Kopfschmerzen

Nervenstimulation am Hals lindert Migräne

Ist eine neue Option bei Migräne-Attacken in Sicht? Mithilfe einer Stimulation des Vagusnervs waren in einer Studie signifikant mehr Patienten schmerzfrei oder hatten nur milde Beschwerden als mit Scheinbehandlung.

Philipp Grätzel von GrätzVon Philipp Grätzel von Grätz Veröffentlicht:
Nervenstimulation: In der Studie wurde das Gerät gammaCore (Hersteller: Desitin) eingesetzt.

Nervenstimulation: In der Studie wurde das Gerät gammaCore (Hersteller: Desitin) eingesetzt.

© PAMELA Setchell/Desitin

VANCOUVER. Eine nicht-invasive Stimulation des Nervus vagus (nVNS) hatte in einer randomisierten Studie günstige Effekte auf den Verlauf von Migräneattacken. Allerdings wurde der primäre Endpunkt knapp verfehlt. Trotzdem spricht die Studienleiterin von einem Erfolg.

Bei der nVNS wird ein Stimulator entweder rechts oder links am Hals im Bereich der Halsschlagadern aufgesetzt, wo der Nervus vagus relativ nah an der Hautoberfläche verläuft. Das Verfahren wurde jetzt in der randomisierten, Sham-kontrollierten PRESTO-Studie evaluiert, über die Professor Cristina Tassorelli von der Universität Pavia in Italien, bei der Internationalen Kopfschmerz-Konferenz in Vancouver berichtete.

Zum Einsatz kam das Gerät gammaCore des Herstellers Desitin. Insgesamt nahmen 248 Patienten an der Studie teil. Sie sollten den Stimulator innerhalb der ersten 20 Minuten nach Beginn der Kopfschmerzsymptomatik aufsetzen und dann stimulieren. Hielten die Schmerzen an, wurde die Stimulation nach 15 Minuten einmal wiederholt. In der Kontrollgruppe wurde ein identischer Stimulator eingesetzt, der aber keinen Vagus-stimulierenden Strom abgab. Wohl aber wurde das mit der Stimulation einhergehende "Prickeln" auf der Haut simuliert.

In dem Studienzeitraum von vier Wochen hatten die Patienten im Durchschnitt fünf Migräneattacken. Eine halbe Stunde nach Beginn der Attacke waren in der Gruppe mit Verum-Stimulation 12,7 Prozent und eine Stunde nach der Attacke 21,0 Prozent der Patienten schmerzfrei. Das war jeweils mehr als doppelt so viel wie in der Gruppe mit Sham-Stimulation und statistisch signifikant.

Nach zwei Stunden waren 30,4 Prozent der Patienten in der Verum-Gruppe schmerzfrei, gegenüber 19,7 Prozent in der Sham-Gruppe. Diese Messung nach zwei Stunden konstituierte den primären Endpunkt, und hier wurde das statistische Signifikanzniveau knapp verfehlt. Post-hoc haben die Studienleiter mit einem alternativen statistischen Verfahren den gesamten Zeitraum zwischen Stimulation und primärem Endpunkt analysiert. Hier war dann die Verum-Stimulation auch statistisch wieder besser.

Zusätzlich war die Verum-Stimulation auch in wichtigen sekundären Endpunkten statistisch überlegen. So waren nach zwei Stunden signifikant mehr Patienten entweder schmerzfrei oder hatten nur milde Beschwerden. Und auch der Anteil der Patienten mit mindestens 50-prozentiger Reduktion der Schmerzen war in der Verum-Gruppe nicht nur nominell, sondern auch statistisch signifikant größer. Aus all diesen Gründen liefere die PRESTO-Studie ein starkes Argument für den Einsatz der nVNS bei Migräneattacken, sagte Tassorelli in Vancouver.

Studienergebnisse

- Eine halbe Stunde nach Beginn der Migräneattacke waren in der Verum-Gruppe 12,7 Prozent und eine Stunde nach der Attacke 21 Prozent der Patienten schmerzfrei – mehr als doppelt so viele wie in der Sham-Gruppe.

- Nach zwei Stunden waren 30,4 Prozent der Patienten in der Verum-Gruppe schmerzfrei, gegenüber 19,7 Prozent in der Sham-Gruppe . Hier wurde das statistische Signifikanzniveau knapp verfehlt.

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema
Das könnte Sie auch interessieren
Was die MS-Behandlung auszeichnet

© Suphansa Subruayying | iStock

Lebensqualität

Was die MS-Behandlung auszeichnet

Anzeige | Merck Healthcare Germany GmbH
Unsichtbare MS-Symptome im Fokus

© AscentXmedia | iStock

Lebensqualität

Unsichtbare MS-Symptome im Fokus

Anzeige | Merck Healthcare Germany GmbH
Kommentare
* Hinweis zu unseren Content-Partnern
Dieser Content Hub enthält Informationen des Unternehmens über eigene Produkte und Leistungen. Die Inhalte werden verantwortlich von den Unternehmen eingestellt und geben deren Meinung über die Eigenschaften der erläuterten Produkte und Services wieder. Für den Inhalt übernehmen die jeweiligen Unternehmen die vollständige Verantwortung.
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: Wirksamkeit in der klinischen Praxis von Brivaracetam über 12 Monate (alle Formen fokaler Anfälle)d

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [3]

Zusatzbehandlung fokaler Epilepsien

Effektivere Anfallskontrolle in der Kombinationstherapie

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: UCB Pharma GmbH, Monheim
Abb. 1: Rückgang der generalisierten tonisch-klonischen Anfälle unter Cannabidiol + Clobazam

© Springer Medizin Verlag , modifiziert nach [1]

Real-World-Daten aus Deutschland zum Lennox-Gastaut- und Dravet-Syndrom

Cannabidiol in der klinischen Praxis: vergleichbare Wirksamkeit bei Kindern und Erwachsenen

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Jazz Pharmaceuticals Germany GmbH, München
Abb. 1: Daten zur lipidologischen Versorgung von Patientinnen und Patienten mit hohem kardiovaskulärem Risiko aus der VESALIUS-REAL-Studie

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [7]

Kardiovaskuläre Prävention

Frühe Risikoidentifikation und konsequentes Lipidmanagement

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Amgen GmbH, München
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Pro & Contra

Was bringt die Messung von Lipoprotein(a)?

Lesetipps
Digitale Integration: In der elektronischen Patientenakte sollen sämtliche Befunde, Verordnungen und Behandlungsstationen eines Patienten gespeichert werden. Den mündigen Umgang damit, müssen viele erst noch lernen.

© Andrea Gaitanides / stock.adobe.com

Datenschutz im Praxisalltag

ePA 2026: Schutzlücken bleiben – wie sie im Alltag umschifft werden können

Ein Arzt tröstet eine Patientin.

© Anastasiya / stock.adobe.com

Kollegialer Rat

Empfehlungen für das Überbringen schlechter Nachrichten