Pioglitazon hilft manchen Patienten, Insulin einzusparen

HAMBURG (hbr). Typ-2-Diabetiker erreichen oft trotz hoher Insulindosen keine gute Stoffwechsel-Einstellung, weil die Insulinresistenz den Erfolg blockiert. Die Kombination mit dem oralen Antidiabetikum Pioglitazon kann dieses Problem lösen. Dabei sinkt der Insulinbedarf.

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Die Kombination wirkt synergistisch: Das Glitazon verbessert an Skelettmuskulatur und Leber die Insulinempfindlichkeit. Die Insulin-Injektionen gleichen das endogene Hormondefizit aus, wie Dr. Gerhard Klausmann aus Aschaffenburg beim Diabeteskongress in Hamburg berichtet hat.

Für welche Patienten sich die Glitazon-Insulin-Kombination besonders eignet, hat vor kurzem eine Diabetologen-Gruppe erarbeitet (Diabetes, Stoffwechsel und Herz 3, 2007, 219), sagte Klausmann bei einer Veranstaltung von Takeda. Demnach gehören vier Patiententypen dazu:

  • insulinresistente Patienten, deren HbA1c-Wert trotz optimaler Insulintherapie bei über 6,5 Prozent liegt. Sie haben Übergewicht oder abdominelle Adipositas, eine Dyslipidämie und Bluthochdruck.
  • kardiovaskuläre Risikopatienten mit Atherosklerose oder nach Ereignissen wie Herzinfarkt, Koronarintervention oder Schlaganfall. Denn Pioglitazon (Actos®) wirkt kardioprotektiv, wie die PROactive-Studie bekanntlich vor zwei Jahren belegt hat.
  • Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion. Bei ihnen schwankt der Blutzucker oft stark. Metformin darf bei ihnen nicht verwendet werden. Pioglitazon dagegen kann bis zur Dialysepflicht gegeben werden.
  • Diabetiker mit hohem Insulinbedarf, aber schlechter Diabetes-Einstellung. Weniger als 1 IE Insulin pro Kilogramm und Tag sei noch akzeptabel, so Klausmann: "Wenn Sie aber 1,5 Einheiten pro Kilogramm Körpergewicht überschreiten, dann hat dieser Patient eine massive Insulinresistenz." Und die nimmt weiter zu, wenn die Dosis erhöht wird.

Als Zusatz zur Insulintherapie empfiehlt Klausmann einen Start mit 30 mg des Glitazons täglich. Dabei muss beachtet werden, dass die Wirkung von Pioglitazon mit Insulin sehr schnell einsetzen kann. Die Insulindosis sollte deshalb zunächst um ein Drittel gesenkt werden. Insgesamt lassen sich mit der Kombination bis zu 50 Prozent des Insulins einsparen.

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