Direkt zum Inhaltsbereich

Therapeutischer Marker

Proteingehalt von Gliom zeigt Therapieansprechen an

Der Proteingehalt von Gliomen korreliert mit dem Therapieansprechen und Überleben, haben Heidelberger Forscher entdeckt.

Veröffentlicht:

HEIDELBERG. Bei etwa der Hälfte der Gliom-Patienten wird eine extrem bösartige Form des Tumors diagnostiziert, erinnert das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ). Bösartige Gliome sprechen unterschiedlich auf die Behandlung an.

„Bei einigen wirkt die postoperative Strahlen- und Chemotherapie besser, bei anderen schlechter. Und ob der Tumor tatsächlich auf die Behandlung angesprochen hat, zeigt sich frühestens bei der ersten Nachsorgeuntersuchung sechs Wochen nach Ende der Therapie“, wird Dr. Daniel Paech vom DKFZ in der Mitteilung zitiert.

Um gleich die beste Therapiestrategie auszuwählen, wäre es von Vorteil, bereits bei Diagnosestellung einschätzen zu können, wie aggressiv er ist und wie der Tumor auf die Therapie ansprechen wird.

Paech hat nun gemeinsam mit Kollegen vom DKFZ und vom Uniklinikum Heidelberg festgestellt, dass dieser für die individuelle Therapieplanung von Gliompatienten so wichtige Blick in die Zukunft tatsächlich möglich scheint (Eur Radio 2019; online 26. Februar).

Proteine im Gehirn sichtbar machen

Mit einem extrem leistungsstarken 7-Tesla-MRT-Gerät können sie Proteine im Gehirn von Patienten sichtbar machen, so das DKFZ. Genutzt wird dabei ein chemischer Austauscheffekt zwischen den Proteinen und dem freien Wasser im Gewebe, der CEST- Effekt. Kontrastmittel sind für diese Untersuchung nicht notwendig.

Paech erklärt: „Krebszellen vermehren sich unkontrolliert und produzieren dabei ebenso unkontrolliert Proteine. Unsere Studie zeigt, dass das im MRT-Bild gemessene Proteinsignal einen Biomarker darstellt, der sowohl mit dem Überleben als auch dem Therapieansprechen der Patienten korreliert: je stärker das Proteinsignal, desto schlechter die Prognose.“

Zeigt das MRT-Bild bei der Diagnose einen tendenziell schnell wachsenden Tumor, könnte – abhängig von anderen Faktoren wie etwa dem Alter des Patienten – von Beginn an eine intensivere Therapie gewählt werden, um die Chancen des Patienten zu verbessern, heißt es in der Mitteilung.

Nur an wenigen Forschungsstandorten verfügbar

Das für die aktuelle Untersuchung verwendete 7-Tesla-MRT-Gerät sei bislang nur an wenigen Forschungsstandorten verfügbar. Weltweit seien weniger als 100 der 25 Tonnen schweren und mehr als 10 Millionen Euro teuren Geräte in Betrieb. Sie erzeugen ein Magnetfeld der Stärke 7 Tesla. Herkömmliche MRT-Geräte in Krankenhäusern haben eine Stärke von 1,5 oder 3 Tesla.

In einer prospektiven Studie wollen die Forscher um Paech nun an einer größeren Patientengruppe prüfen, ob die Proteinmessung auch mit einem weniger leistungsstarken MRT-Gerät möglich ist.

„Wenn sich die erhöhte Proteinexpression im Tumor gleichermaßen mit einem 3-Tesla-MRT-Gerät messen lässt, könnten unsere Ergebnisse breit genutzt werden, um die Diagnostik von Gliompatienten zu verbessern, denn 3-Tesla-Geräte sind an vielen größeren Krankenhäusern verfügbar“, so Paech. (eb)

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Galenus-Kandidat 2026

Zielgerichtete Therapie bei IDH-mutierten Grad-2-Gliomen

Das könnte Sie auch interessieren
Update Multiple Sklerose: Aktuelle Erkenntnisse und Entwicklungen

© libre de droit | iStock

Update MS

Update Multiple Sklerose: Aktuelle Erkenntnisse und Entwicklungen

Anzeige | Merck Healthcare Germany GmbH
Einfluss der MS-Therapie auf Immunzellen im Liquor

© Yozayo | iStock

Intrathekale Entzündung

Einfluss der MS-Therapie auf Immunzellen im Liquor

Anzeige | Merck Healthcare Germany GmbH
Ein erreichbares Ziel bei MS?

© Merck KGaA

Therapiefreie Remission

Ein erreichbares Ziel bei MS?

Anzeige | Merck Healthcare Germany GmbH
Kommentare
Sonderberichte zum Thema

BCMA-gerichtete CAR-T-Zelltherapie rückt nach vorn

Cilta-cel setzt Standards im ersten Rezidiv

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Janssen-Cilag GmbH, Neuss, a Johnson & Johnson company
Langfristig überlegen: Kombinationen mit Daratumumab in der Erstlinie

© LASZLO / stock.adobe.com

Neu diagnostiziertes Multiples Myelom

Langfristig überlegen: Kombinationen mit Daratumumab in der Erstlinie

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Janssen-Cilag GmbH, a Johnson & Johnson company, Neuss
Abb. 1: Studien CLIMB THAL-111 und -131: Veränderung des Gesamt-Hb-Werts und des HbF-Werts nach Exa-cel-Infusion bei TDT-Patientinnen und -Patienten (Quelle: Locatelli F et al., European Society for Blood and Marrow Transplantation (EBMT) 2026, Madrid, Spanien, Abstract GS2-5)

© Springer Medizin Verlag

Neue Perspektiven bei Hämoglobinopathien

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Vertex Pharmaceuticals (Germany) GmbH, München
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Konzepte gegen Ärzte- und Nachfolgermangel

Mit dem Blockpraktikum Lust auf den Landarztberuf machen

Lesetipps
Die Sonne verschwindet hinter einer Mohnblüte in den dunklen Wolken

© Thomas Warnack/dpa

Aktuelle Daten

RKI: Fast 10.000 hitzebedingte Tote in diesem Jahr