Oft fehlt eine Thrombose-Prophylaxe

MÜNCHEN (wst). Eine internationale Studie mit knapp 70 000 Patienten hat weltweit große Mängel in der Thrombose-Prophylaxe stationär aufgenommener Patienten ergeben. Lediglich 50 Prozent aller Patienten mit hohem Risiko für eine venöse Thrombose erhielten eine angemessene medikamentöse Prophylaxe. Dabei schnitten internistische Patienten noch deutlich schlechter ab als chirurgische.

Veröffentlicht:

In der ENDORSE*-Studie benötigten gemäß den international anerkannten Leitlinien des American College of Chest Physicians (ACCP) 64 Prozent der 30 827 chirurgischen und 42 Prozent der 37 356 internistischen Patienten aufgrund ihres erhöhten Thromboserisikos eine medikamentöse Prophylaxe.

Tatsächlich hatten aber nur 59 Prozent der prophylaxepflichtigen chirurgischen Patienten eine angemessene medikamentöse Prophylaxe, etwa mit einem niedermolekularen Heparin wie Enoxaparin (Clexane®), erhalten. Bei den prophylaxepflichtigen internistischen Studienteilnehmern waren es lediglich 40 Prozent der Patienten.

68 000 Patienten wurden in die Studie aufgenommen

Hauptziele der Studie waren, weltweit das venöse Thromboembolie-Risiko von internistischen und chirurgischen Krankenhauspatienten sowie die Verbreitung einer angemessenen Thrombose-Prophylaxe zu ermitteln. Das hat Privatdozent Rainer B. Zotz von der Universitätsklinik Düsseldorf auf einer Veranstaltung des Unternehmens Sanofi-Aventis in München berichtet. Dazu wurden aus 358 Kliniken in 32 Ländern nach dem Zufallsprinzip die Daten von mehr als 68 000 Patienten aufgenommen, die aufgrund eines größeren chirurgischen Eingriffs (Mindestalter 18 Jahre) oder einer akut aufgetretenen oder verschlimmerten schwereren internistischen Erkrankung (Mindestalter 40 Jahre) eingewiesen worden waren. Aus Deutschland nahmen 16 größere Krankenhäuser an der Studie teil.

Verbindliche länderspezifische Daten sind noch nicht verfügbar. Vorläufige Ergebnisse hätten aber Hinweise darauf gebracht, dass die Situation in Deutschland und der Schweiz wohl noch am besten ist, verriet Zotz.

* ENDORSE: Epidemiologic International Day for the Evaluation of Patients at Risk for Venous Thromboembolism in the Acute Hospital Care Setting



STICHWORT

Leitlinien zur Prophylaxe

Gemäß den zuletzt im Jahr 2004 aktualisierten Leitlinien des ACCP ist bei internistischen Patienten grundsätzlich von einem prophylaxepflichtigen erhöhten Risiko für venöse thromboembolische Ereignisse auszugehen, wenn akut ein Herzversagen oder ein schweres respiratorisches Leiden vorliegt. Des weiteren sollten auch all die internistischen Patienten eine effektive Thrombose-Prophylaxe mit vorzugsweise niedermolekularem Heparin erhalten, die aufgrund ihrer akuten Erkrankung vorübergehend immobilisiert sind und zusätzlich mindestens eines der folgenden Kriterien erfüllen: aktive Krebserkrankung, akutes neurologisches Leiden, entzündliche Darmerkrankung, Sepsis oder eine venöse Thromboembolie in der Anamnese. (wst)

Schlagworte:
Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Ausgewählte Best-of-Abstracts

Melanome – ein Risikoscore für die Immuntherapie

Kooperation | In Kooperation mit: Deutscher Krebsgesellschaft und Stiftung Deutsche Krebshilfe

Röntgen-Thorax führte zur Diagnose

Kasuistik: Negativer D-Dimer-Test trotz akuter Lungenembolie

Das könnte Sie auch interessieren
DMykG 2025: So dringt Bifonazol effektiv in die Nagelplatte ein

© Matt LaVigne | iStock

Neue in-vitro-Daten

DMykG 2025: So dringt Bifonazol effektiv in die Nagelplatte ein

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Bifonazol: Antimykotikum mit antientzündlicher Wirkung

© Irina Esau | Getty Images/iStockphoto

Fokus: Integrität der Haut

Bifonazol: Antimykotikum mit antientzündlicher Wirkung

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Die Bedeutung von Bifonazol in der Therapie der Tinea capitis

© Prof. Dr. med. Hans-Jürgen Tietz

Pilzinfektion Kopfhaut

Die Bedeutung von Bifonazol in der Therapie der Tinea capitis

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Für Menschen ab 60 Jahren sind die Impfungen gegen Influenza, Corona, Pneumokokken und Herpes zoster (beide nicht im Bild) Standard-Impfungen. Für Menschen ab 75 Jahren kommt die RSV-Impfung hinzu.

© angellodeco / stock.adobe.com

Respiratorisches Synzytial Virus

STIKO: Alle Menschen ab 75 gegen RSV impfen!

Blickdiagnose: klinisches Bild mit typischen Effloreszenzen bei Herpes zoster.

© Mumemories / Getty Images / iStock

Zoster-Impfung

Schutz vor Herpes zoster und Rezidiven

Kommentare
* Hinweis zu unseren Content-Partnern
Dieser Content Hub enthält Informationen des Unternehmens über eigene Produkte und Leistungen. Die Inhalte werden verantwortlich von den Unternehmen eingestellt und geben deren Meinung über die Eigenschaften der erläuterten Produkte und Services wieder. Für den Inhalt übernehmen die jeweiligen Unternehmen die vollständige Verantwortung.
Sonderberichte zum Thema
Abb. 2: Klinischer Nutzen der einzelnen NOAKs versus VKA bei VHFa-Patient*innen 75 Jahre

© Springer Medizin Verlag GmbH, modifiziert nach [2]

Nicht-valvuläres Vorhofflimmern: Nicht-Vitamin-K-abhängige orale Antikoagulanzien

Apixaban: günstiges Nutzen-Risikoprofil bei Älteren

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Pfizer Pharma GmbH, Berlin

„NOACs haben die Versorgung verändert“

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Pfizer Pharma GmbH, Berlin, und der
Abb. 1: Apixaban versus NMH bei Patient*innen mit VTE und aktiverTumorerkrankung im US-Versorgungsalltag: a) E?ektivitätsendpunkt VTE-Rezidiveb und b) Verträglichkeitsendpunkt schwere Blutungenb

© Springer Medizin Verlag GmbH, modifiziet nach [2]

Tumorassoziierte VTE

Gutes Nutzen-Risiko-Profil für Apixaban im Versorgungsalltag

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Pfizer Pharma GmbH, Berlin, und Bristol-Myers Squibb GmbH & Co. KGaA, München
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

„Unser ältester Patient ist 86!“

Erwachsen mit Mukoviszidose: Versorgung muss sich anpassen

Datenschutz im Praxisalltag

ePA 2026: Schutzlücken bleiben – wie sie im Alltag umschifft werden können

Heimkehrer

Dr. Petrakis’ Weg von Kreta an die Saar – und wieder zurück

Lesetipps
Symbol für Augenspülung und Notfall-Augenspülvorrichtung für Chemieunfälle.

© navintar / stock.adobe.com

Neue S1-Leitlinie

Verätzung am Auge: Erst spülen, und dann?

Ein älterer Mann muss stark husten und hält eine Hand auf seine Brust.

© Getty Images

Infektionsmanagement

Keuchhusten: Was bei der Behandlung Erwachsener wichtig ist