Diagnostik

Mit nur einer Frage das Krebsrisiko erfassen

Haben Sie einen erstgradigen Verwandten, bei dem Darmkrebs diagnostiziert wurde? Diese Frage müssen Hausärzte nur 14 Patienten stellen, um einen mit erhöhtem Erkrankungsrisiko zu identifizieren.

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Damit Risiko-Patienten überhaupt die Möglichkeit zur Früherkennung eröffnet wird, ist es wichtig, dass der Hausarzt eine Familienanamnese erhebt.

Damit Risiko-Patienten überhaupt die Möglichkeit zur Früherkennung eröffnet wird, ist es wichtig, dass der Hausarzt eine Familienanamnese erhebt.

© WavebreakMediaMicro / Fotolia

FRANKFURT / MAIN.Menschen mit positiver Familienanamnese für ein kolorektales Karzinom haben ein gegenüber der Allgemeinbevölkerung 2- bis 4-fach erhöhtes Risiko, selbst an Darmkrebs zu erkranken. Die Leitlinie zum Kolonkarzinom empfiehlt, bei Angehörigen dieser Risikogruppe schon 10 Jahre vor dem Erkrankungsalter des Indexpatienten mit Screeningkoloskopien zu beginnen. Ein organisiertes Screening ist für diese Personen bislang nicht vorgesehen.

Damit den Betroffenen die Möglichkeit zur Früherkennung eröffnet wird, ist es wichtig, dass der Hausarzt eine Familienanamnese erhebt. Um einen Patienten mit familiärer Vorbelastung ausfindig zu machen, muss er durchschnittlich nur 14 Patienten im Alter von 40 bis 54 Jahren befragen. Das hat eine Studie in Deutschland ergeben, die Ärzte um Jasper Plath von der Goethe-Universität Frankfurt jetzt vorgelegt haben (Family Practice 2017; 34 (1): 30–35).

An der Studie waren 21 hessische Allgemeinarztpraxen beteiligt. Von insgesamt 12.184 Patienten im Alter zwischen 40 und 54, die in den letzten zwölf Monaten mindestens einmal die Praxis aufgesucht hatten, konnte bei 6723 die Familienanamnese erhoben werden. Dazu wurde ein vom Netzwerk gegen Darmkrebs entwickelter vierteiliger Fragebogen zum familiären Darmkrebsrisiko verwendet.

Die Frage 1 nach einer Darmkrebsdiagnose bei einem erstgradigen Verwandten wurde von 7,2 Prozent der Patienten bejaht. Mit steigendem Alter erhöhte sich dieser Anteil von 5,5 Prozent (40- bis 44-Jährige) auf 8,6 Prozent (50- bis 54-Jährige). 1,2 Prozent berichteten, dass die Diagnose schon vor dem 50. Lebensjahr gestellt worden war (Frage 2).

Von der Entfernung eines Polypen bei einem Verwandten unter 50 (Frage 3) wussten 2,6 Prozent der Teilnehmer. Dass die Quote bei Frauen doppelt so hoch war wie bei Männern (3,4 vs. 1,7 Prozent) spricht jedoch für einen Erinnerungsbias; Frauen sind vermutlich besser mit den gesundheitlichen Problemen von Familienangehörigen vertraut. 2,1 Prozent der Befragten gaben an, mindestens drei Verwandte zu haben, bei denen ein Karzinom des Darms, des Magens, der Zervix, der Ovarien, der Nieren oder der Harnblase diagnostiziert worden war.

Eine mögliche Schwäche der Studie besteht darin, dass sie sich auf Patientenangaben stützt, die – wie sich an der Frage zu den Polypen zeigt – nicht immer verlässlich sind. Die Studienautoren verweisen allerdings auf eine Pilotstudie, in der sie zeigten, dass mit der Frage 1 eine Sensitivität von 100 Prozent und eine Spezifität von 97 Prozent erreicht werden. Andere veröffentlichte Zahlen zur Häufigkeit einer positiven Familienanamnese für Darmkrebs im Alter bei 40- bis 54-Jährigen liegen sogar noch etwas höher; laut Jasper und Kollegen bewegen sie sich zwischen 6,1 und 11,2 Prozent.

Allerdings wurden diese Daten nicht wie in der neuen Studie mithilfe von standardisierten Interviews in einem Praxisumfeld erhoben. Aufgrund ihrer Ergebnisse plädieren die Studienautoren dafür, Hausärzte bei einem risikoadaptierten Darmkrebsscreening einzubeziehen. Sie könnten eine Lotsenfunktion übernehmen, indem sie Menschen mit familiär bedingt höherem Erkrankungsrisiko frühzeitig ausfindig machen. (bs)

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