Kommentar

Notruf – ohne Diskussion

Von Dr. Christine Starostzik Veröffentlicht: 29.04.2019, 16:53 Uhr

Wenn dem Partner plötzlich beim Frühstück das Müsli durch den Mundwinkel rinnt und sich Lähmungserscheinungen zeigen, sollte man auf keinen Fall erst mal die Couch herrichten – nach dem Motto: Wird schon wieder. Auch Beschwichtigungsversuche von Angehörigen sowie längere Diskussionen darüber, ob wirklich Notarzt und Rettungswagen nötig seien und man nicht erst den Hausarzt anrufen könne, sind jetzt kontraproduktiv.

Tatsächlich verzögert gerade die Gegenwart enger Angehöriger oft die dringende Notfallbehandlung des Schlaganfalls, wie eine USStudie gezeigt hat. Ist dagegen ein Freund, ein Arbeitskollege oder ein Fremder Zeuge des Geschehens, greift dieser meist beherzter zum Telefon und wählt die Rettung.

Davon profitiert der Patient in dieser Situation mehr als von liebevollem Zureden und fürsorglichem Abwarten. Denn bereits nach zehn Minuten entstehen erste Schäden an Nervenzellen. Mit der Lysetherapie innerhalb von 90 Minuten können neurologische Schäden bei einem von drei Patienten verhindert werden, nach drei Stunden nur noch bei jedem Siebten. Doch nur etwa 20 Prozent der Schlaganfallpatienten erreichen in dieser Zeit eine geeignete Klinik. Hier ist noch mehr Aufklärung vonnöten – besonders für Risikopatienten und deren Familien.

Lesen Sie dazu auch: Verzögerte Hilfe bei Schlaganfall: Enge Familienbande kann tödlich sein

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