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Knochenbrüche

Nach Fragilitätsfraktur werden riskante Pillen selten verbannt

Auf Fragilitätsfrakturen von Senioren folgen oft weitere. Das könnte auch daran liegen, dass nach einer Fraktur zu selten nach Knochenbrechern in der Medikamentenbox gefahndet wird.

Dr. Robert BublakVon Dr. Robert Bublak Veröffentlicht:

LEBANON. Verschreibungspflichtige Präparate, die ein erhöhtes Risiko für Knochenbrüche mit sich bringen, werden nach einer Fragilitätsfraktur nur selten vom Medikationsplan gestrichen. Das hat eine Studie mit knapp 170.000 Senioren (84 Prozent Frauen!) ergeben. Die alten Menschen im Durchschnittsalter von 80 Jahren hatten einen Knochenbruch nach Bagatelltrauma erlitten. Etwa 48 Prozent hatten eine Hüft-, 36 Prozent eine Handgelenk- und 16 Prozent eine Schulterfraktur.

Die an der Studie beteiligten Forscher um Jeffrey Munson von der Geisel School of Medicine am Dartmouth College in Lebanon im US-Staat New Hampshire hatten die Medikamentenverordnungen der Senioren in den vier Monaten vor und nach der Fraktur auf drei Gruppen von riskanten Medikamenten geprüft (JAMA Intern Med 2016, online 22. August). Dazu zählten Substanzen, die das Sturzrisiko erhöhen (wie Benzodiazepine, Barbiturate und Antidepressiva); solche, die sich negativ auf die Knochendichte auswirken (wie Glukokortikoide, Protonenpumpenhemmer und H2-Rezeptor-Antagonisten) und solche, die auf unbekannten Wegen, aber erwiesenermaßen das Risiko für Knochenbrüche erhöhen (atypische Neuroleptika, Antipsychotika früherer Generationen und Schleifendiuretika).

Im Durchschnitt nahmen die Studienteilnehmer nicht weniger als sieben verschreibungspflichtige Substanzen ein. Gut drei Viertel der Patienten (76 Prozent) hatten vor der Fragilitätsfraktur mindestens ein Medikament in ihrer Pillenbox gehabt, das als Risikoarznei mit Blick auf Knochenbrüche gilt. In den vier Monaten danach wurden solche Mittel bei sieben Prozent der Patienten abgesetzt – doch ebenso vielen wurden sie neu verschrieben.

Insgesamt gab es in der untersuchten Kohorte keine Unterschiede in der Exposition gegenüber potenziell frakturfördernden Arzneimitteln vor und nach einer Fragilitätsfraktur: Opiate nicht gerechnet, nahmen 78 Prozent der Patienten auch nach dem Knochenbruch ein solches Mittel ein, wobei sich in den drei untersuchten Arzneigruppen keine erheblichen Unterschiede auftaten.

Chance verpasst

Opiate betrachteten Munson und Kollegen deshalb separat, weil die Verschreibung nach einem Knochenbruch einer adäquaten Schmerztherapie nach der Fraktur entsprechen und daher eine Berücksichtigung die Zahl der potenziell absetzbaren riskanten Medikamente nach oben verzerren konnte.

Nur eine Minderheit der Patienten bekam im Übrigen Präparate, die das Risiko für Knochenbrüche senken. Der Anteil von Patienten, die Mittel zur Erhöhung der Knochendichte bekamen, lag bei rund 20 Prozent, und das Frakturereignis erhöhte die Verordnungsrate um höchstens etwa zwei Prozentpunkte.

Munson und Kollegen konstatieren, dass die Verordnungen von verschreibungspflichtigen Medikamenten mit Frakturrisiko nach einem Knochenbruch durch Bagatelltrauma nur selten reduziert werden. Und so viele Patienten die Einnahme beenden, so viele beginnen neu damit. Dieses Muster legt nahe, dass hier eine Chance verpasst wird, wenigstens einen Faktor zu modifizieren, der zu Folgefrakturen beiträgt.

Ergebnisse einer US-Studie

Gut drei Viertel der Patienten hatten vor der Fragilitätsfraktur mindestens ein Medikament in ihrer Pillenbox, das als Risikoarznei für Frakturen gilt.

In den vier Monaten danach wurden solche Mittel bei sieben Prozent der Patienten abgesetzt – doch ebenso vielen wurden sie neu verschrieben.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar: Medikationsplan kontrollieren: Zum Wohle der Knochen

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