Direkt zum Inhaltsbereich

Ein komisches, flaues Gefühl, das der Diabetiker für eine Hypoglykämie hält, kann die gesamte Stoffwechselkontrolle torpedieren. Vermehrte Blutzucker-Selbstmessungen, auch im Tagesverlauf, und moderne Medikamente können hier helfen.

Darauf hat Professor Stephan Jacob vom Kardio-Metabolischen Institut in Villingen-Schwenningen beim Kongress hingewiesen. Wie der Diabetologe und Hypertensiologe an einem typischen Patientenbeispiel demonstrierte, gibt es zwei Strategien, mit denen ein Patient dieser Verunsicherung begegnet: Er vermeidet Bewegung, weil danach eher das Hypoglykämie-Gefühl auftritt, und er isst häufiger Zwischenmahlzeiten, um den Blutzuckerabfall zu vermeiden - beides Selbsthilfemaßnahmen, die es zu vermeiden gelte, so Jacob. Besonders Sulfonyl-Harnstoffe und Insulin bergen ein Hypoglykämierisiko. "Wenn der Diabetiker anfängt, Sport zu treiben und sich gesünder ernährt, die Eingangsmedikation aber dieselbe bleibt, kann es gefährlich werden," so Jacob bei einem Symposium von BMS/AstraZeneca.

Um als Arzt der Situation begegnen zu können, empfahl er, die Gründe für die Hypoglykämien abzuklären und dann mit der antihyperglykämischen Therapie gezielt auf die einzelnen Regelgrößen Einfluss zu nehmen.

Moderne orale Antidiabetika wie ein Inkretinverstärker oder ein Glitazon sind hier von Vorteil, weil sie mehrere Regelgrößen günstig beeinflussen. So auch in seinem Fallbeispiel: Sobald der Patient auf einen DPP4 (DiPeptidyl-Peptidase)-Hemmer umgestellt war, verschwand innerhalb von drei Tagen das unsichere Gefühl. Das morgendliche Walken wurde wieder aufgenommen, Zwischenmahlzeiten waren nicht mehr notwendig, das Gewicht ging nach unten und die Motivation für Lebensstil-Interventionen stieg. All dies wirkte sich positiv auf die Blutzuckereinstellung aus.

Auch die Gewichtszunahme stellt ein wichtiges Therapiehindernis dar. Denn zunächst werde den Patienten eingebläut, Gewicht zu reduzieren und dann erhielten sie eine Therapie, die es steigen lässt. Das sei den Patienten nicht zuzumuten und zudem insbesondere mit Blick auf die kardiovaskulären Folgen ungünstig, so Jacob. (kat)

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Akuter ischämischer Insult oder TIA

Schützt GLP-1-Rezeptoragonist vor frühen Schlaganfall-Rezidiven?

Hormone, Schwangerschaft, Wechseljahre

Warum ein Diabetes Frauen anders trifft als Männer

Doch kein Synergismus?

Trainingseffekte womöglich durch Metformin abgeschwächt

Das könnte Sie auch interessieren
Vitamin-B12-Mangel frühzeitig behandeln!

© Aleksandr | colourbox.de

Fatal verkannt

Vitamin-B12-Mangel frühzeitig behandeln!

Anzeige | WÖRWAG Pharma GmbH & Co. KG
Aktuelle Empfehlungen für die Praxis

© polkadot - stock.adobe.com

Vitamin-B12-Mangel

Aktuelle Empfehlungen für die Praxis

Anzeige | WÖRWAG Pharma GmbH & Co. KG
B12-Mangel durch PPI & Metformin

© Pixel-Shot - stock.adobe.com

Achtung Vitamin-Falle

B12-Mangel durch PPI & Metformin

Anzeige | WÖRWAG Pharma GmbH & Co. KG
50 Jahre Jung-Preis

© Jung-Stiftung für Wissenschaft und Forschung

50 Jahre Jung-Preis

Freiheit als Voraussetzung für medizinischen Fortschritt

Anzeige | Jung-Stiftung für Wissenschaft und Forschung
Kommentare
Sonderberichte zum Thema

T2D-Therapie jetzt auch mit Semaglutid 2 mg

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Novo Nordisk Pharma Gmbh, Mainz
Abb. 1: AIO-KRK-0424/ass-Registerstudie: Leitlinienadhärenz

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [5]

BRAFV600E-mutiertes mCRC nach systemischer Vortherapie

Registerstudie weist auf Defizite in der Umsetzung der Leitlinienempfehlungen hin

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Pierre Fabre Pharma GmbH, Freiburg
Abb. 1: Rückgang der generalisierten tonisch-klonischen Anfälle unter Cannabidiol + Clobazam

© Springer Medizin Verlag , modifiziert nach [1]

Real-World-Daten aus Deutschland zum Lennox-Gastaut- und Dravet-Syndrom

Cannabidiol in der klinischen Praxis: vergleichbare Wirksamkeit bei Kindern und Erwachsenen

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Jazz Pharmaceuticals Germany GmbH, München
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Beispiele zum Durchklicken

Auffälliges EKG: Was steckt hinter diesen 13 Fällen?

Früherkennung von Geschlechtskrankheiten

Kein Screen & Treat bei mukosalen STI!

Schädel-Hirn-Traumata

Was Kopfbälle fürs Demenzrisiko bedeuten

Lesetipps
Ein Blick in die aktuelle Isolationsstudie SOLIS100, die in Zusammenarbeit mit der ESA durchgeführt wird. Sechs Personen sind für 100 Tage in einem Raum isoliert ohne Kontakt nach außen bis auf terminierte Mission-Controll-Telefonate und 30 Minuten Kontakt zu Freunden und Familie pro Woche über Telefon/Videoanruf.

© DLR

Raumfahrtmediziner im Porträt

Jens Jordan – ein Arzt für Weltall und Erde

Ein roter Stift vor einem Taschenrechner.

© Gina Sanders / stock.adobe.com

Einsparungen beschlossen

Wegen Spargesetz: KV Berlin ändert Honorarverteilung und streicht Förderung