Depressive Diabetiker

Psychotherapie soll den Blutzucker senken

Bei Diabetikern sind psychische Belastungen oft Barrieren für eine gute Therapie. Jetzt soll ein neues Versorgungsprojekt die Barrieren abbauen - und den Blutdruck senken.

Von Ingeborg Bördlein Veröffentlicht:
Diabetiker mit Depressionen vernachlässigen meist die Therapie gegen die Stoffwechselkrankheit. Eine Kurzzeitpsychotherapie soll jetzt helfen.

Diabetiker mit Depressionen vernachlässigen meist die Therapie gegen die Stoffwechselkrankheit. Eine Kurzzeitpsychotherapie soll jetzt helfen.

© JPC-PROD/Fotolia.com

HEIDELBERG. Chronisch Kranke mit ausgeprägter psychosozialer Belastung werden in der Regelversorgung nicht ausreichend berücksichtigt, sagt Professor Johannes Kruse aus Gießen.

Um die Behandlungsbarrieren und die diabetesbezogenen emotionalen Belastungen zu reduzieren, wird jetzt das niedrigschwellige Versorgungsmodell psy-PAD geprüft.

Bei der Kurzzeitpsychotherapie arbeiten diabetologische Schwerpunktpraxen mit konsiliarisch tätigen psychosomatischen Ärzten oder Psychotherapeuten zusammen, wie Kruse beim Deutschen Kongress für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie in Heidelberg berichtet hat.

Zur Evaluation des Modells werden jetzt 200 Patienten mit Typ-2- Diabetes und problematischer Stoffwechseleinstellung (HbA1c-Wert über 7,5 Prozent) sowie hoher krankheitsbezogener emotionaler Belastung in eine kontrollierte Studie aufgenommen.

Patienten der Interventionsgruppe werden mit dem speziellen psychosomatischen Therapiekonzept behandelt. Mit jedem Patienten werden dabei individuelle Therapieziele vereinbart und die Patienten bei der Umsetzung der Therapie unterstützt.

Die psychosomatische Behandlung zielt vor allem auf Affektentlastung, Stabilisierung des Selbstwertgefühls, Achtsamkeit und Förderung des Genusserlebens. Patienten der Kontrollgruppe erhalten die übliche optimierte Standardversorgung.

120 Patienten bereits rekrutiert

Untersucht wird, ob sich mit der zusätzlichen Kurzzeitpsychotherapie die Lebensqualität und die Stoffwechseleinstellung (HbA1c und Blutdruck) der Patienten verbessern lässt.

Auch wird geprüft, ob die zusätzlichen Kompetenzen der Praxen die Arbeitszufriedenheit der Ärzte erhöht. Und schließlich wird untersucht, ob die Zusatz-Behandlung kosteneffektiv ist.

Nach Angaben des Projektleiters sind inzwischen 120 Patienten in zehn diabetologischen Schwerpunktpraxen im Raum Gießen, Marburg und Wetzlar für die Studie rekrutiert worden.

Die niedergelassenen Diabetologen hätten ein sehr großes Interesse an der Zusammenarbeit signalisiert, so Kruse. Sie begrüßten es sehr, das psychosomatische Zusatzangebot für ihre Patienten in den Praxisalltag integrieren zu können.

Dass eine psychische Komorbidität nicht nur die Lebensqualität und den Behandlungserfolg schmälern kann, sondern auch das Sterberisiko erhöht, hat die Forschergruppe um Kruse in einer Metaanalyse von sechs großen Langzeitstudien bei Diabetes-Patienten herausgefunden.

Die Patienten hatten außer Diabetes eine Depression oder eine posttraumatische Belastungsstörung. Nach Angaben von Kruse war die Sterberate in dieser Gruppe im Vergleich zu Patienten ohne psychische Komorbidität um mehr als das Doppelte erhöht.

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Seltene, aber schwere Nebenwirkung

NSAR und Metformin: eine gefährliche Kombination

Das könnte Sie auch interessieren
Vitamin-B12-Mangel frühzeitig behandeln!

© Aleksandr | colourbox.de

Fatal verkannt

Vitamin-B12-Mangel frühzeitig behandeln!

Anzeige | WÖRWAG Pharma GmbH & Co. KG
Aktuelle Empfehlungen für die Praxis

© polkadot - stock.adobe.com

Vitamin-B12-Mangel

Aktuelle Empfehlungen für die Praxis

Anzeige | WÖRWAG Pharma GmbH & Co. KG
B12-Mangel durch PPI & Metformin

© Pixel-Shot - stock.adobe.com

Achtung Vitamin-Falle

B12-Mangel durch PPI & Metformin

Anzeige | WÖRWAG Pharma GmbH & Co. KG
Was die MS-Behandlung auszeichnet

© Suphansa Subruayying | iStock

Lebensqualität

Was die MS-Behandlung auszeichnet

Anzeige | Merck Healthcare Germany GmbH
Unsichtbare MS-Symptome im Fokus

© AscentXmedia | iStock

Lebensqualität

Unsichtbare MS-Symptome im Fokus

Anzeige | Merck Healthcare Germany GmbH
Kommentare
* Hinweis zu unseren Content-Partnern
Dieser Content Hub enthält Informationen des Unternehmens über eigene Produkte und Leistungen. Die Inhalte werden verantwortlich von den Unternehmen eingestellt und geben deren Meinung über die Eigenschaften der erläuterten Produkte und Services wieder. Für den Inhalt übernehmen die jeweiligen Unternehmen die vollständige Verantwortung.
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: Daten zur lipidologischen Versorgung von Patientinnen und Patienten mit hohem kardiovaskulärem Risiko aus der VESALIUS-REAL-Studie

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [7]

Kardiovaskuläre Prävention

Frühe Risikoidentifikation und konsequentes Lipidmanagement

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Amgen GmbH, München
Abb. 1: Risikoreduktion durch Bempedoinsäure gegenüber Placebo in der CLEAR-Outcomes-Studie für den primären 4-Komponenten-Endpunkt (A) und den sekundären 3-Komponenten-Endpunkt (B) stratifiziert nach Diabetes-Status

© Springer Medizin Verlag

Diabetes mellitus

Bempedoinsäure: Benefit für Hochrisiko-Kollektive

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Daiichi Sankyo Deutschland GmbH, München
Porträts: [M] Feldkamp; Luster | Hirn: grandeduc / stock.adobe.com

© Portraits: [M] Feldkamp; Luster | Hirn: grandeduc / stock.adobe.com

„ÄrzteTag extra“-Podcast

Die Schilddrüse tickt in jedem Lebensalter anders

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Sanofi-Aventis Deutschland GmbH, Frankfurt am Main
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen
Lesetipps
Ein todkranker Patient liegt in einem Bett auf der Palliativstation im Krankenhaus.

© ARMMY PICCA / stock.adobe.com

Palliativregisteranalyse

Menschen mit Krebs: Viel Schmerz am Lebensende