Rehabilitation

Neuer Prognosescore bei schwerem Schlaganfall

Welche Faktoren bestimmen über die Prognose nach schwerem Schlaganfall? Eine deutsche Studie gibt Auskunft zu den Heilungschancen.

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BERLIN. Die große Mehrzahl der akuten Schlaganfallpatienten in Deutschland erhalten eine neurologische oder geriatrische Rehabilitation. Bisher ist jedoch wenig darüber bekannt, wie wirkungsvoll eine neurologische Frührehabilitation ist. Welche positiven Heilungserfolge erzielt sie? Welche Patientengruppen profitieren besonders davon? Auskunft darüber gibt eine deutsche Studie, wie die Deutsche Schlaganfall-Gesellschaft (DSG) und die Deutschen Gesellschaft für Neurorehabilitation (DGNR) mitteilen.

Ein zentrales Ergebnis der Studie war, dass sich selbst bei Menschen nach einem starken Schlaganfall schwere Lähmungen sowie Schluck- und Verständigungsstörungen durch eine intensive Frührehabilitation stark zurückbilden können. Waren zu Beginn der im Durchschnitt drei bis sechs Wochen dauernden Frührehabilitationsbehandlung nur 5 Prozent der Patienten alleine gehfähig, so konnten am Ende der Behandlung immerhin 20 Prozent alleine oder mit Hilfe gehen, heißt es in der Mitteilung der Gesellschaften.

Es sei wichtig darauf hinzuweisen, dass 60 Prozent der im Durchschnitt 72 Jahre alten Patienten nach der Frührehabilitation in eine weiterführende Rehabilitationsklinik verlegt wurden. Allerdings verdeutliche die Untersuchung auch, dass bei zwei Drittel der Patienten infolge des Ereignisses während der frühen Rehabilitation Komplikationen – wie beispielsweise Infektionen oder Delir und Psychosen – auftraten. Je mehr Komplikationen während der neurologischen Frührehabilitation auftraten, je älter die Patienten waren und je mehr Vorerkrankungen wie Vorhofflimmern und Diabetes vorlagen, desto geringer waren die Heilungserfolge.

Besonders alte oder weibliche Patienten hatten in der Untersuchung tendenziell geringere Heilungschancen als junge, männliche Patienten. Auch Betroffene, die vor ihrem Schlaganfall bereits ein Vorhofflimmern hatten oder in Pflege waren, hatten eine schlechtere Prognose. Diese Ergebnisse benutzen die Autoren, um einen Prognosescore zu erstellen (Aktuelle Neurologie 2016; 43: 541-547).

Für die Studie führten drei Hamburger Asklepios Kliniken seit 2012 über drei Jahre hinweg eine Untersuchung mit Patienten durch, die sich nach einem schweren Schlaganfall in der Frührehabilitation befanden. Insgesamt wurden von 818 Schlaganfall-Patienten Daten gesammelt, heißt es weiter in der Mitteilung. Die durchschnittliche Aufenthaltsdauer der Patienten betrug 34 Tage. Sie waren während ihrer Behandlungszeit täglich mindestens 300 Minuten in Behandlung – und zwar in der Physio- und Ergotherapie, in der Logopädie, der Neuropsychologie sowie in der therapeutischen Pflege.

Von den Patienten wurden zum einen Basisdaten wie ihr Alter und ihr Geschlecht, zum anderen Begleiterkrankungen wie Diabetes, Vorhofflimmern oder ein vorhergehender Schlaganfall erfasst. Außerdem wurden verschiedene Faktoren bei der Aufnahme und der Entlassung der Patienten dokumentiert und gegenübergestellt, wie Informationen zu Gedächtnisstörungen, zu Depressionen und zu Infektionen. Anhand dieser Daten entwickelten die Schlaganfall-Experten dann den Prognosescore.

"Der neue Prognosescore sollte in weiteren Studien noch näher untersucht und untermauert werden. Wenn seine Aussagekraft bestätigt werden kann, ist er ein wertvolles Instrument für die Planung der Frührehabilitation nach einem schweren Schlaganfall", wird Professor Joachim Röther, Chefarzt der Neurologischen Abteilung der Asklepios Klinik Altona in der Mitteilung zitiert. (eb)

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