Plädoyer für individuelle antihypertensive Therapie bei Senioren

Bei alten Menschen mit Hypertonie lässt sich schon mit einer mäßigen Blutdrucksenkung viel erreichen.

Von Wiebke Kathmann Veröffentlicht:
Blutdruckmessung bei einer Seniorin; bereits Gewichtsreduktion und Stressabbau helfen, den Blutdruck zu senken.

Blutdruckmessung bei einer Seniorin; bereits Gewichtsreduktion und Stressabbau helfen, den Blutdruck zu senken.

© Foto: Bilderbox fotolia.de

Bisher wird in Deutschland nur etwa ein Viertel der Hypertonie-Patienten ausreichend behandelt. Das ist nicht neu. Gerade bei älteren Patienten mit isolierter systolischer Hypertonie plädierte Professor Martin Hausberg aus Karlsruhe aber dafür, die Ziele nicht zu hoch zu hängen.

Bei diesen Patienten gehe es nicht unbedingt darum, Normwerte zu erzielen. Bereits eine konstante Senkung des systolischen Blutdrucks um 10  mmHg und des diastolischen um 5  mmHg über 4 bis 5 Jahre bringe eine gewaltige Senkung der Inzidenz von Schlaganfall, koronarer Herzkrankheit sowie Gesamt- und kardiovaskulärer Sterberate mit sich.

Umgekehrt könne durch strikte Einstellung des systolischen Blutdruckwertes bei Älteren mit orthostatischer Dysfunktion und hohem Pulsdruck mehr Schaden als Nutzen angerichtet werden, wenn diese häufig umkippen und die Patienten die Medikation ganz absetzen. Bei dieser Patientengruppe haben sich nach Angaben von Hausberg Kombinationen wie die in der HYVET*-Studie getestete (Perindopril plus Indapamid) bewährt, die den ohnehin niedrigen diastolischen Wert nicht weiter senken. Er plädierte für eine individuelle Einstellung unter Ausnutzung der Synergien einer Kombi-Therapie und Reduktion der Nebenwirkungen.

Generell ermutigte der Kardiologe aber zu einer differenzierteren Risikoabklärung. Denn es werde weiterhin untertherapiert, weil ohne Suche nach Endorganschäden über die Hälfte der Patienten als Niedrigrisikopatienten fehleingestuft würden.

Von den Allgemeinmaßnahmen räumte Hausberg dem Rauchstopp die größte Bedeutung ein. "Nicht-Rauchen bringt extrem viel, nicht für den Blutdruck an sich - der steigt sogar vielleicht durch die mit dem Rauchstopp einhergehende Gewichtszunahme -, aber für das kardiovaskuläre Risiko. Dies wird so stark reduziert wie durch keine andere, selbst medikamentöse Intervention." Eine Gewichtsreduktion bringe eine 5- bis 20-mmHg-Senkung, entspreche damit einer Kombi-Therapie aus zwei Tabletten. Stressabbau ist mit einem blutdrucksenkenden Effekt von 5 bis 15 mmHg ebenfalls recht wirksam. Dagegen liege die Wirkung einer Kochsalzrestriktion auf unter 6 g pro Tag, einer Umstellung auf eine ballaststoffreiche, fettreduzierte Kost, einer Einschränkung des Alkoholkonsums auf unter 30  mg pro Tag und der sportlichen Aktivität von 30 Minuten pro Tag im Bereich einer Monotherapie und lasse den Blutdruck um 4 bis 9 mmHg sinken. Auch wenn die Maßnahmen meist nicht lange durchgehalten werden, sind sie einen Versuch wert.

* HYVET: HYpertension in the Very Elderly Trial

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