Rückenschmerzen

Op bei Ischialgie oft nur anfangs von Vorteil

Veröffentlicht: 20.11.2007, 05:00 Uhr

LEIDEN (ner). Patienten mit Lumboischialgie genesen nach einer frühen Operation rascher als Patienten, die konservativ behandelt werden. Allerdings: Nach einem Jahr geht es beiden Patientengruppen gleich gut, wie niederländische Kollegen berichten.

Bislang galt: Geht es Patienten mit Lumboischialgie und nachgewiesener Bandscheibenherniation nach mehrwöchiger konservativer Therapie nicht besser, sollten sie operiert werden. Allerdings besteht keine Einigkeit darüber, wann denn der beste Zeitpunkt für die Operation ist.

Der Neurochirurg Dr. Wilco C. Peul von der Universitätsklinik in Leiden in den Niederlanden und seine Kollegen haben deshalb bei 283 Patienten beide Behandlungen in einer randomisierten Studie verglichen (NEJM 356, 2007, 2245). Die Lumboischialgie bestand bei diesen Patienten seit sechs bis zwölf Wochen.

Bei einer Operation innerhalb von zwei Wochen nahmen die Schmerzen signifikant rascher ab als in der konservativ behandelten Gruppe, so Peul und seine Mitarbeiter. Zur konservativen Therapie gehörte der Ratschlag an die Patienten, sich zu bewegen, sowie gegebenenfalls die Verordnung von Schmerzmitteln oder Physiotherapie.

Der Beinschmerz etwa reduzierte sich in der Op-Gruppe auf der 100-mm-VAS (visuelle Analogskala) innerhalb von acht Wochen von 60 auf ungefähr 10.

Die Patienten der Kontrollgruppe gaben durchschnittlich noch einen Wert von etwa 30 an. Ab der 36. Woche jedoch näherten sich die Behandlungsresultate beider Gruppen deutlich an und waren nach einem Jahr identisch.

Ähnlich verhielt es sich mit den Rückenschmerzen oder dem Grad der körperlichen Behinderung. Da machte es auch nichts, dass 39 Prozent der Patienten in der Kontroll-Gruppe schließlich doch noch operiert wurden, im Durchschnitt nach 19 Wochen. Im Median erholten sich die früh chirurgisch behandelten Patienten innerhalb von vier Wochen, die länger konservativ behandelten Patienten innerhalb von zwölf Wochen.

Die Resultate legen nahe, dass jene Patienten die Operation wählen, die ihre Schmerzen unerträglich finden und denen die natürliche Rekonvaleszenz zu lang dauert, so Peul und seine Kollegen.

Mit einer konservativen Therapie sinken jedoch die Chancen für eine Besserung nicht, wenn eventuell später doch noch die Entscheidung für eine Operation gefällt wird.

Die Studie in Kürze

Patienten: 283 Lumboischialgie-Patienten mit Bandscheibenvorfall, meist in Höhe L4 bis S1.

Therapie: Randomisiert entweder frühe Operation innerhalb von zwei Wochen (n=141) oder konservative Behandlung (n=142).

Ergebnis: 89 Prozent aus der Op-Gruppe wurden tatsächlich operiert, die anderen erholten sich zuvor.

In der Kontrollgruppe wurden 39 Prozent später operiert; bei 61 Prozent Linderung der Beschwerden durch konservative Behandlung.

Nach einem Jahr waren die Behandlungsergebnisse in beiden Gruppen identisch bei den Zielparametern Schmerz, Grad der Behinderung (Roland Disability Questionnaire) und Lebensqualität (SF-36-Fragebogen). (ner)

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