Direkt zum Inhaltsbereich

Nächtlicher Bluthochdruck

Auch Diabetes-Risiko schießt in die Höhe

Zu hoher Blutdruck in der Nacht kann ein Vorbote von Diabetes sein, zeigt eine aktuelle Untersuchung. Wird das Problem rechtzeitig erkannt, ergeben sich völlig neue Präventionsmöglichkeiten.

Von Dr. Christine Starostzik Veröffentlicht:
Hochdruck im Schlaf? In der Nacht sollte der Blutdruck einen Wert von120/70 mmHg nicht überschreiten.

Hochdruck im Schlaf? In der Nacht sollte der Blutdruck einen Wert von120/70 mmHg nicht überschreiten.

© Tom Le Goff/Getty images

VIGO. In der Nacht sollte der systolische Blutdruck um mindestens 10 Prozent absinken und einen Wert von 120/70 mmHg nicht überschreiten, so die Vorgaben der Deutschen Hochdruckliga (DHL). Bei einer Reihe von Patienten, unter anderem bei Diabetikern, findet der nächtliche Blutdruckabfall jedoch nicht statt, was das kardiovaskuläre Risiko dieser Patienten erhöht.

Zudem kann der Hochdruck während des Schlafs aber auch Vorzeichen der Stoffwechselerkrankung sein, lange bevor die Diabetesdiagnose gestellt wird. Dies legt jetzt eine prospektive Untersuchung von Ramón Hermida und Kollegen von der Universität Vigo in Spanien mit 2656 Männern und Frauen nahe (Diabetologia 2015, online 23. September).

Die Studienteilnehmer waren durchschnittlich 50,6 Jahre alt und zu Beginn Normotoniker oder unbehandelte beziehungsweise therapieresistente Hypertoniker ohne Diabetes. Der ambulante Blutdruck wurde mittels 48-Stunden-Langzeitmessung (ABDM) je nach Ausgangswert jährlich oder häufiger ermittelt.

Um Wach- und Schlafzeiten exakt zu überwachen, trugen die Probanden während der 48 Stunden der Blutdruckmessung einen Aktigraph am Handgelenk, der ihre Aktivitäten im Minutentakt aufzeichnete.

Die Diabetes-Neuerkrankung war definiert als: Nüchternglukose = 7,0 mmol/l bei mindestens zwei Untersuchungen im Abstand von mindestens drei Monaten, ohne Diabetes oder eine antidiabetische Therapie in der Vergangenheit.

190 Personen entwickelten Diabetes

Eines der Hauptziele der MAPEC(Monitorización Ambulatoria para Predicción de Eventos Cardiovasculares)-Studie war auch, den Effekt der Einnahmezeit blutdrucksenkender Therapien auf kardiovaskuläre Erkrankungen, Diabetesentstehung und Nierengesundheit zu beobachten.

Während einer mittleren Beobachtungszeit von 5,9 Jahren entwickelten 190 Personen einen Typ-2-Diabetes. Nach Berücksichtigung anderer Risikofaktoren wie Alter, Taillenumfang, Nüchternglukose, chronische Nierenerkrankungen und Hypertonietherapie erschienen die nächtlichen Blutdruckwerte, die mittels 48-Stunden-ABDM gemessen wurden, als zuverlässigster signifikanter Prädiktor für eine Diabetes-Neuerkrankung.

Pro Anstieg um eine Standardabweichung (SD) erhöhte sich das relative Erkrankungsrisiko im Untersuchungszeitraum um 28 Prozent. Außerdem zeigte sich bei hypertensiven Patienten, die mindestens ein Blutdruck senkendes Medikament vor dem Schlafengehen einnahmen, ein signifikant niedrigeres Diabetesrisiko als bei denjenigen, die ihre Antihypertensiva über den Tag verteilten (HR 0,43).

Neues Präventionsziel in Sicht

Keinen Vorhersagewert hatten dagegen Klinik-Blutdruckmessungen am Tag, ambulante Tageswerte sowie der 48-Stunden-Mittelwert, nach Korrektur um die nächtlichen Werte. Die Analysen der Blutdruckänderungen während des Follow-up ergaben, dass ein Absinken des nächtlichen systolischen Mittelwerts um 1 SD mit einer Senkung des Diabetesrisikos um jeweils 30 Prozent einherging.

