Kopfschmerzen

Neuer Vertrag für Migränepatienten im Norden

KIEL (di). Die ambulante und stationäre Versorgung von Patienten mit Kopfschmerzen und Migräne wird in Schleswig-Holstein enger vernetzt. Die Schmerzklinik in Kiel und die Techniker Krankenkasse (TK) haben dafür einen Integrationsvertrag abgeschlossen.

Veröffentlicht: 05.04.2007, 08:00 Uhr

"In vielen Fällen ist Kopfschmerz noch ein Zufallsbefund", sagt Allgemeinmedizinerin Inga Petersen aus Büdelsdorf. Viele Patienten kommen nach ihren Erfahrungen in die Praxen, um sich wegen anderer Beschwerden behandeln zu lassen. Sie wissen nicht, dass die meisten der 251 Kopfschmerzformen behandelbar sind.

Um gezielter helfen zu können, beteiligen sich Petersen und andere niedergelassene Schmerztherapeuten aus Schleswig-Holstein und Hamburg am Integrationsvertrag von TK und Schmerzklinik. Etwa 80 niedergelassene Ärzte haben ihr Interesse bereits signalisiert Professor Hartmut Göbel, ärztlicher Direktor der Schmerzklinik Kiel, arbeitet auch mit Hausärzten, Neurologen und dem Universitätsklinikum in Kiel eng zusammen. Göbel stellt dabei etwa einen besseren Infoaustausch und klar definierte Behandlungspfade in Aussicht.

In der Kooperation werden drei Behandlungsschritte unterschieden: In Phase eins diagnostizieren die niedergelassenen Ärzte die Erkrankung, stufen den Schweregrad ein und stellen einen Therapieplan auf. In Phase zwei erfolgt eine vollstationäre neurologisch-verhaltensmedizinische Behandlung in der Schmerzklinik. In Phase drei sorgen wiederum niedergelassene Ärzte für eine ambulante Verhaltens- und Erfolgskontrolle über einen Zeitraum von einem Jahr und bei Bedarf für eine Therapieanpassung. Dabei tauschen sich die beteiligten Spezialisten sektorenübergreifend aus.

Für die Patienten entfällt damit die Suche nach Spezialisten, die Wartezeiten werden verkürzt, Doppeluntersuchungen vermieden und die Arbeitsunfähigkeitszeiten verringert. Schmerzklinik und TK sind vom Erfolg des Modells überzeugt. Die Schmerzklinik zahlt sogar für jeden Patienten, der innerhalb eines halben Jahres nach der stationären Behandlung wegen Kopfschmerzen eine Woche lang arbeitsunfähig ist, eine Pauschale von 250 Euro an die Kasse zurück.

Professor Hans-Heinrich Rüschmann von der Gesellschaft für Systemberatung im Gesundheitswesen (GSbG), die die Arbeit der Schmerzklinik evaluiert hat, warnte vor zu großen finanziellen Erwartungen. "Ein Kostenanstieg insgesamt für diese Gruppe schwer kranker Patienten war bisher nicht vermeidbar. Damit werden wir leben müssen", so Rüschmann. In der Schmerzklinik werden schätzungsweise 900 Patienten pro Jahr behandelt.



Kosten durch Migräne

Mehr als 462 Millionen Euro fallen jährlich in Deutschland an direkten Kosten, also etwa für ärztliche Behandlungen, wegen Migräne an. Deutlich höher, nämlich 2,3 Milliarden Euro, sind die indirekten Kosten, zu denen die Arbeitsunfähigkeit beiträgt.

Mehr als vier Millionen Menschen leiden im Schnitt täglich an Kopfschmerzen, 1,3 Millionen Menschen nehmen täglich Medikamente dagegen. 49 Millionen Menschen in Deutschland geben an, innerhalb eines Jahres von Kopfschmerzen betroffen zu sein. (di)

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