DGP-Kongress 2021

Pneumologen fordern: Staatliches Geld für neue Antibiotika!

Dr. Thomas MeißnerVon Dr. Thomas Meißner Veröffentlicht:
Intensive Forschung für neue Antibiotika. Im Durchschnitt muss innerhalb von 15 bis 20 Jahren mit einem maßgeblichen Wirkungsverlust einer antibiotischen Substanz gerechnet werden. Neuentwicklungen sind somit unverzichtbar.

Intensive Forschung für neue Antibiotika. Im Durchschnitt muss innerhalb von 15 bis 20 Jahren mit einem maßgeblichen Wirkungsverlust einer antibiotischen Substanz gerechnet werden. Neuentwicklungen sind somit unverzichtbar.

© Photoshot / dpa / picture alliance

Berlin. Die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) fordert verstärkte Anstrengungen bei der Entwicklung neuer Antibiotika. Dabei müsse die öffentliche Hand die klinische Forschung der pharmazeutischen Industrie auch finanziell unterstützen. „Infektionskrankheiten sind eine Bedrohung für die öffentliche Gesundheit. Da ist der Staat in der Pflicht, seine Bürger zu schützen!“, erklärte Professor Mathias Pletz vom Universitätsklinikum Jena am Donnerstag beim digitalen DGP-Kongress.

Resistenzentwicklungen seien nicht vermeidbar, unabhängig vom restriktiven und rational begründeten Einsatz von Antibiotika in der Medizin, erklärte Pletz. Entsprechende Resistenzgene existierten bereits seit Millionen von Jahren, durch den massenhaften Einsatz bestimmter Antibiotika werden diese selektioniert und breiten sich schnell aus, teils über Speziesgrenzen hinweg. Im Durchschnitt muss innerhalb von 15 bis 20 Jahren mit einem maßgeblichen Wirkungsverlust einer antibiotischen Substanz gerechnet werden. Um die Wirksamkeit möglichst lange zu erhalten, ist einerseits der sorgfältige und restriktive Umgang mit den verfügbaren Substanzen notwendig, andererseits die fortlaufende und ständige Neuentwicklung von Antibiotika.

Neue Moleküle, aber wirtschaftliches Risiko

Tatsache ist jedoch, dass sich die pharmazeutische Industrie seit Jahren aus der Entwicklung zurückzieht. In vielen Labors weltweit gebe es neue Moleküle, sagte Pletz. Aber die Industrie sei kaum noch bereit, das wirtschaftliche Risiko einzugehen. Entwicklungskosten von etwa 1,5 Milliarden Euro stünden jährliche Umsätze von im Mittel 46 Millionen Euro gegenüber. Innerhalb der begrenzten Zeit des Patentschutzes könnten forschende Arzneimittelhersteller daher oft kaum noch die Entwicklungskosten hereinholen.

Das liege auch am medizinisch begründeten restriktiven Umgang mit neuen Reserveantibiotika sowie an ökonomischen Hürden auf Versorgerseite, wenn Tagestherapiekosten von zum Beispiel 100 Euro Kosten von ein bis zwei Euro für generische Antibiotika gegenüberstünden, rechnete Pletz vor. Daher dürfe die Entwicklung neuer Antibiotika nicht dem freien Markt überlassen werden.

DGP: Verlängerter Patentschutz könnte helfen

Besonders die Phase-III-Studien seien teuer. Die DGP spricht sich daher für teils öffentlich mitfinanzierte Studien aus. Ein weiterer Ansatz sei die Verlängerung des Patentschutzes für neue Substanzen, wie dies in den USA bereits gehandhabt wird. Positiv bewertet Pletz das Aussetzen der Zusatznutzenbewertung neuer Antibiotika, wenn bestimmte Kriterien erfüllt werden. Das allein reiche aber nicht aus. Vorstellbar sei zusätzlich die Unterstützung der Versorger mit einem Zusatzentgelt, wie das für Antimykotika seit Jahren gängige Praxis ist. Damit könnten Krankenhäuser neue Substanzen auch einsetzen, wenn sie teuer sind. Pletz: „Wir brauchen neue Antibiotika dringender als neue Antimykotika!“

Mehr zum Thema

Review und Leitlinie

Ambulante antivirale COVID-19-Therapie: Was US-Wissenschaftler empfehlen

Das könnte Sie auch interessieren
DMykG 2025: So dringt Bifonazol effektiv in die Nagelplatte ein

© Matt LaVigne | iStock

Neue in-vitro-Daten

DMykG 2025: So dringt Bifonazol effektiv in die Nagelplatte ein

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Bifonazol: Antimykotikum mit antientzündlicher Wirkung

© Irina Esau | Getty Images/iStockphoto

Fokus: Integrität der Haut

Bifonazol: Antimykotikum mit antientzündlicher Wirkung

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Die Bedeutung von Bifonazol in der Therapie der Tinea capitis

© Prof. Dr. med. Hans-Jürgen Tietz

Pilzinfektion Kopfhaut

Die Bedeutung von Bifonazol in der Therapie der Tinea capitis

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Für Menschen ab 60 Jahren sind die Impfungen gegen Influenza, Corona, Pneumokokken und Herpes zoster (beide nicht im Bild) Standard-Impfungen. Für Menschen ab 75 Jahren kommt die RSV-Impfung hinzu.

© angellodeco / stock.adobe.com

Respiratorisches Synzytial Virus

STIKO: Alle Menschen ab 75 gegen RSV impfen!

Blickdiagnose: klinisches Bild mit typischen Effloreszenzen bei Herpes zoster.

© Mumemories / Getty Images / iStock

Zoster-Impfung

Schutz vor Herpes zoster und Rezidiven

Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: Potenzielle Schäden durch eine Influenza-Infektion an verschiedenen Organsystemen

© Springer Medizin Verlag

Impfen und Herzgesundheit

Mehr als nur Grippeschutz: Warum die Influenza-Impfung bei Menschen mit kardiovaskulären Erkrankungen so wichtig ist

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Sanofi-Aventis Deutschland GmbH, Frankfurt a. M.
Abb. 1: Pharmakokinetik von Rezafungin bei einer Dosierung von 400mg, gefolgt von 200mg einmal wöchentlich

© Springer Medizin Verlag GmbH, modifiziert nach [10]

Invasive Candida-Infektionen

Modernes Echinocandin – optimierte Eigenschaften und klinische Vorteile

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Mundipharma Deutschland GmbH & Co. KG, Frankfurt/Main

Ist das AMNOG bereit für HIV-Innovationen?

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Gilead Sciences GmbH, Martinsried
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen
Lesetipps
Ein Arzt in einem weißen Arztkittel spricht mit einem männlichen Patienten über die Ergebnisse der medizinischen Untersuchung und gibt anhand dieser eine Behandlungsempfehlung ab.

© Pcess609 / stock.adobe.com

Kommunikationsfehler vermeiden

Tipps: So sollten Sie mit Patienten über Risiken und Zahlen sprechen

Weltkugel mit Viren

© ImageFlow / stock.adobe.com

Review und Leitlinie

Ambulante antivirale COVID-19-Therapie: Was US-Wissenschaftler empfehlen

Die Ärzte Zeitung ist jetzt auch auf Instagram aktiv.

© prima91 / stock.adobe.com

Social Media

Folgen Sie der Ärzte Zeitung auf Instagram