"Plusminus" zur Schweinegrippe: Wenn Enthüllungszwang zu Langeweile führt

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Von Michael Hubert

Der Feind ist überall: in deutschen und europäischen Gesundheitsbehörden, "überall sitzen die Hersteller, auch bei der WHO". Mit diesem Zitat von Dr. Hermann Schulte-Sasse, Gesundheitsstaatsrat in Bremen, begann der Beitrag "So geht Lobby - das Geschäft mit der Schweinegrippe" bei Plusminus am Dienstagabend in der ARD. Kein viel versprechender Einstieg für Zuschauer, die etwas Neues erwarteten. Eher: "Pharmamafia, die Hundertste". Schulte-Sasse sprach dann auch - erwartungsgemäß - von Pandemiemaschinerie, hysterischen Reaktionen, von milden Schweinegrippeverläufen.

Nehmen solche "Enthüllungsbeiträge" oft an Fahrt auf, bewegte sich die Sendung weiter im Zone-30-Tempo. BÄK-Vize Dr. Cornelia Goesmann stellte die Frage, ob die eine Milliarde Euro für die Impfungen an dieser Stelle richtig ausgeben seien. Und auch eine Vertreterin von Transparency International durfte die Unabhängigkeit von Behörden infrage stellen. Dann gab es noch leere Notaufnahmen für Schweinegrippekranke zu sehen: "Die Notaufnahmen sind immer noch leer, doch die Pharmaindustrie hat den Gewinn schon gemacht" - damit war der Beitrag auch schon zuende.

Nun können einem die Redakteure solcher Sendungen leidtun, müssen sie doch regelmäßig "Enthüllungen" bringen. Und die laufen so: Es besteht die Angst, die Vogelgrippe könnte zur Pandemie werden. Die Länder bevorraten Neuraminidasehemmer. Bremen nur für jeden zehnten Bürger. Das gibt Schelte durch die Politmagazine: zu wenig Vorsorge! Zwei Jahre später: Nichts ist mit Vogelgrippe-Pandemie. Bremen wird nun gelobt: behutsamer Umgang mit Geld! Gescholten wird NRW. Dort wurden für jeden Dritten die Arzneien angeschafft: Geldverschwendung!

Übrigens: Die Alternative zu unserem vermeintlich interessengesteuerten Gesundheitswesen gab es direkt vor Plusminus bei "In aller Freundschaft" zu sehen: Da fährt der Arzt der Sachsenklinik die Lehrerin nach erfolgreicher Katheterablation eigenhändig mit dem Rollstuhl zu ihren Schülern in die Schule. Ja - so soll unser Gesundheitswesen sein.

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