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Krebskongress

Orale Krebstherapie nur unter optimaler Betreuung!

Krebspatienten mögen Medikamente mit oraler Applikation. Deren Anwendung ist aber mit Risiken verbunden, etwa dem einer Überdosierung.

Peter LeinerVon Peter Leiner Veröffentlicht:

BERLIN. "Die orale Krebstherapie ist total schick" - das ist die Einstellung vieler Krebspatienten, hat Professor Dorothee Dartsch vom Institut für Pharmazie der Universität Hamburg beim 32. Deutschen Krebskongress in Berlin berichtet. Attraktiv seien die Arzneien, weil es damit seltener zu Haarausfall komme. Auch mit Nebenwirkungen wie Infektionen an der Einstichstelle von Infusionen müsse nicht gerechnet werden.

Bei der Therapie zu Hause sei jedoch mit mangelhafter Adhärenz zu rechnen, aber auch mit "Überadhärenz", wenn Patienten glauben, weil sie die orale Therapie so gut vertragen, könne eine Tablette mehr ja nicht schaden, nach dem Motto: Viel hilft viel. Risiken gebe es für die Patienten auch, wenn sie etwa Nahrungsergänzungsmittel nehmen, die die Wirksamkeit der oralen Krebsarzneien einschränken.

Viele Krebspatienten sind schon alt, betonte Dartsch. Nach ihren Angaben hatten in einer US-Studie 13 Prozent von Krebskranken eine Niereninsuffizienz, etwa 10 Prozent M. Alzheimer, mehr als 50 Prozent Polyarthritis und 25 Prozent Augenkrankheiten wie Katarakt oder Glaukom.

Jede Komorbidität könne eine optimale orale Therapie behindern, sei es, weil die Patienten etwa wegen der Gelenkbeschwerden Schwierigkeiten beim Öffnen der Arzneiverpackung haben oder durch die Sehbehinderung möglicherweise falsch dosieren.

Und: Unklar ist, ob bei der oralen Therapie zu Hause darauf hingewiesen werden sollte, dass beim Umgang mit den Krebsmedikamenten Handschuhe getragen werden sollten, um Kontaminationen zu vermeiden. Dartsch: "Oder beeinflusst das die Adhärenz?"

Schließlich werde das Follow-up der Patienten letztlich nur durch die Packungsgröße der Krebsarznei bestimmt. Bei der parenteralen Krebsbehandlung sei das dagegen standardisiert, Patienten hätten regelmäßig in kurzen Abständen Kontakt zum Arzt, so Dartsch.

Wie wichtig Adhärenz bei der oralen Krebstherapie ist, verdeutlichte auch Dr. Annette Freidank vom Klinikum Fulda. So lag zum Beispiel in einer Studie bei chronisch myeloischer Leukämie (CML) die Therapie-Adhärenz bei jedem vierten Patienten unter 90 Prozent und bei jedem siebten sogar unter 80 Prozent.

Ein molekulares Ansprechen auf die orale Therapie werde so verhindert. Bei Therapieversagen rät daher die Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und Onkologie (DGHO), die Adhärenz zu überprüfen. Auch sollte nach Arzneien gefragt werden, die den Abbau des CML-Medikamentes induzieren.

Für eine optimale Adhärenz bei oraler Krebstherapie sind nach Ansicht von Freidank unter anderem möglichst einfache Therapieschemata und ein regelmäßiges Follow-up absolut nötig, ebenso die kontinuierliche Betreuung der Patienten.

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