Hinweise

NSAR könnten vor hellem Hautkrebs schützen

Die Gefahr eines Spinalioms lässt sich womöglich durch ASS und Ibuprofen senken. Das Basaliom-Risiko wird durch NSAR aber nicht reduziert und durch Coxibe sogar erhöht. Das legen die Daten einer Assoziationsstudie nahe.

Von Thomas Müller Veröffentlicht:
Plattenepithelkarzinom: In einer Studie hatten die Basaliom-Patienten deutlich seltener Ibuprofen eingenommen als die Kontrollgruppe.

Plattenepithelkarzinom: In einer Studie hatten die Basaliom-Patienten deutlich seltener Ibuprofen eingenommen als die Kontrollgruppe.

© Dr. Hans Schulz, Bergkamen

BASEL. Es gibt inzwischen eine ganze Reihe von Hinweisen, nach denen NSAR bei der Prävention von hellem Hautkrebs hilfreich sein könnten.

So reduzieren topisch applizierte COX-2-Hemmer das Hautkrebsrisiko im Tiermodell, und das NSAR Diclofenac wird erfolgreich zur Therapie bei aktinischer Keratose eingesetzt.

Allerdings fehlen bisher überzeugende Studiendaten, nach denen NSAR bei Menschen tatsächlich die Gefahr für den hellen Hautkrebs senken.

Mit solchen Studien können auch Schweizer Forscher um Daphne Reinau von der Universität in Basel nicht dienen, aber sie haben in einer britischen Datenbank geschaut, ob Patienten mit hellem Hautkrebs in der Vergangenheit seltener NSAR eingenommen haben als Personen ohne solche Tumoren (Int J Cancer 2014; online 3. Dezember).

Als Grundlage diente dem Team um Reinau die repräsentative "General Practice Research Database" (GPRD). Sie enthält die komplette medizinische Historie von etwa zwölf Millionen Briten - also sämtliche Medikamentenverordnungen, aber auch Angaben zu Lebensstilfaktoren.

Die Forscher fanden dort 65.000 Patienten mit Basaliom sowie knapp 8000 mit Spinaliom. Jedem Basalzell-Krebs-Patienten stellten sie einen Patienten, jedem Plattenepithel-Karzinom-Patienten vier Personen ohne Hautkrebs gegenüber (Kontrollgruppe).

Nun schauten sie, wie häufig Patienten in der Hautkrebsgruppe bis zum Jahr vor der Diagnose NSAR eingenommen hatten, und verglichen diese Angaben mit dem NSAR-Konsum in der Kontrollgruppe.

Keine eindeutigen Ergebnisse

Wie sich herausstellte, hatten Patienten mit Basaliom in der Vergangenheit ähnlich häufig NSAR eingenommen wie Patienten in der Kontrollgruppe. Es ließ sich also für die Gesamtheit der NSAR weder ein erhöhtes noch ein erniedrigtes Tumorrisiko berechnen.

Schauten sich die Forscher die einzelnen NSAR genauer an, so hatten die Basaliom-Patienten etwas seltener ASS und deutlich seltener Ibuprofen eingenommen als die Kontrollgruppe. Rein rechnerisch ergibt sich daraus eine signifikante Risikoreduktion um acht Prozent für ASS und um 39 Prozent für Ibuprofen, nachdem eine Reihe von Begleitfaktoren und -erkrankungen berücksichtigt wurden.

Allerdings bestand dieser Zusammenhang nur bei Patienten, die über lange Zeit hinweg (mehr als 30 Rezepte) die beiden Substanzen eingenommen hatten. Umgekehrt sah es bei den Coxiben aus. Für sie ließ sich bei einer Langzeitanwendung ein um 150 Prozent erhöhtes Basaliom-Risiko berechnen.

Die Spinaliom-Patienten hatten insgesamt etwas seltener NSAR eingenommen als die Kontrollgruppe, am stärksten war hier aber der Unterschied bei den Coxiben: Für sie ließ sich eine Risikoreduktion um 23 Prozent berechnen, für die NSAR allgemein um elf Prozent. Bei der Einzelanalyse fanden die Forscher auch für Naproxen ein geringeres Risiko (minus 16 Prozent).

Die Studienautoren um Reinau verweisen auf Ergebnisse einer dänischen Fall-Kontroll-Studie, die ebenfalls auf ein erhöhtes Basaliom- und ein erniedrigtes Spinaliom-Risiko unter Coxiben deuteten.

Allerdings ist die Aussagekraft solcher Assoziationsstudien eher bescheiden, zumal, wie das Team um Reinau zugeben musste, nicht einmal der Hauptrisikofaktor für hellen Hautkrebs, die UV-Exposition, berücksichtigt werden konnte.

Angaben dazu fanden sich leider nicht in der Datenbank. Es könnte also gut sein, dass Patienten mit NSAR nur deswegen seltener bestimmte Hautkrebsformen bekommen, weil sie aufgrund ihrer Schmerzen weniger im Freien aktiv sind.

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