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Neuer Wirkstoff glättet Blutzuckerprofil

BERLIN (hbr). Das neuartige Antidiabetikum Exenatide soll in wenigen Monaten in Deutschland auf den Markt kommen. Es ist von der EMEA in Europa bereits zugelassen. Das zu injizierende Medikament ermöglicht Typ-2-Diabetikern eine einfache Blutzucker-Kontrolle. Dabei senkt es den HbA1c-Wert so wirksam wie Insulin, aber ohne Unterzuckerungen.

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"Exenatide verbessert die Glukosekontrolle genauso gut wie Insulin", hat Professor Oliver Schnell aus München bei einer Veranstaltung von Lilly in Berlin gesagt. So sank in einer Studie der HbA1c-Wert mit Exenatide (Byetta®) nach 52 Wochen Therapie im Mittel um 1,0 Prozentpunkte, im Vergleich zu 0,9 Punkten mit dem Mischinsulin AspartMix (enthält das schnellwirkende Analogon Aspart und ein langwirksames Insulin).

An der Studie hatten 501 Typ-2-Diabetiker teilgenommen. Trotz Therapie mit Metformin und einem Sulfonylharnstoff lagen die HbA1c-Werten bei ihnen zwischen sieben und zehn Prozent. Zusätzlich zu ihrer per oralen Therapie injizierten sie deshalb ein Jahr lang entweder zweimal täglich 10 µg Exenatide oder zweimal täglich das Mischinsulin, das anhand von Zielwerten (nüchtern unter 126 mg/dl, postprandial unter 180 mg/dl) titriert wurde. Ein HbA1c unter sieben Prozent errreichten 32 Prozent der Probanden mit Exenatide und 24 Prozent mit Insulin. Unter 6,5 Prozent blieben 18 Prozent der Patienten mit Exenatide und neun Prozent derjenigen mit dem Insulin. Und nur Exenatide glättete gleichzeitig das Blutzucker-Tagesprofil: Die Glukose-Spitzen nach Frühstück und Abendessen verschwanden praktisch. Außerdem nahmen die Patienten 2,5 kg ab, aber mit Insulin 2,9 kg zu.

Eine zweite Studie mit 529 Patienten bestätigt auch im Vergleich zu Insulin glargin ein gleichmäßigeres Glukoseprofil, eine ähnliche HbA1c-Reduktion (je minus 1,1 Prozentpunkte) und eine deutliche Gewichtsabnahme. Mit dem Insulin hingegen stieg das Gewicht. Damit ermöglicht Exenatide eine einfache und wirksame Stoffwechsel-Kontrolle, die der Insulintherapie vorgeschaltet werden kann.

Injektion vor dem Frühstück und dem Abendessen

Zugelassen ist Exenatide zur Therapie von Typ-2-Diabetikern in Kombination mit Metformin und/oder einem Sulfonylharnstoff, wenn beide Medikamente keine angemessene Blutzuckerkontrolle ermöglichen. Es wird mit einem Fertigpen 0 bis 60 Minuten vor dem Frühstück und dem Abendessen subkutan injiziert. Die Standarddosis beträgt 10 µg zweimal täglich, beim Start zweimal 5 µg. Das Präparat soll ab Mai 2007 in Deutschland erhältlich sein. Der Preis steht noch nicht fest.



STICHWORT

Exenatide

Exenatide ahmt die Wirkung des Darmhormons GLP-1 (Glukagon-like-Peptide-1) nach. GLP-1 wird beim Essen ausgeschüttet und regt die Insulinsekretion an. Das macht Exenatide (Byetta®) ebenfalls. Bei Typ-2-Diabetikern ist die GLP-1-Sekretion reduziert. Sie können daher von Exenatide profitieren. Dabei stellt der Wirkstoff auch die bei Typ-2-Diabetikern gestörte, schnelle erste Phase der Insulinantwort nach den Mahlzeiten wieder her und hemmt die Glukagonsekretion. Das bremst den postprandialen Glukose-Anstieg. Der besondere Vorteil: Die Insulinabgabe steigt nur bei erhöhten Zuckerwerten. "Ein Hypoglykämie-Risiko besteht also nicht", so Professor Michael Nauck aus Bad Lauterberg. (hbr)

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