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Plädoyer für Glukosetoleranztest bei Schwangeren

WIESBADEN (grue). Etwa drei Prozent der schwangeren Frauen entwickeln einen Gestationsdiabetes, der ohne Therapie zu einem Risiko für Mutter und Kind wird. Professor Werner Scherbaum vom Diabetes-Zentrum in Düsseldorf rät deshalb, in der 24. bis 26. Schwangerschaftswoche grundsätzlich einen oralen Glukosetoleranztest vorzunehmen.

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Für die Diagnose eines Gestationsdiabetes ist entscheidend, wie hoch der Blutzuckerspiegel nüchtern sowie ein und zwei Stunden nach der Aufnahme von 75 g Glukose ist. Die maximalen Grenzwerte im kapillären Vollblut betragen 90 mg/dl (nüchtern), 180 mg/dl (eine Stunde postprandial) und 155 mg/dl (zwei Stunden postprandial). Ist ein Wert überschritten, hat die Patientin Schwangerschaftsdiabetes. Die Frauen sollten regelmäßig Blutzucker vor und nach den Mahlzeiten messen und alle zwei Wochen zum Spezialisten gehen, wie Scherbaum bei einer Veranstaltung in Wiesbaden berichtet hat.

Erste Maßnahme bei Gestationsdiabetes sind Ernährungsberatung und Sport. Der Kalorienbedarf von täglich etwa 30 kcal/kg Körpergewicht sollte zur Hälfte über Kohlenhydrate und zu je ein Viertel über Fette und Eiweiß gedeckt werden. Ein für Schwangere geeignetes Sportprogramm unterstützt die Blutzuckereinstellung und wirkt postprandial am besten, so Scherbaum. Ist der Blutzucker trotzdem noch zu hoch, braucht die Frau zusätzlich Insulin. Bewährt hat sich eine intensivierte Insulintherapie nach einem individuellen Schema. Insulinanaloga und orale Antidiabetika sind für Schwangere nicht geeignet.

"Mit einer guten Diabetestherapie wird das übermäßige intrauterine Wachstum gebremst und es gibt weniger metabolische Komplikationen beim Kind", so Scherbaum. Trotzdem sollte die Geburt in einem spezialisierten Zentrum stattfinden. Mutter und Kind brauchen bis zum Ende der Stillperiode eine gute geburtshilfliche und diabetologische Betreuung. Danach ist der Schwangerschaftsdiabetes meist verschwunden, allerdings entwickeln einige Frauen peripartal Auto-Antikörper und nachfolgend binnen ein bis zwei Jahren einen Typ-1-Diabetes. Adipöse Frauen erkranken nach Schwangerschaftsdiabetes aber eher an einem Typ-2-Diabetes.

Eine gute diabetologische Betreuung brauchen auch Frauen, die bereits vor der Schwangerschaft einen Diabetes haben. Typ-1-Diabetikerinnen werden meist geplant schwanger und stimmen ihre Therapie frühzeitig darauf ab. Typ-2-Diabetikerinnen gehen nach Erfahrung von Scherbaum oft sorgloser mit ihrer Krankheit um. "Dabei verdoppelt ein unzureichend eingestellter Typ-2-Diabetes das Risiko für schwere Fehlbildungen beim Kind". Solche Frauen brauchen deshalb oft Insulin.

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