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Nach wie vor ein Tabu - Sexualität bei Menschen mit Down-Syndrom

FRANKFURT/MAIN (sih). Das Thema Sexualität bei Menschen mit Down-Syndrom berührt immer noch ein Tabu. Eltern, Betreuer und auch Ärzten sind oft verunsichert. Dabei kann eine gute Aufklärung Erkrankten helfen, eine selbstbewusste Geschlechtsidentität aufzubauen.

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Darauf hat Wilfried Wagner-Stolp von der Bundesvereinigung Lebenshilfe in Marburg bei der Veranstaltung "Down-Syndrom und Sexualität" während des diesjährigen Deutschen Down-Sportlerfestivals der Hexal Foundation hingewiesen. Anders als bei nicht behinderten Kindern, die von sich aus fragen, müssen Eltern von Kindern mit Down-Syndrom selbst die Initiative ergreifen.

Sie müssen nachfragen, in klaren, einfachen Worten Körperfunktionen erklären und eigene Schamschranken abbauen. Oft werden sie mit verblüffenden Fragen oder Bitten konfrontiert. Wenn etwa der Unterschied von Mann und Frau erklärt wird, folgt möglicherweise die Frage: "Zeig mal, wie sieht das bei dir aus?" Oder bei der Erklärung von Geschlechtsverkehr: "Mach doch mal vor!"

Nicht über Sexualität zu reden berge auch die Gefahr des sexuellen Missbrauchs. Denn Kinder mit Down-Syndrom seien offen und zeigten anderen Menschen gegenüber ein großes Vertrauen, erinnerte Wagner-Stolpe. Deshalb sei das Einüben von angemessener Distanz und Nähe immens wichtig.

Eltern müsse auch bewusst gemacht werden, dass Jugendliche mit Behinderung oft mehr unter der Veränderung ihres Körpers in der Pubertät leiden als Nichtbehinderte, so Wagner-Stolp. Denn plötzlich "stimmt schon wieder was nicht mit ihnen". Damit die erwachende Sexualität nicht als weiteres Defizit, sondern als normal verstanden wird, ist daher feinfühlige Unterstützung gefragt. Gynäkologische oder pädiatrische Praxen, die spezielle Beratungen für Menschen mit Down-Syndrom anbieten oder Beratungsstellen von pro familia können hier helfen.

Wagner-Stolpe rät Eltern, ihre Teenager mit Down-Syndrom das tun zu lassen, was auch gesunden Geschwistern erlaubt ist: mit ihrer Clique zusammen sein, das Konzert der Lieblingsband besuchen, Partys feiern - und auch mal ein bisschen knutschen!

"Wenn sie das Recht Ihrer Kinder auf Selbstbestimmung ernst nehmen, müssen Sie dann auch über die Wahl des Verhütungsmittels oder über das Thema Kinderwunsch reden", sagte Wagner-Stolp weiter. Für viele Eltern sei das ein besonders brisantes Thema. Immerhin zwei Drittel aller Frauen mit Trisomie 21 sind fruchtbar. Doch etwa die Hälfte ihrer Kinder hat ebenfalls ein Down-Syndrom. Männer gelten als steril.

Prinzipiell eigneten sich alle Verhütungsmittel für Menschen mit Down-Syndrom, so Wagner-Stolp. "Aber sie müssen anschaulich darüber beraten werden." Damit die Pille auch regelmäßig eingenommen werde, seien zum Beispiel Erinnerungsstützen hilfreich. Dazu könnte etwa ein Wecker so programmiert werden, dass er stets an die Einnahme erinnert, empfahl Wagner-Stolp.

Damit Verhütung nicht erst dann ein Thema wird, wenn eine Schwangerschaft eingetreten ist, sollten Eltern auch auf Unterstützung durch die Schule drängen. Ein Beispiel dafür ist das Projekt "Let‘s talk about ..." von pro familia Hessen in Zusammenarbeit mit dem BKK-Landesverband. Dabei wird eine kostenlose Sexualberatung ab der 5. Klasse auch in Schulen für Lernbehinderte angeboten.

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