Krätze

Neue Leitlinien stehen

Die Europäische Akademie für Dermatologie und Venerologie hat ihre Leitlinie für Skabies aktualisiert. Neuerungen gibt es bei den Therapieempfehlungen sowie bei der Behandlung von größeren Menschengruppen.

Von Viktoria Ganß Veröffentlicht: 20.07.2017, 06:17 Uhr
Neue Leitlinien stehen

Eine Ärztin zeigt auf ihrem Laptop ein Foto von einem Skabies-Patienten.

© Daniel Naupold / dpa

Skabies ist ja eine ansteckende Infektionskrankheit, die durch den Befall mit Krätzmilben (Sarcoptes scabiei var. hominis) ausgelöst wird. Die Übertragung eines einzigen begatteten Milbenweibchens oder mehrerer Larven unterschiedlichen Geschlechts reichen für eine Infestation aus.

Der klinische Verlauf hängt vom Immunstatus des jeweiligen Wirts ab. Hinweise zur Symptomlinderung, etwa des nächtlichen Juckreizes, und zur Abtötung der Milben geben nationale und internationale Leitlinien sowie das Robert Koch-Institut. Kürzlich hat die Europäische Akademie für Dermatologie und Venerologie (EADV) ein Update ihrer Richtlinien zur Behandlung von Skabies herausgebracht (J European Acad Dermatol Venerol 2017; online 22. Juni).

Generelle Hinweise

Die wichtigsten Empfehlungen daraus sind:

» Bei Skabies wird die topische Behandlung aller Hautregionen einschließlich Kopfhaut, Leistengegend, Nabel, äußeren Genitalien, Finger- und Zehenzwischenräumen sowie der Haut unter den Nagelenden in der Nacht für acht bis zwölf Stunden empfohlen. Danach sollten die Reste abgewaschen werden. Kleidung, Bettwäsche und Handtücher, die mit der Haut in Kontakt gekommen sind, müssen bei 50 °C gewaschen und eine Woche in einem Plastikbeutel versiegelt gelagert werden.

» Wichtig ist, den Patienten genau über Behandlung und Hygienevorschriften aufzuklären. Es wird empfohlen, für den Patienten das Vorgehen schriftlich festzuhalten. Aufgrund der hohen Ansteckungsgefahr wird zu einer Isolation des Befallenen von einer Woche geraten. Auch die aktuellen Sexualpartner und die der letzten zwei Monate sollten behandelt werden. Die EADV empfiehlt Patienten und engen Kontaktpersonen zudem, während der Behandlung sexuelle Kontakte zu vermeiden.

» Wichtig sei auch ein Screening auf weitere sexuell übertragbare Krankheiten. Besonders Personen, die in engem Kontakt mit vielen Menschen oder dicht besiedelten Gegenden lebten, sollten streng auf die genannten Hygieneregeln achten. Zwei Wochen nach Behandlung empfiehlt die EADV ein Follow-up mit mikroskopischem Test.

Empfehlungen zur allgemeinen Behandlung

» Permethrin 5-prozentige Creme, Wiederholung nach 7 bis 14 Tagen.

» Orale Gabe von Ivermectin 200 μg pro Kilogramm Körpergewicht (vor allem bei einem Nichtansprechen auf Permethrin), Wiederholung eine Woche später.

 

» Benzylbenzoat 10- bis 25-prozentige Lotion an zwei aufeinanderfolgende Tagen auftragen, Wiederholung eine Woche später.

Permethrin ist die Therapie der ersten Wahl, bei Nichtansprechen sollte auf Ivermectin oder Benzylbenzoat als zweite Wahl übergegangen werden, so die EADV. Ivermectin ist seit April 2016 in Deutschland für die Indikation Skabies zugelassen, sollte aber für die Behandlung von Kindern unter 15 kg oder Schwangeren nicht verwendet werden.

Permethrin und Benzylbenzoat sind als einzige Mittel teilweise für Schwangere und Stillende als sicher eingestuft. Dafür spricht sich auch die Deutsche Dermatologische Gesellschaft in ihrer S1-Leitlinie "Skabies, Diagnostik und Therapie" aus, die Ende 2016 aktualisiert wurde.

Stillpause eventuell nötig

Laut dieser soll nach Behandlung mit Permethrin und Benzylbenzoaten eine Stillpause von fünf Tagen eingelegt werden. Als alternative Behandlungsmöglichkeiten gibt die EADV eine topische Therapie mit 0,5-prozentiger wässriger Malathion-Lösung, 1-prozentiger Ivermectin-Lotion oder 6-bis 33-Prozent schwefelhaltiger Creme, Lotion oder Salbe an.

Zur Behandlung der hochinfektiösen Scabies crustosa, von der häufig immunsupprimmierte Menschen befallen sind, empfiehlt die EADV eine topische Behandlung mit den Skabiziden Permethrin 5-prozentige Creme oder Benzylbenzoat 25-prozentige Creme und eine orale Gabe von Ivermectin.

Bei Verdacht eines Befalls einer Gemeinschaftseinrichtung, wo Menschen über einen längeren Zeitraum zusammenleben (etwa Kindergärten, Flüchtlingsunterkünfte, Einrichtungen für Menschen mit Behinderung, Obdachlosenasyle, Gefängnisse, Altersheime und Krankenhäuser), sollten alle mit näherem Kontakt zum Erkrankten behandelt werden, auch wenn sie keine Symptome zeigen.

Dafür ist die einmalige Gabe von 200 μg Ivermectin pro Kilogramm Körpergewicht laut EADV effektiv und einfach zu handhaben. Nach zwei Wochen sollte den Empfehlungen zufolge eine zweite Dosis verabreicht werden.

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