Plädoyer für Therapie schon bei Prä-Diabetes

DRESDEN (hbr). Die antidiabetische Therapie muß schon vor dem Diabetes selbst beginnen, fordert Professor Markolf Hanefeld aus Dresden. Zur medikamentösen Therapie könnten dabei vor allem Glitazone eingesetzt werden. Denn sie bremsen die Insulinresistenz, die sonst die Entwicklung zum Diabetes vorantreibt.

Veröffentlicht:

Hanefeld hat gute Gründe für seine Forderung nach frühem Eingreifen. So sind zwar Diabetiker durch Gefäßprobleme extrem gefährdet. Aber die kardiovaskulären Folgeschäden beginnen schon lange vor der Diabetes-Manifestation: "Prä-Diabetes und Diabetes bedeuten das gleiche KHK-Risiko", betonte Hanefeld beim internationalen Symposium zum metabolischen Syndrom in Dresden.

Die Korrelation zwischen kardiovaskulärem Tod und Nüchternglukose reicht bis zu Blutzuckerwerten von 100 mg / dl, also in den Bereich des Prä-Diabetes. Dieser besteht bei abnormer Nüchternglukose (IFG; 100 bis 125 mg / dl) oder gestörter Glukosetoleranz (IGT; zwei Stunden-Wert im Glukose-Toleranztest 140 bis 199 mg / dl). Bei IFG und IGT sind die Werte für Blutdruck, Triglyzeride und HDL-Cholesterin oft schon abnorm. Zudem sind bei gestörter Glukosetoleranz meist schon die atherosklerotischen Plaques vermehrt, und die Intima-Media-Dicke ist erhöht.

Das Normalisieren von IGT und IFG sollte also langfristig kardiovaskulären Ereignissen vorbeugen. Rosiglitazon (Avandia®) könnte dabei helfen. Denn die DREAM-Studie (Diabetes Reduction Assessment with Ramipril and Rosiglitazone Medication) belegt, daß Rosiglitazon dem Übergang vom Prä-Diabetes zum Typ-2-Diabetes vorbeugt.

Bei drei Jahren Therapie war die Rate neuer Diabetes-Manifestationen um 62 Prozent geringer als mit Placebo. Metformin und Acarbose verhindern maximal ein Drittel der Erkrankungen. Zudem normalisierte sich bei jedem zweiten Probanden der Blutzucker; mit Placebo nur bei 30 Prozent.

Soll man also bei Prä-Diabetes gleich ein Medikament einsetzen? "Nein, die Lebensstil-Änderung hat weiter Priorität", betonte der Diabetologe bei einem Symposium von GSK. Das heißt: gesunde Ernährung, Gewichtsabnahme und Bewegung. Ohne ständige Motivation schafft das aber kaum einer ein Leben lang.

Von der Glitazon-Therapie könnten deshalb besonders Patienten mit frühem Typ-2-Diabetes oder mit Prä-Diabetes profitieren, die mit Lebensstil-Änderungen oder Mitteln wie Metformin ihr Ziel nicht erreichen, so Hanefeld. Für die Prävention ist Rosiglitazon aber noch nicht zugelassen.



STICHWORT

Prä-Diabetes

EIn Prä-Diabetes liegt vor, wenn bei einem Patienten die Glukosewerte im venösen Plasma nüchtern 100 bis 125 mg / dl betragen (abnorme Nüchternglukose; IFG) oder der Zwei-Stunden-Wert im oralen Glukose-Toleranztest zwischen 140 und 199 mg / l (gestörte Glukosetoleranz; IGT) liegt. Das kardiovaskuläre Risiko ist bereits bei einem Prä-Diabetes erhöht. (hbr)

Mehr zum Thema

Staatliche Unabhängigkeit in Gefahr?

Diabetesgesellschaft und AWMF besorgt über ÄZQ-Aus

Kommentare
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Das war der Tag: Der tägliche Nachrichtenüberblick mit den neuesten Infos aus Gesundheitspolitik, Medizin, Beruf und Praxis-/Klinikalltag.

Eil-Meldungen: Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Landessozialgericht München

Urteil: Abrechnungsausschlüsse gelten auch arztbezogen

Lesetipps
Gefangen in der Gedankenspirale: Personen mit Depressionen und übertriebenen Ängsten profitieren von Entropie-steigernden Wirkstoffen wie Psychedelika.

© Jacqueline Weber / stock.adobe.com

Jahrestagung Amerikanische Neurologen

Eine Frage der Entropie: Wie Psychedelika bei Depressionen wirken

Gesundheitsminister Lauterbach hat angekündigt, den Entwurf für die Klinikreform am 8. Mai im Kabinett beraten lassen zu wollen. 

© picture alliance / Geisler-Fotopress

Großes Reformpuzzle

So will Lauterbach den Krankenhaus-Sektor umbauen