehörde CDC. Für sie käme die neue Behandlungsmethode infrage.

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