Direkt zum Inhaltsbereich

Parodontitis macht keine Herzinfarkte

Die entzündliche Zahnfleisch- und Kiefererkrankung Parodontitis wird immer wieder mit atherosklerotischen Gefäßerkrankungen in Zusammenhang gebracht. Für eine kausale Beziehung gibt es aber keine wissenschaftlichen Beweise, stellt die Fachgesellschaft AHA (American Heart Association) jetzt klar.

Veröffentlicht:
Aaah: Parodontitis geht laut AHA nicht aufs Herz.

Aaah: Parodontitis geht laut AHA nicht aufs Herz.

© Jana Lumley / fotolia.com

DALLAS (ob). Parodontitis ist eine bakteriell bedingte Entzündung des Zahnhalteapparates. Dazu zählen Zahnfleisch, Kieferknochen, Zahnhals, Wurzelzement und Wurzelhaut. Neben Karies ist Parodontitis die häufigste Mundkrankheit.

"Parodontitis kann Herzinfarkt und Schlaganfall auslösen" - solche und ähnliche Schlagzeilen tauchen immer wieder in der Presse auf.

Nicht selten wird dann auch noch suggeriert, dass eine verbesserte Mundhygiene zur Vorbeugung einer Parodontitis auch der Prävention von Herzinfarkten und Schlaganfällen dient.

Solche Behauptungen sind haltlos, konstatiert jetzt eine Expertengruppe aus Kardiologen, Zahnärzten und Infektiologen in einem 27-seitigen "Statement" der AHA (Circulation 2012; online 18. April).

Nach gründlicher Durchsicht der publizierten Literatur gelangen die Forscher zu der Überzeugung, dass die vorhandenen Studien zwar auf hohem Evidenzlevel die Assoziation von Parodontitis und atherosklerotischen Gefäßerkrankung stützen.

Viele Fragen weiter offen

Allerdings handelt es sich dabei in der Regel um Beobachtungsstudien, die aus methodischen Gründen die Frage der Kausalität nicht klären können.

Zwar konnte in einigen Studien gezeigt werden, dass eine Parodontitis-Behandlung günstige Auswirkungen auf systemische Entzündungsmarker wie CRP und KHK-Surrogatparameter wie Endothelfunktion haben kann.

Zum einen seien die Studienergebnisse diesbezüglich aber nicht konsistent, zum anderen wisse man nicht, ob diese Effekte auch von Dauer sind. Und völlig unklar sei, ob aus diesen Effekten auf lange Sicht eine Reduktion kardiovaskulärer Ereignisse resultiert.

Die Experten weisen darauf hin, dass sowohl bei Parodontitis als auch atherosklerotischen Gefäßerkrankungen oft die gleichen Risikofaktoren wie Rauchen, höheres Alter und Diabetes zu finden sind.

Diese gemeinsamen Faktoren könnten eine mögliche Erklärung für die häufige Koexistenz beider Erkrankungen sein.

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

POET-II-Studie

Antibiotika bei infektiöser Endokarditis: Weniger kann reichen

Kommentare
Dr. Christof Rheinert 26.04.201209:37 Uhr

nicht mit letzter Sicherheit bewiesen heißt nicht "...macht keine Herzinfarkte"

die Tatsache, daß der Zusammenhang nicht in prospektiven Studien mit höchstem Evidenzlevel bewiesen ist bedeutet keinesfalls, wie Ihre Überschrift suggeriert, eine Sicherung des fehlenden Zusammenhangs. Sie sollten Ihre Quellen besser lesen, um solche plakativen Falschaussagen wie die (vom Leser meistens ohne weiteres Studieren des Artikels registrierte) Überschrift des Artikels zu vermeiden

Sonderberichte zum Thema

Vom Warnsignal zur RNAi-Therapie

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Alnylam Germany GmbH, München
HFpEF: Diagnostik, Therapie und Monitoring für die tägliche Praxis

© Rasi / stock.adobe.com

Chronische Herzinsuffizienz

HFpEF: Diagnostik, Therapie und Monitoring für die tägliche Praxis

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Bayer Vital GmbH, Leverkusen
ATTR-CM-Therapien im Wandel: Die Rolle von Acoramidis

© CLIPAREA.com / stock.adobe.com

Transthyretin-Amyloidose mit Kardiomyopathie

ATTR-CM-Therapien im Wandel: Die Rolle von Acoramidis

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Bayer Vital GmbH, Leverkusen
Vorteile des Logins

Mit unserem kostenloses Login erhalten Ärztinnen und Ärzte, Medizinstudierende sowie Fachkräfte im Gesundheitswesen vollen Zugriff auf unsere medizinischen und praxisrelevanten Inhalte.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Spurenelemente

Zink und Testosteron: Wann ist eine Substitution sinnvoll?

Early-onset-Diabetes

Jeder zweite junge Erwachsene erreicht Diabetesremission

Lesetipps
Hände hallten Tablette in linker Hand und Glas Wasser in rechter Hand

© IQ-Photography / Generated with AI / Stock.adobe.com

Medikamentöse Adipositastherapie

Faktenckeck orales Semaglutid: Was es kann und wo der Haken ist