Endoskopie

NOTES ist aus dem Gröbsten raus

Viele Kollegen waren skeptisch, als vor einigen Jahren die endoluminalen Operationsverfahren geboren wurden. Zu hoch sei das Infektionsrisiko, lautete die Kritik. Doch beim DGIM-Kongress zeigte sich: Die Verfahren haben sich gut etabliert.

Von Stefan Käshammer Veröffentlicht: 09.04.2013, 07:23 Uhr
Gallensteine: Bei Patientinnen etabliert sich zunehmend die NOTES.

Gallensteine: Bei Patientinnen etabliert sich zunehmend die NOTES.

© Springer Verlag

WIESBADEN. Als 2007 erstmals einer Patientin narbenfrei über einen transvaginalen Zugang die Gallenblase entfernt wurde war die NOTES (Natural Orifice Transluminal Endoscopic Surgery) geboren.

NOTES sei keine eigenständige Methode, sondern ein Konzept, betont Professor Karl-Hermann Fuchs vom Markus-Krankenhaus in Frankfurt am Main beim Internistenkongress in Wiesbaden. Dabei werde eine Reduktion des Zugangstraumas durch den Gebrauch einer natürlichen Körperöffnung mit den traditionellen laparoskopischen Techniken kombiniert.

Mittlerweile haben sich in spezialisierten Zentren für jede natürliche Körperöffnung Indikationen für NOTES-Operationen herausgebildet. In den Anfängen hatten Kritiker eine hohe Infektionsgefahr vorausgesagt, weil über nicht-sterile natürliche Körperöffnungen in sterile Körperhöhlen, etwa die Bauchhöhle, eingedrungen wird.

"Das kann aus heutiger Sicht klar entkräftet werden", sagt Fuchs. In 14 Studien mit insgesamt 1300 per NOTES operierten Patienten lag die Infektionsrate unter einem Prozent, berichtet Fuchs. Die meisten Patientinnen davon waren transvaginal cholezystektomiert worden.

Zur transösophagealen Myotomie bei Achalasie habe sich an einigen Zentren mittlerweile die POEM (Perorale Endoskopische Myotomie) etabliert, so Fuchs weiter. In einer Studie mit 16 Patienten waren 94 Prozent davon 3 Monate nach der POEM beschwerdefrei (Am J Gastroenterol. 2012; 107(3): 411).

Verfahren dennoch am Anfang

Der Druck im unteren Ösophagussphinkter war im Schnitt von 27 auf 12 mm Hg gesunken. Die Komplikationsrate war gering: Lediglich bei einem Patienten wurde bei einer Kontrollendoskopie eine erosive Läsion im unteren Ösophagus gefunden. Keiner der Patienten brauchte nach der POEM Antazida oder Protonenpumpen-Hemmer .

Die Idee, über eine natürliche Körperöffnung Zugang zum Organ zu bekommen, habe auch der konventionellen Laparoskopie neue Impulse gegeben, sagt Fuchs. So würde bei der transanalen Hybrid-Kolonresektion etwa über drei kleine Einschnitte für Kamera und Werkzeug operiert.

Die zum Teil voluminösen Resektate ließen sich dann über einen transanalen Zugang bergen. In einer kleinen Studie bei 15 Frauen mit benignen Kolonerkrankungen seien mit der Methode gute Ergebnisse erzielt worden (Surgical Endoscopy 2013; 27: 746).

Die Op dauerte im Schnitt 132 Minuten. Bei einer Patientin musste in eine offene Laparotomie übergegangen werden. Revisionsbedürftige Komplikationen gab es keine. Eine Patientin bekam postoperativ eine kleinere Blutung, eine weitere hatte einen postoperativen Ileus.

Trotz vielversprechender Ergebnisse stünden die NOTES-Verfahren immer noch am Anfang, sagt Fuchs. Als nächstes müssten sie in kontrollierten Studien dem Vergleich mit der konventionellen Laparoskopie standhalten.

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