Neuer Strumpf lindert Phantomschmerz

HAMBURG (mut). Mit einem speziellen Strumpf lassen sich Phantomschmerzen nach Beinamputation deutlich lindern. Der Strumpf enthält Metallfäden, die den Beinstumpf vor elektromagnetischen Feldern abschirmen. Die Wirksamkeit wurde jetzt in einer Placebo-kontrollierten Studie geprüft.

Veröffentlicht:

Elektromagnetische Felder werden als eine Ursache für Phantomschmerzen diskutiert. Das hat Dr. Kai Uwe Kern vom Schmerz- und Palliativzentrum Wiesbaden in Hamburg berichtet. Solche Felder könnten möglicherweise im Stumpf freiliegende Nervenfasern reizen.

Kern hat jetzt auf einer Veranstaltung im Vorfeld der Medica 2006, der weltgrößten Medizintechnik-Messe, eine Studie bei 30 Patienten mit Phantomschmerzen vorgestellt. Darin wurde ein neuer Strumpf getestet, der elektromagnetische Felder wie ein Faraday’scher Käfig fast vollständig abschirmt.

Bei dem Strumpf, der vom Unternehmen medi Bayreuth als medipro®Liner Relax angeboten wird, handelt es sich um einen Liner, also ein Verbindungsstück zwischen Beinstumpf und Prothese, das über den Amputationsstumpf gezogen wird. Der neue Liner enthält ein spezielles Metallgewebe, das vor elektromagnetischen Feldern schützt. In der Studie wurde der abschirmende Liner gegen einen konventionellen Liner (Placebo) verglichen, der in Größe, Gewicht und Farbe identisch war.

Die Patienten erhielten zunächst zwei Wochen lang keinen Liner, dann zwei Wochen den abschirmenden und zwei Wochen den konventionellen Liner. Sie wußten aber nicht, wann sie welchen Liner trugen.

Die Ergebnisse: Ohne Liner gaben die Patienten auf einer analogen Schmerzskala mit maximal zehn Punkten (stärkster Schmerz) einen Tagesmittel-Wert von 4 an. Mit Placebo (konventioneller Liner) blieb dieser Wert gleich, mit dem abschirmenden Liner war er auf 2,5 Punkte gefallen.

Ähnlich war das Ergebnis bei den täglichen Schmerz-Maxima: Sie lagen ohne Liner bei 6 Punkten, mit konventionellem Liner bei 4 und mit dem abschirmenden Strumpf bei 3 Punkten. Die Unterschiede waren alle statistisch signifikant. Insgesamt gaben 77 Prozent der Patienten mit dem neuen und 36 Prozent mit dem konventionellen Liner an, daß die Schmerzen geringer waren.



STICHWORT

Beinamputationen

Häufigkeit: In Deutschland leben etwa 220 000 Menschen mit Beinamputation. Jedes Jahr werden bei etwa 28 000 Menschen Beine abgenommen. Drei Viertel der Betroffenen sind bei Op über 60 Jahre alt.

Ursachen: Bei 80 Prozent der Amputationen sind arterielle Durchblutungsstörungen die Ursache. Nur 20 Prozent verlieren ihre Beine durch Unfälle, Tumoren oder angeborene Fehlbildungen.

Mehr zum Thema

Häufig muskuloskeletale Ursache

Kinder mit Brustschmerz: Das Herz ist es nur selten

Kommentare
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Das war der Tag: Der tägliche Nachrichtenüberblick mit den neuesten Infos aus Gesundheitspolitik, Medizin, Beruf und Praxis-/Klinikalltag.

Eil-Meldungen: Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Jürgen Windeler im Interview

„Das Gesundes-Herz-Gesetz ist völlig gaga!“

Schon im ersten Trimester

Frühere Diagnostik des Gestationsdiabetes gefordert

Nächste Woche erste Lesung im Bundestag

Linkes Bündnis nennt Lauterbachs Klinikpläne Etikettenschwindel

Lesetipps
Hört die KI künftig in Praxis- und Klinikalltag mit? Beim Healthcare Hackathon in Berlin wurden gleich mehrere Szenarien getestet, bei denen eine Art Alexa etwa bei der pflegerischen Aufnahme unterstützt.

© Andrey Popov / stock.adobe.com

Healthcare Hackathon

Wie KI zur echten Praxis- und Klinikhilfe wird

Professor Ferdinand Gerlach

© Wolfgang Kumm/dpa/picture alliance

Interview

Gerlach: „Es gibt keinen allgemeinen Ärztemangel und keine generelle Überalterung“

Gemälde von Menschen auf einer tropischen Insel, die um eine übergroße Mango tanzen.

© Preyanuch / stock.adobe.com

Kinetose

Mango, Musik, Medikamente – was gegen Reisekrankheit hilft