Diese Verbesserungen erwiesen sich als unabhängig von Veränderungen beim klinischen Blutdruck, bei den Tageswerten oder dem 48-h-Mittelwert. Zudem waren die Vorteile sowohl für die Gruppe mit zu Studienbeginn nächtlich normalem als auch erhöhtem Blutdruck signifikant, selbst dann, wenn der systolische Blutdruck im Schlaf unter 100 mmHg absank.

Häufig geht der Erstdiagnose eines Typ-2-Diabetes eine Veränderung des nächtlichen Blutdrucks voraus, so Hermida und Kollegen. Würden durch Langzeitmessung erhöhte Werte in der Nacht festgestellt, könne deren Senkung als Präventionsmaßnahme für die Entstehung eines Typ-2-Diabetes gesehen werden.

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Sonderbericht

Biomarker gegen Diabetes-Folgen

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Roche Diagnostics Deutschland GmbH, Mannheim

Früherkennung von Bluthochdruck

Hypertonie: Wenn die Smartwatch in falsche Sicherheit wiegt

Das könnte Sie auch interessieren
Vitamin-B12-Mangel frühzeitig behandeln!

© Aleksandr | colourbox.de

Fatal verkannt

Vitamin-B12-Mangel frühzeitig behandeln!

Anzeige | WÖRWAG Pharma GmbH & Co. KG
Aktuelle Empfehlungen für die Praxis

© polkadot - stock.adobe.com

Vitamin-B12-Mangel

Aktuelle Empfehlungen für die Praxis

Anzeige | WÖRWAG Pharma GmbH & Co. KG
B12-Mangel durch PPI & Metformin

© Pixel-Shot - stock.adobe.com

Achtung Vitamin-Falle

B12-Mangel durch PPI & Metformin

Anzeige | WÖRWAG Pharma GmbH & Co. KG
Der Gesundheitsdialog

© Janssen-Cilag GmbH

J&J Open House

Der Gesundheitsdialog

Kooperation | In Kooperation mit: Johnson & Johnson Innovative Medicine (Janssen-Cilag GmbH)
Impulse für den medizinischen Fortschritt: Welches Mindset braucht Deutschland?

© Springer Medizin

Johnson & Johnson Open House-Veranstaltung am 26. Juni 2025 beim Hauptstadtkongress

Impulse für den medizinischen Fortschritt: Welches Mindset braucht Deutschland?

Kooperation | In Kooperation mit: Johnson & Johnson Innovative Medicine (Janssen-Cilag GmbH)
J&J Open House beim Hauptstadtkongress

© [M] Springer Medizin Verlag

Video zur Veranstaltung

J&J Open House beim Hauptstadtkongress

Kooperation | In Kooperation mit: Johnson & Johnson Innovative Medicine (Janssen-Cilag GmbH)
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: Die kardiorenalmetabolische Organachse: ganzheitliche Versorgung durch interdisziplinäre Zusammenarbeit (Quelle: Michalopoulou E et al., J Clin Med 2025, 14:428)

© Springer Medizin Verlag

Biomarker gegen Diabetes-Folgen

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Roche Diagnostics Deutschland GmbH, Mannheim
Porträt: xxx

© Porträt: Alexander Sahi

„ÄrzteTag extra“-Podcast

Testosteronmangel: Worauf es in der Hausarztpraxis ankommt

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Besins Healthcare Germany GmbH, Berlin
Abb. 1: Signalkaskade der kardiovaskulären Inflammation

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [9]

Sekundärprophylaxe nach Herzinfarkt

Therapie der kardiovaskulären Inflammation senkt das Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: APONTIS PHARMA Deutschland GmbH & Co. KG
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Dissoziation

Umgang mit Trauma und PTBS: Was kann die Hausarztpraxis leisten?

Lesetipps
Eine Frau geht Walken im Park. Man sieht nur ihre Beine.

© Robert Kneschke / AdobeStock

Cochrane-Update

Körperliches Training hilft wohl doch kaum bei Hüftarthrose

Arzt mit einem Modell des männlichen Harntrakts in der Hand spricht mit einem Patienten.

© Peakstock / stock.adobe.com

Künstliche Intelligenz

Bei urologischen Problemen: Fragen Sie Chatbot „Urobert“

Die Wissenschaftler arbeiten mit der Annahme, dass die Zellen nach dem „Auftauen“ ihre normalen physiologischen Prozesse wieder aufnehmen.

© Tomorrow.bio

Start-up

Kryokonservierung: Der Traum vom ewigen Leben