HINTERGRUND

Ob mit Skalpell, Säure oder Laser - ohne Narben lässt sich ein Tattoo kaum entfernen

Von Dr. Thomas MeißnerDr. Thomas Meißner Veröffentlicht:

Die radikalste Methode, eine ungeliebte Zeichnung zu verbannen, ist die Exzision. Bei diesem Mann gelang der Eingriff mit gutem Erfolg. Fotos (4): C.U. Fritzemeier

Moden kommen und gehen. Tätowierungen allerdings kann man nicht wechseln wie Schlaghosen gegen Röhrenjeans. Genau das glauben allerdings viele Menschen: Sie meinen, mithilfe der modernen Medizin könne man Tattoos jederzeit entfernen, berichtet Professor Claus Udo Fritzemeier aus Düsseldorf. Die Frage ist, welchen Preis man für eine Enttätowierung zu zahlen bereit ist - und zwar nicht nur finanziell, sondern vor allem auch kosmetisch.

"Völlige Narbenfreiheit ist unmöglich", schreibt der Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurg in der Zeitschrift "Haut" (6, 2007, 240). Und auch die teilweise hoch gelobten Laserverfahren hätten Vor- und Nachteile. Pauschal empfehlenswert ist kein bestimmtes Entfernungskonzept. Oft müssen mehrere Methoden kombiniert werden, um ein akzeptables Ergebnis zu ermöglichen.

Bei großen Tätowierungen sind mehrere Operationen nötig

Die sicherste Methode, eine Tätowierung zu entfernen, ist die Exzision, gegebenenfalls kombiniert mit plastischen Hautverschiebetechniken. Bei großen Tätowierungen sind oft mehrere Eingriffe nötig. Diese radikale Methode hinterlasse allerdings oft unschöne Narben, so Fritzemeier. Wird der Defekt mit Spalthaut gedeckt, resultieren eher gleichmäßige, flächige Narben.

Die Dermabrasion ist ein Verfahren, bei dem die gefärbten Hautschichten mit Schleifkörpern oder Sandpapier abgetragen werden. Nachteile: Die gefärbten Hautpartikel hinterlassen oft Schmutztätowierungen und die Region kann sich entzünden. Das fördert die Narbenbildung. Das kosmetische Endergebnis hängt wesentlich von der Pflege nach Dermabrasion ab.

Hinzu kommen chemische und physikalische Methoden. Mit Säuren und Laugen erzeugt man Nekrosen, die nach einiger Zeit abgestoßen werden. Dabei gehen die oberen Hautschichten zugrunde. Es gibt eine Standardlösung mit Salpetersäure und Aceton. Die Vorteile: Sie lässt sich nach Angaben von Fritzemeier in der Tiefenwirkung steuern und kann der jeweiligen Hautqualität angepasst werden.

Auch bei der Infrarotkoagulation, der Elektrolyseverschorfung, der Hitzeverkohlung oder der Kryochirurgie werden Haut und Lederhaut denaturiert, um später abgestoßen zu werden. Wie stark die Narbenbildung ausfällt, ist wiederum entzündungs- und pflegeabhängig. Nach Kryochirurgie seien bei den physikalischen Methoden die unauffälligsten Narben zu verzeichnen, sagt Fritzemeier.

CO2-Laser denaturieren die Haut ebenfalls. Manche Laser zerlegen bestimmte Farbpigmente, die dann ohne wesentliche Hautzerstörung abtransportiert werden. Es gibt jedoch mehrere Haken an der Sache: Nicht bei allen Farbpigmenten gelingt das. Für fast jede Farbe benötigt man einen anderen Laser. Zudem können die Spaltprodukte der Pigmente allergen oder kanzerogen sein. Oft sei nach Laser-Behandlung ohne eine zusätzliche Kürettage oder Dermabrasion keine vollständige Entfernung des Tattoos zu erreichen.

Als Behelfsmethoden sind das Camouflage, also das Überdecken der Tätowierung mit Kosmetikprodukten, oder das Nachstechen des Ornaments mit einem anderen Motiv zu werten. Das Nachstechen erfordert ein besonders ausgeprägtes Farb- und Formgefühl des Tätowierers und dürfte bei farbigen und flächigen Tattoos kaum befriedigend gelingen.

Bis zu 2000 Euro kostet die Entfernung eines Arm-Tattoos

Enttätowieren ist also mit teilweise erheblichem Aufwand verbunden und mit Kosten, die die gesetzlichen Krankenkassen nur in Ausnahmefällen übernehmen. "Die Klientel, die eine Enttätowierung wünscht oder dringend braucht, ist finanziell meist schlecht gestellt", so Fritzemeier zur "Ärzte Zeitung". Mit bis zu 100 Euro für 4 cm2 müssten Patienten rechnen. Es sind jedoch auch Preise von bis zu 2000 Euro für die Entfernung einer 10 mal 10 cm großen Unterarmtätowierung bekannt.

Weil viel Erfahrung nötig ist und viele verschiedene Techniken beherrscht werden müssen, sollten sich Zentren bilden, fordert der Chirurg. Zum Beispiel an Hautkliniken, die mit plastisch-chirugischen Abteilungen zusammenarbeiten oder bei Dermatologen mit chirurgischer Ausbildung und niedergelassenen Chirurgen. Auf keinen Fall sollten Enttätowierungen durch Laien erfolgen. Und: "Das Wichtigste ist eine Aufklärung, in der die Gefahr ästhetisch nicht immer befriedigenden Ergebnisse schonungslos angesprochen wird", sagt Fritzemeier.

STICHWORT

Bio-Tattoos und Temptoos

Sie heißen "Bio-Tattoo" oder "Temptoo" (für temporary tattoo), und es wird damit geworben, dass sie nach einiger Zeit verschwinden, weil angeblich die Farben nicht so tief in die Haut eingehen oder weil es sich um Pflanzenfarben handele, die sich irgendwann auflösen. "So etwas gibt es nicht", betont Professor Claus Udo Fritzemeier aus Düsseldorf. Weder sei es möglich, eine geringe Eindringtiefe der Farben zu garantieren, noch zu versprechen, die Farben würden sich auflösen. Auch wer zeitlich begrenzte Tattoos nur per Bemalung erreichen möchte, sei gewarnt. Henna-Farben enthalten oft Paraphenylendiamin, das allergische Reaktionen auslösen kann. (ner)

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