Depressionen

Psychiater: Verzicht auf Antidepressiva ist gefährlich

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NEU-ISENBURG (mut). Psychiater in Deutschland warnen davor, Antidepressiva aufgrund von negativen Presseberichten abzusetzen. Wenn Depressive auf die Arzneien verzichten, steige ihr Suizidrisiko.

Hintergrund ist eine neue Meta- Analyse, die einen Nutzen von Antidepressiva nur bei schwerer Depression nahe legt. Viele Medien hatten daraufhin berichtet, dass Antidepressiva nicht wirksamer seien als Placebo. In Studien mit solchen Arzneien liegen die Ansprechraten jedoch im Schnitt 20 Prozentpunkte über denen von Placebo, so Professor Hans-Jürgen Möller aus München zur "Ärzte Zeitung".

Die Medikamente hätten damit ähnlich große Effekte wie Arzneien für internistische Krankheiten. Der hohe Placebo-Effekt lasse sich zum Teil mit einer intensiven psychotherapeutischen Betreuung der Patienten in Studien erklären. Im Praxisalltag fehle diese jedoch. "Wenn ich an unsere Fünf-Minuten-Medizin denke, dann gibt es dort wenig unterstützende und empathische Betreuung", so Möller.

Kritik äußerte auch Professor Ulrich Hegerl, Sprecher des Kompetenznetzes Depression. Nach den negativen Presseberichten würden manche Patienten ihre Antidepressiva absetzen, wieder krank werden und Suizid begehen, sagte Hegerl der "Süddeutschen Zeitung".

Lesen Sie dazu auch das Interview: Die "zum Skandal hochgeschriebene" Studie hat für die Praxis keine Konsequenzen

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