Neuro-psychiatrische Krankheiten

Neuer Ansatz für Therapie bei Muskelschwund

WÜRZBURG (ddp.vwd). Bei Spinaler Muskeldystrophie fehlen offenbar Partikel aus RNA und Proteinen, so daß Neuronen absterben. Die Synthese der Partikel zu stimulieren könnte ein Therapie-Ansatz sein.

Veröffentlicht: 07.03.2006, 08:00 Uhr

An Spinaler Muskelatrophie erkrankt etwa einer von 6000 Menschen. Durch eine Veränderung des Erbguts besitzen die Kranken zu wenig von dem Protein Survival Motor Neuron (SMN).

Ein Mangel, der sich besonders auf Neuronen auswirkt, die im Rückenmark die Bewegung der Muskeln steuern: Die Motoneuronen verlieren den Kontakt zum Muskel und sterben ab, Lähmungen sind die Folge. In den vergangenen Jahren hatten Forscher bereits herausgefunden, daß SMN in allen Körperzellen maßgeblich daran beteiligt ist, die Erbinformation aus der DNA abzurufen.

    Vorgefertigte Partikel schützen Zellen von Fischen.
   

"Dieses Protein übernimmt die Aufgabe eines Maschinenbauers: Es konstruiert aus mehreren Einzelteilen eine Maschine, die dann im Zellkern eine wichtige Funktion übernimmt", sagt Professor Utz Fischer vom Biozentrum der Universität Würzburg. Genau diese Maschine - die Forscher sprechen von einem Ribonukleoprotein-Partikel - ist nach ihrer Ansicht beim Absterben der Nervenzellen offenbar von besonderer Bedeutung: Wenn zu wenige SMN-Proteine vorhanden sind, entstehen auch nicht genug dieser Maschinen, und die für Muskelbewegungen so wichtigen Nervenzellen gehen zugrunde. Das wurde in Experimenten mit Zellkulturen und Zebrafischen beobachtet.

Als die Forscher bei den Tieren die Aktivität des SMN-Gens unterdrückten, starben die Motoneuronen. Injizierten sie den Tieren aber gleichzeitig funktionsfähige Ribonukleoprotein-Partikel, blieben die Nervenzellen erhalten und wuchsen normal. In einer anderen Versuchsreihe wurden bei gesunden Fischen Faktoren unterdrückt, die zusammen mit dem SMN-Protein für den Aufbau der Ribonukleoprotein-Partikel nötig sind.

Auch in diesem Fall starben die Nervenzellen ab - obwohl eigentlich genug SMN vorhanden war. Daraus schließen die Würzburger Forscher, daß die Funktion dieser Assistenz-Faktoren sowie das SMN-Protein durch das Einschleusen von vorgefertigten Ribonukleoprotein-Partikeln ersetzt werden könnten.

Damit haben die Wissenschaftler einen weiteren Ansatzpunkt gefunden, der möglicherweise einen Therapieweg bei Spinaler Muskelatrophie öffnet: Man könne versuchen, bei den Patienten gezielt die Produktion der Ribonukleoprotein-Partikel zu stimulieren, sagt Fischer.

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