Arthrose

"Motivieren Sie Arthrosepatienten zu körperlicher Aktivität"

Hausärzte haben einen Strauß an Möglichkeiten, um die meist älteren Arthrosepatienten zu führen und ihnen eine bessere Lebensqualität zu ermöglichen. Wichtig dabei: die Motivation zu körperlicher Aktivität.

Von Uwe Groenewold Veröffentlicht:
Bewegung in der Gruppe: Das hält körperlich und geistig fit und festigt soziale Kontakte.

Bewegung in der Gruppe: Das hält körperlich und geistig fit und festigt soziale Kontakte.

© imago

HAMBURG. Voraussetzung für eine Erfolg versprechende Behandlung ist eine Differenzialdiagnose durch den Facharzt. "Wenn die Patienten, die oft seit vielen Jahren unter wiederkehrenden Schmerzen leiden, wissen, warum es weh tut, können sie mit ihrem Leid oftmals besser umgehen", sagte Professor Wolfgang Rüther, Direktor der Orthopädischen Uniklinik Hamburg-Eppendorf. Die weitere Betreuung liege dann in den Händen des Hausarztes.

Auf sein Anraten gelte es, starke Belastungen zu vermeiden: bei Hüftarthrose zum Beispiel tiefes Bücken, bei Kniearthrose längere Gehstrecken, vor allem bergab. Für die akute Therapie, etwa bei einem Gelenkerguss, biete sich eine antiphlogistische Salbentherapie sowie vorübergehende Kühlung und Schonung an. Mit präventiv verordneten Analgetika gelinge es, Schmerzen vor einer geplanten, größeren Anstrengung zu lindern oder zu vermeiden.

Wichtigste Aufgabe des Hausarztes sei es, Arthrosepatienten zu regelmäßiger körperlicher Aktivität zu motivieren. Dies erhalte die Gelenkbeweglichkeit und steigere Muskelkraft und Koordinationsvermögen. Ideal seien etwa das Gehen auf weichen Böden mit Unterstützung von Walking-Stöcken oder die regelmäßige Nutzung eines Fahrradergometers. "Wir müssen den Patienten fordern, dürfen ihn aber nicht überfordern", so Rüther bei einer Veranstaltung im Vorfeld des am Mittwoch beginnenden Rheumakongresses in Hamburg. Täglich einige Minuten gelenkschonende gymnastische Übungen sowie ein kurzer Gang seien realistischere Ziele als die Vorgabe, jeden Tag eine Stunde spazieren zu gehen.

Bei älteren Patienten mit Dauerschmerzen rät Rüther zu einer frühzeitigen Op, um die weitere Teilnahme am gesellschaftlichen Leben zu ermöglichen. "Zwischen körperlicher und geistiger Leistungsfähigkeit besteht ein direkter Zusammenhang. Zieht sich ein schmerzgeplagter Patient zurück und verliert seine sozialen Kontakte, verliert er auf Dauer auch seine geistige Flexibilität", so Rüther.

Etwa fünf Millionen Menschen leiden in Deutschland an Arthrose. Dabei handelt es sich nicht, wie Rüther betont, um eine degenerative Verschleißerkrankung. "Die Schädigung des Gelenkknorpels mit allen Sekundärphänomenen ist die gemeinsame Endstrecke unterschiedlicher Auslöser." So können Infektionen, Entzündungen, Unfälle oder Stoffwechselstörungen die individuelle Belastbarkeit des Gelenkknorpels überfordern. "Von der ersten Schädigung bis zum Vollbild der Arthrose vergehen oft viele Jahre, in denen der Patient keine Schmerzen verspürt. Dies macht eine Frühdiagnose praktisch unmöglich."Trotz neuer Erkenntnisse sei über die Entstehung der Arthrose noch zu wenig bekannt, so der Kongresspräsident. Die Forschungsaktivitäten über Fächergrenzen hinweg müssten verstärkt werden, um Wege zu finden, in den Prozess des Knorpelabbaus eingreifen zu können.

www.dgrh-kongress.de

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