Therapeutischer Marker

Proteingehalt von Gliom zeigt Therapieansprechen an

Der Proteingehalt von Gliomen korreliert mit dem Therapieansprechen und Überleben, haben Heidelberger Forscher entdeckt.

Veröffentlicht: 07.03.2019, 10:53 Uhr

HEIDELBERG. Bei etwa der Hälfte der Gliom-Patienten wird eine extrem bösartige Form des Tumors diagnostiziert, erinnert das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ). Bösartige Gliome sprechen unterschiedlich auf die Behandlung an.

„Bei einigen wirkt die postoperative Strahlen- und Chemotherapie besser, bei anderen schlechter. Und ob der Tumor tatsächlich auf die Behandlung angesprochen hat, zeigt sich frühestens bei der ersten Nachsorgeuntersuchung sechs Wochen nach Ende der Therapie“, wird Dr. Daniel Paech vom DKFZ in der Mitteilung zitiert.

Um gleich die beste Therapiestrategie auszuwählen, wäre es von Vorteil, bereits bei Diagnosestellung einschätzen zu können, wie aggressiv er ist und wie der Tumor auf die Therapie ansprechen wird.

Paech hat nun gemeinsam mit Kollegen vom DKFZ und vom Uniklinikum Heidelberg festgestellt, dass dieser für die individuelle Therapieplanung von Gliompatienten so wichtige Blick in die Zukunft tatsächlich möglich scheint (Eur Radio 2019; online 26. Februar).

Proteine im Gehirn sichtbar machen

Mit einem extrem leistungsstarken 7-Tesla-MRT-Gerät können sie Proteine im Gehirn von Patienten sichtbar machen, so das DKFZ. Genutzt wird dabei ein chemischer Austauscheffekt zwischen den Proteinen und dem freien Wasser im Gewebe, der CEST- Effekt. Kontrastmittel sind für diese Untersuchung nicht notwendig.

Paech erklärt: „Krebszellen vermehren sich unkontrolliert und produzieren dabei ebenso unkontrolliert Proteine. Unsere Studie zeigt, dass das im MRT-Bild gemessene Proteinsignal einen Biomarker darstellt, der sowohl mit dem Überleben als auch dem Therapieansprechen der Patienten korreliert: je stärker das Proteinsignal, desto schlechter die Prognose.“

Zeigt das MRT-Bild bei der Diagnose einen tendenziell schnell wachsenden Tumor, könnte – abhängig von anderen Faktoren wie etwa dem Alter des Patienten – von Beginn an eine intensivere Therapie gewählt werden, um die Chancen des Patienten zu verbessern, heißt es in der Mitteilung.

Nur an wenigen Forschungsstandorten verfügbar

Das für die aktuelle Untersuchung verwendete 7-Tesla-MRT-Gerät sei bislang nur an wenigen Forschungsstandorten verfügbar. Weltweit seien weniger als 100 der 25 Tonnen schweren und mehr als 10 Millionen Euro teuren Geräte in Betrieb. Sie erzeugen ein Magnetfeld der Stärke 7 Tesla. Herkömmliche MRT-Geräte in Krankenhäusern haben eine Stärke von 1,5 oder 3 Tesla.

In einer prospektiven Studie wollen die Forscher um Paech nun an einer größeren Patientengruppe prüfen, ob die Proteinmessung auch mit einem weniger leistungsstarken MRT-Gerät möglich ist.

„Wenn sich die erhöhte Proteinexpression im Tumor gleichermaßen mit einem 3-Tesla-MRT-Gerät messen lässt, könnten unsere Ergebnisse breit genutzt werden, um die Diagnostik von Gliompatienten zu verbessern, denn 3-Tesla-Geräte sind an vielen größeren Krankenhäusern verfügbar“, so Paech. (eb)

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