Morbus Parkinson lässt sich bremsen

NÜRNBERG (mut). Parkinson-Kranke möglichst früh behandeln - das ist die Konsequenz aus der ADAGIO-Studie. Sie hat erstmals deutlich belegt, dass ein früher Therapiestart M. Parkinson bremst.

Veröffentlicht:

Lindern Parkinson-Medikamente nur die Krankheitssymptome, oder greifen sie auch ins Krankheitsgeschehen ein? Dies war lange eine viel diskutierte Frage in der Parkinson-Therapie. Erstmals gibt es darauf eine deutliche Antwort: Zumindest mit Rasagilin (Azilect®) in der 1-mg-Dosierung lässt sich auch der Krankheitsverlauf verzögern. Für einige andere Parkinson-Arzneien wird dies gerade ebenfalls geprüft - Ergebnisse werden zum Teil noch in diesem Jahr erwartet.

Die abschließenden Daten der ADAGIO-Studie waren fast zeitgleich auf dem Neurologen-Kongress in Nürnberg und im "New England Journal of Medicine" (361, 2009, 1268) präsentiert worden. In der Studie erhielt ein Teil der 1176 Patienten in der ersten Studienphase 36 Wochen lang Placebo, der andere Teil Rasagilin. In der zweiten Phase erhielten alle Patienten für weitere 36 Wochen den MAO-B-Hemmer. Die Studienärzte wollten mit diesem Design schauen, ob Patienten mit frühem Therapiestart stärker von der Therapie profitieren als Patienten mit neun Monate späterem Start.

Eine weitere Besonderheit: Die Patienten hatten noch einen sehr milden Parkinson - der motorische UPDRS-Wert lag bei 14 Punkten. Sie waren aufgrund der Symptome noch nicht therapiebedürftig, so Professor Günther Deuschl von der Uniklinik in Kiel.

Die Ergebnisse: In der ersten Phase verschlechterte sich der UPDRS-Gesamtwert mit Placebo deutlich schneller als mit Rasagilin (0,14 Punkte versus 0,09 Punkte pro Woche), nach Studienende waren die Parkinson-Symptome bei spätem Therapiestart deutlich stärker ausgeprägt (plus 4,5 versus plus 2,8 UPDRS-Punkte). Der Unterschied beim UPDRS-Wert blieb in der zweiten Phase zudem konstant - die Patienten mit spätem Therapiestart konnten folglich nicht mehr den Abstand zu den Patienten mit frühem Start verringern. Damit, so Deuschl auf einer Veranstaltung von Lundbeck und Teva, seien alle von der US-Behörde FDA geforderten Kriterien zum Nachweis einer krankheitsmodifizierenden Wirkung erfüllt worden - allerdings nur für die 1-mg-Dosierung, nicht für die ebenfalls geprüfte 2-mg-Dosis. Über die Gründe müsse nun diskutiert werden.

Lesen Sie auch: Arzneitherapie kann Parkinson bremsen

Lesen Sie dazu auch den Kommentar: Frühe Therapie lohnt sich

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Evidenz-Update

Wohl kaum Fortschritte in der Tremortherapie

Das könnte Sie auch interessieren
Was die MS-Behandlung auszeichnet

© Suphansa Subruayying | iStock

Lebensqualität

Was die MS-Behandlung auszeichnet

Anzeige | Merck Healthcare Germany GmbH
Unsichtbare MS-Symptome im Fokus

© AscentXmedia | iStock

Lebensqualität

Unsichtbare MS-Symptome im Fokus

Anzeige | Merck Healthcare Germany GmbH
Kommentare
* Hinweis zu unseren Content-Partnern
Dieser Content Hub enthält Informationen des Unternehmens über eigene Produkte und Leistungen. Die Inhalte werden verantwortlich von den Unternehmen eingestellt und geben deren Meinung über die Eigenschaften der erläuterten Produkte und Services wieder. Für den Inhalt übernehmen die jeweiligen Unternehmen die vollständige Verantwortung.
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: Wirksamkeit in der klinischen Praxis von Brivaracetam über 12 Monate (alle Formen fokaler Anfälle)d

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [3]

Zusatzbehandlung fokaler Epilepsien

Effektivere Anfallskontrolle in der Kombinationstherapie

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: UCB Pharma GmbH, Monheim
Zielgerichtete Interleukin-23p19-Inhibition

© Oleh / stock.adobe.com

Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen

Zielgerichtete Interleukin-23p19-Inhibition

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Lilly Deutschland GmbH, Bad Homburg v.d.H.
Abb. 2: ADA und nAb unter AVT05 und Referenz-Golimumab bis Woche 16

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [3]

Colitis ulcerosa

Das erste Golimumab-Biosimilar erweitert die Therapieoption bei entzündlichen Erkrankungen

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Advanz Pharma GmbH, München
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

DGKN-Kongress in Augsburg

Neue Technik für die Therapie zerebraler Erkrankungen

Treat-to-Target-Strategie

Gicht: Mit der Harnsäure sinkt auch das kardiovaskuläre Risiko

Lesetipps
Eine Frau steht vor einer schwarzen Wolke.

© 1STunningART / stock.aodbe.com

Keine Modeerscheinung

ADHS im Erwachsenenalter: Das gilt für Diagnostik und Therapie

 Shabnam Fahimi-Weber

© Jochen Tack

Einsatz im Kriegsgebiet

Essener HNO-Ärztin hilft Menschen im Iran via Telemedizin