Neuer Wirkstoff nährt Hoffnung auf Fortschritt in der Thrombosetherapie

DRESDEN (ob). Mit dem Ziel, Limitierungen konventioneller Antithrombotika zu überwinden, werden derzeit mehrere neuartige Wirkstoffe erforscht. Ein attraktiver Kandidat, der künftig Therapie und Prophylaxe von Thromboembolien wesentlich vereinfachen könnte, ist die Substanz Rivaroxaban. Sie wird derzeit vom Unternehmen Bayer in einem umfangreichen Studienprogramm klinisch geprüft.

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Rivaroxaban ist ein direkter Faktor-Xa-Hemmer, der ebenso wie die derzeit gebräuchlichen Vitamin-K-Antagonisten oral anwendbar ist, ohne jedoch deren Nachteile aufzuweisen. Nach den vorliegenden Studiendaten ermöglicht Rivaroxaban eine zuverlässige und vorhersehbare Gerinnungshemmung, die - anders als bei Vitamin-K-Antagonisten - keinen ausgeprägten inter- und intraindividuellen Schwankungen unterliegt. Im Gegensatz zu diesen konventionellen Antikoagulanzien kommt es im Falle des neuen Faktor-Xa-Hemmers zu keinen relevanten Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten oder Nahrungsmitteln.

Nach den in Studien gemachten Erfahrungen sei davon auszugehen, dass bei Behandlung mit Rivaroxaban eine regelmäßige Überwachung von Gerinnungsparametern überflüssig sein wird, berichtete Professor Rupert Bauersachs aus Darmstadt auf einem von Bayer HealthCare veranstalteten Symposium beim Kongress der Gesellschaft für Thrombose- und Hämostaseforschung in Dresden.

In mehreren Phase-II-Dosisfindungsstudien ist Rivaroxaban in seiner Wirkung bei akuter tiefer Beinvenenthrombose oder Lungenembolie mit der Standardtherapie (initiale parenterale Heparinisierung, danach orale Antikoagulation mit Vitamin-K-Antagonisten) verglichen worden. Gemessen an der Reduktion der Thrombusgröße und der Prophylaxe von Thromboserezidiven stellte die Substanz eine mindestens äquipotente antithrombotische Wirkung unter Beweis, berichtete Bauersachs.

Bayer hat ein weltweit laufendes Phase-III-Forschungsprogramm aufgelegt, in das mehrere zehntausend Patienten aufgenommen werden sollen. Im Fokus steht die Wirksamkeit von Rivaroxaban in der Schlaganfall-Prophylaxe bei Vorhofflimmern sowie in der Akut- und Langzeitbehandlung bei Patienten mit tiefer Bein/Beckenvenenthrombose.

Voraussichtlich Ende 2007 soll ein erster Antrag auf Zulassung für die Prophylaxe tiefer Beinvenenthrombosen nach großen orthopädischen Eingriffen eingereicht werden.



STICHWORT

Faktor-Xa-Hemmung

Faktor Xa ist an einer zentralen Stelle in der Gerinnungskaskade positioniert - nämlich dort, wo die Pfade der extrinsischen und intrinsischen Hämostase zusammenlaufen. Es gibt zwei Strategien, Faktor Xa zu hemmen. Bei indirekter Hemmung durch Substanzen wie Fondaparinux wird Antithrombin als Kofaktor benötigt. Eine direkte selektive Hemmung ist mit dem neuen Wirkstoff Rivaroxaban möglich. Anders als bei indirekter Hemmung wird durch direkte Faktor-Xa-Hemmer sowohl freier als auch Prothrombinase-gebundener Faktor Xa gehemmt. (ob)

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