Krebsmittel

Plasmaspiegel variieren je nach Einnahme

Bei vielen klassischen Arzneimitteln ist der Einnahmezeitpunkt - zu einer Mahlzeit oder nüchtern - relevant. Bei vielen neuen oralen Krebsmedikamenten ist dieser Effekt sogar noch stärker. Die Aufklärung darüber ist wichtig.

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Wer Krebsmedikamente nüchtern mit Wasser einnimmt, erreicht oft nur geringe Plasmaspiegel.

Wer Krebsmedikamente nüchtern mit Wasser einnimmt, erreicht oft nur geringe Plasmaspiegel.

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DÜSSELDORF. "Die schlechte Wasserlöslichkeit ist ein Kernproblem moderner Arzneistoffe", sagte Professor Werner Weitschies, Pharmazeut an der Universitätsklinik Greifswald, kürzlich bei einem Kongress in Düsseldorf. Sie habe ihren Grund: Je hydrophober solche Wirkstoffe sind, umso besser wirken sie am Rezeptor.

Als Beispiel nannte er Vemurafenib, einen Hemmer der BRAF-Kinase zur Therapie bei Malignem Melanom. In einem Liter Wasser (pH 1-7) ließen sich davon nur 0,00026 mg lösen. Bei einer Einzeldosis von 960 mg bräuchte man für die Lösung in Wasser also 3,7 Millionen Liter.

Das Problem werde in den nächsten Jahren größer werden, so Weitschies: Entwicklungskandidaten bei Arzneimitteln sind zu 90 Prozent extrem schlecht löslich.

Das größere Problem ist aber die starke Veränderung der Bioverfügbarkeit bei Einnahme mit Nahrung. Bei Vemurafenib steigt der Plasmaspiegel beispielsweise um den Faktor 3,7, wenn das Medikament nicht nüchtern, sondern direkt nach einer Mahlzeit eingenommen wird (J Clin Pharmacol 2014; 54: 368).

"Das heißt, 4 Tabletten mit einer Mahlzeit eingenommen entsprechen 15 Tabletten nüchtern mit viel Wasser eingenommen", verdeutlichte Weitschies das Problem.

"Food-Effekte" beachten

Üblicherweise würden Arzneistoffe mit einem positiven "Food-Effekt" mit der Nahrung verabreicht, zum Beispiel Itraconazol, Prednisolon, Metronidazol oder Aciclovir, während Wirkstoffe mit einem negativen "Food-Effekt", deren Plasmaspiegel bei paralleler Nahrungsaufnahme sinkt, nüchtern genommen werden.

Die Logik dahinter sei, dass bei einer Falscheinnahme zwar die Bioverfügbarkeit verringert sei, aber keine überschießenden Plasmaspitzen mit der Gefahr akuter Nebenwirkungen aufträten.

"Das gilt bei Tyrosinkinaseinhibitoren und anderen modernen Chemotherapeutika plötzlich nicht mehr", sagte Weitschies. Trotz positiver Food-Effekte werde bei einer Reihe von Substanzen die Nüchterneinnahme empfohlen mit der Begründung, so die absolute Variabilität gering zu halten.

Die Bioverfügbarkeit von Abirateron zur Behandlung von Patienten mit kastrationsresistentem Prostatakarzinom werde aber um den Faktor 10 erhöht, wenn es mit der Nahrung eingenommen werde.

"Klären Sie Ihre Patienten unbedingt über die Bedeutung einer konstanten Einnahmebedingung auf", riet Weitschies. Das sei auch bei modernen Substanzen, bei denen die Einnahmeempfehlung in der Fachinformation "unabhängig von Mahlzeiten" heißt, sinnvoll.

Bei Einnahme nach einer Mahlzeit sollte diese immer kalorisch ähnlich sein, da eigne sich das Frühstück besonders gut.

Beim Auftreten von unerwünschten Effekten müsse man unbedingt immer die Einnahmebedingungen erfragen, ergänzte Weitschies und erinnerte auch an mögliche Wechselwirkungen mit Protonenpumpeninhibitoren (PPI). Statt PPI sei dann die zeitversetzte Einnahme von H2-Blockern besser. (fk)

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