Direkt zum Inhaltsbereich

Atemwegsinfekte bei Kindern

Oft falsche Trigger für Antibiose

Für die Verordnung von Antibiotika bei Kindern mit Infektion der unteren Atemwege werden einer Schweizer Studie zufolge oft wenig geeignete Laborwerte herangezogen.

Veröffentlicht:

In der ProPAED-Studie war ein erhöhter CRP-Wert der stärkste Treiber für eine Antibiotikatherapie (PLoS ONE 2017; 12(9): e0185197).

Bei einem Anstieg um das Zehnfache war die Wahrscheinlichkeit für Antibiotika fast versechsfacht. Ein Anstieg der Leukozytenzahl über die alterstypische Norm war der zweitwichtigste Trigger; ein Antibiotikumrezept war damit fast viermal so wahrscheinlich.

Für die Auswertung wurden 165 Kinder berücksichtigt, die wegen einer Infektion der unteren Atemwege (UAWI) und Fieber in einer Klinikambulanz vorgestellt und nicht Procalcitonin-gesteuert behandelt worden waren. 55 Prozent der Kinder im mittleren Alter von zweieinhalb Jahren hatten ein Antibiotikum erhalten.

Sowohl CRP als auch Leukozyten haben nach Angaben der Studienautoren um Verena Gotta von der Universität Basel nur einen geringen Vorhersagewert hinsichtlich der Notwendigkeit einer antibiotischen Behandlung von Kindern mit UAWI.

Klinische Befunde, die eine Antibiose förderten, waren Pleuraschmerzen und höheres Fieber. Auch das sehen die Schweizer Ärzte kritisch: Pleuraschmerzen könnten zwar ein Hinweis auf eine schwere Pneumonie sein, bei kleinen Kindern sei dies aber oft nicht der Fall, abgesehen davon, dass sie den Schmerz oft gar nicht lokalisieren könnten.

Ebenso sei anhaltendes Fieber zwar ein mögliches Zeichen für Komplikationen, Fieber bei der Erstvorstellung dagegen häufig und kein Merkmal zur Differenzierung von viralen und bakteriellen Infektionen. Umgekehrt sank die Wahrscheinlichkeit für ein Antibiotikum, wenn die Kinder an Dyspnoe oder Wheezing litten.

Vor allem Wheezing, darauf weisen Gotta und Kollegen hin, ist meist mit viralen Infekten assoziiert. Eine Tachypnoe, obwohl in Leitlinien als Zeichen schwerer UAWI beschrieben, wurde in der Studie nicht als Trigger für Antibiotika genannt. (bs)

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema
Das könnte Sie auch interessieren
Überzeugende Real-World-Daten zur Langzeitprophylaxe

© AndreasReh, Ljupco, tinydevil, shapecharge | istock

rHWI

Überzeugende Real-World-Daten zur Langzeitprophylaxe

Anzeige | MIP Pharma GmbH
Antibiotikum mit antimykotischen Zusatznutzen

© Dr_Microbe | Adobe Stock

In vitro-Studien

Antibiotikum mit antimykotischen Zusatznutzen

Anzeige | MIP Pharma GmbH
Therapie bei unkomplizierter Zystitis

© Dr_Microbe | Adobe Stock

Evidenz, Resistenz & Wirksamkeit

Therapie bei unkomplizierter Zystitis

Anzeige | MIP Pharma GmbH
Chronisch rezidivierende Vulvovaginalmykosen

© Domepitipat | iStock

Lebensqualität zurückgewinnen

Chronisch rezidivierende Vulvovaginalmykosen

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Thailandpilz, Tierkontakt & Nagelpilz

© Iuliia Petrovskaia | iStock

Dermatophyten-Infektionen

Thailandpilz, Tierkontakt & Nagelpilz

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Welche Rolle spielen Biofilme bei Therapieversagen und Rückfällen?

© robertprzybysz | iStock

Persistierende Onychomykosen

Welche Rolle spielen Biofilme bei Therapieversagen und Rückfällen?

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Rheumatoide Arthritis – auch auf die Lunge achten

© Springer Medizin Verlag

Rheumatoide Arthritis – auch auf die Lunge achten

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: medac GmbH, Wedel
Abb. 1: Typische Körperumrisse bei Achondroplasie

© BioMarin

Achondroplasie

Gezielte Therapie: erste Lebensjahre sind entscheidend

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: BioMarin Deutschland GmbH, Frankfurt am Main
Voraussetzungen für eine erfolgreiche Transition Betroffener in die Erwachsenenmedizin

© Pinit / stock.adobe.com / generiert mit KI

Pädiatrische cholestatische Lebererkrankungen

Voraussetzungen für eine erfolgreiche Transition Betroffener in die Erwachsenenmedizin

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Mirum Pharmaceuticals Germany GmbH, München
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Seltene Erkrankungen

Primäre Immundefekte: Warnzeichen und Tipps fürs Labor

Lesetipps
Auswahl an gesunden pflanzlichen Lebensmitteln: Superfoods, verschiedene Obstsorten und Beeren, Nüsse und Samen.

© alicja neumiler / stock.adobe.com

Gepoolte Studien-Analyse

Vegetarische Ernährung und Krebsrisiko: Nicht immer ist pflanzlich besser!

Eine Hand hält ein

© Sergey Nivens / stock.adobe.com

Jetzt abonnieren

Unsere Newsletter in der Übersicht