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Bei Hypertonie

Pille als Betthupferl schützt vor Diabetes

Patienten mit Bluthochdruck, die ihre Medikamente vor dem Schlafengehen einnehmen, senken ihr Risiko, an Typ-2-Diabetes zu erkranken. Das zeigt eine aktuelle Studie.

Veröffentlicht:

VIGO. Die Frage, ob es besser ist, Antihypertonika nach dem Aufwachen oder vor dem Zubettgehen einzunehmen, haben Forscher um den Chronobiologen Ramón Hermida von der Universität Vigo, Spanien, in einer prospektiven und randomisierten Studie mit 2012 nicht diabetischen Hypertonikern untersucht.

1029 Patienten nahmen ihre Medikamente morgens nach dem Aufstehen, die übrigen 983 schluckten sie vor dem Einschlafen (Diabetologia 2015, online 23. September). Die Nachbeobachtungszeit betrug knapp sechs Jahre. Während dieser Phase stellte sich bei den Patienten, die ihre Hochdruckmittel vor dem Schlafen einnahmen, ein günstigeres Blutdruckprofil ein als bei jenen, die nach dem Aufwachen zur Tablettenschachtel griffen.

Niedrigerer Blutdruck im Schlaf

Der Blutdruck während des Schlafs war niedriger und der nächtliche Blutdruckabfall war stärker ausgeprägt. Zu Beginn der Studie war der Anteil der Non-Dipper in beiden Gruppen mit 45,1 Prozent vs. 44,2 Prozent praktisch gleich gewesen. Das Einnahmeverhalten änderte dies.

Am Ende der Nachbeobachtung gehörten 52 Prozent derjenigen, die ihre Medikamente morgens, und 31,7 Prozent jener, die sie vor dem Schlafengehen einnahmen, zu den Non-Dippern (p < 0,001).In der Gruppe der Patienten mit spätabendlicher Tabletteneinnahme lag auch die Diabetesinzidenz um 57 Prozent niedriger als in der Vergleichsgruppe.

Einflüsse des Nüchternglukosespiegels, des Bauchumfangs, des mittleren nächtlichen systolischen Drucks, des Dipping-Verhaltens und des Vorliegens einer chronischen Nierenkrankheit auf das Diabetesrisiko waren in der Berechnung berücksichtigt. Insgesamt erkrankten in der Nachbeobachtungszeit 171 Probanden an Typ-2-Diabetes.

Offenbar bietet der nächtliche Blutdruck einen Ansatzpunkt für die Diabetesprävention. Hermida und Kollegen erklären die Effekte mit einem Verweis auf die Rolle des Renin-Angiotensin-Aldosteron-Systems (RAAS). Dessen Aktivierung erhöht die Spiegel von Angiotensin II und Aldosteron und trägt zur Freisetzung von Glukose aus der Leber bei.

Geringere Insulinempfindlichkeit

Die Insulinempfindlichkeit wird herabgesetzt. Die Blockade des RAAS könnte also auch einer Störung der Glukosetoleranz und einer Insulinresistenz entgegenwirken. Da das RAAS nachtaktiv ist, sollte eine Einnahme von RAAS-hemmenden Substanzen zur Schlafenszeit hier die günstigsten Resultate liefern.

Im Vergleich der morgens eingenommenen Substanzen zeigten sich in der Studie keine wesentlichen Unterschiede beim Diabetesrisiko. Ein ausgeprägter präventiver Effekt ergab sich hingegen bei Patienten, die vor der Nachtruhe RAAS-blockierende Präparate einnahmen: Angiotensin-Rezeptor-Blocker (Reduktion des Diabetesrisikos im Vergleich abendlicher zu morgendlicher Einnahme um 61 Prozent) und ACE-Hemmer (-69 Prozent).

Bei Diuretika, Alphablockern und Kalziumantagonisten war kein Vorteil der späten Einnahme festzustellen.Unter Betablockern wiederum sank die Diabetesgefahr um 65 Prozent, wenn die Präparate nicht nach dem Aufwachen, sondern vor dem Schlafengehen verabreicht wurden.

Die meisten Patienten, die einen Betablocker einnahmen, schluckten allerdings Nebivolol, das regulatorisch auf das RAAS wirkt. Ob es sich bei der beobachteten Senkung des Diabetesriskos bei nächtlicher Einnahme um einen Klasseneffekt der Betablocker handelt, ist daher fraglich. (rb)

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