Leitartikel

Neurologen zwischen Revolution und Resignation

US-Neurologen feierten auf ihrer Jahrestagung in San Diego ausgiebig die Erfolge in der MS-Therapie. Bei den Alzheimer-Forschern herrscht nach den vielen gescheiterten Studien im vergangenen Jahr dagegen noch Katerstimmung.

Von Thomas Müller Veröffentlicht:
Im Kongresszentrum in San Diego fand die Jahrestagung des US-Neurologen statt.

Im Kongresszentrum in San Diego fand die Jahrestagung des US-Neurologen statt.

© Müller / Springer Medizin

Am deutlichsten war die Revolution in der Posterhalle des Kongresszentrums in San Diego zu spüren: Wohl gut ein Drittel der Beiträge auf der Jahrestagung des US-amerikanischen Neurologenverbandes AAN drehte sich um die Therapie bei Multipler Sklerose. Auch ein erheblicher Teil des Vortragsprogramms war der MS-Therapie gewidmet.

Der Grund dafür ist einleuchtend: Die MS-Therapie steht vor einer gewaltigen Umwälzung. Zahlreiche neue Medikamente befinden sich unmittelbar vor der Zulassung oder sind in den USA soeben auf den Markt gekommen.

Einige wie Fingolimod oder Teriflunomid ermöglichen US-Patienten jetzt schon erstmals eine orale Basistherapie, bei anderen wie Alemtuzumab, Daclizumab, Fumarsäure oder Laquinimod wird zum Teil noch in diesem Jahr entschieden, ob sie ebenfalls die Basistherapie bereichern oder eher zur Eskalationsbehandlung zugelassen werden.

Viele dieser Medikamente scheinen wirksamer zu sein als die bisherigen Standardtherapeutika, andere sind gute Optionen bei besonders aggressiven MS-Verläufen.

Ein weiterer Pluspunkt der neuen Vielfalt: Die Medikamente greifen das überschießende Immunsystem bei MS auf unterschiedlichen Ebenen an. Wenn eines nicht wirkt, so besteht die Hoffnung, dass der Wechsel auf ein anderes Präparat den Verlauf bremst oder stoppt.

Es gab in der Geschichte der Medizin folglich noch nie so viele Wege gegen MS. Die Krankheit könnte in den nächsten Jahren also durchaus einen Teil ihres Schreckens verlieren - zumindest für MS-Kranke in den USA und einer Reihe anderer Länder.

Ob auch deutsche MS-Patienten von der therapeutischen Revolution so schnell profitieren, das ist allerdings eine andere Frage ...

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