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Lymphom-Therapie

Renaissance für Antipsychotika

Mepazin und Thioridazin hemmen das Enzym MALT1. Das bringt Lymphom-Zellen zum Absterben - und könnte so für einen neuen Durchbruch in der Krebstherapie sorgen.

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MÜNCHEN. Forscher des Helmholtz Zentrums München melden zusammen mit Kooperationspartnern einen Durchbruch in der Krebsforschung. Das Team um Dr. Daniel Krappmann beobachtete bei Medikamenten, die bereits seit den 1950er Jahren gegen psychotische Störungen eingesetzt werden.

In bösartigen Lymphomen hemmen die Antipsychotika Mepazin und Thioridazin das Enzym MALT1 und führen so zum Absterben der Krebszellen (Cancer Cell 2012; 22, 6: 825-837).

Die Ergebnisse eröffneten Möglichkeiten für klinische Tests zum Einsatz von Mepazin und Thioridazin in einer zielgerichteten Behandlung von Lymphom-Patienten, schreibt das Helmholtz Zentrum München in einer Mitteilung zur Studie.

Effekt bei diffus großzelligem B-Zell-Lymphom

Die seit den 1950er-Jahren bekannten Antipsychotika entfalteten eine spezifische Antitumorwirkung in einer hochmalignen Untergruppe von diffus großzelligen B-Zell-Lymphomen.

Das diffus großzellige B-Zell-Lymphom (DLBCL, diffuse large B-cell lymphoma) ist die am häufigsten vorkommende Gruppe der Nicht-Hodgkin-Lymphome (NHL). Etwa 3 bis 5 von 100.000 Personen erkranken pro Jahr an dieser Krebsform.

Die MALT1 Protease trägt zur Pathologie der ABC-Lymphome bei. Sie stellen etwa ein Drittel aller DLBCL und sind mit einer 5-Jahres-Überlebensrate von deutlich unter 50 Prozent die aggressivste Unterform des DLBCL. ABC steht für "activated B cell-type".

Nebenwirkungen sind gut untersucht

"Es ist ein enormer Vorteil, dass beide Substanzen lange im klinischen Einsatz waren", wird Krappmann, Leiter der Abteilung Zelluläre Signalintegration am Institut für Molekulare Toxikologie und Pharmakologie, in der Mitteilung des Helmholtz Zentrums zitiert.

"So sind viele Nebenwirkungen gut untersucht und das ermöglicht es uns, schneller klinische Studien einzuleiten. Es ist noch ein langer Weg, sollte sich aber der positive Effekt auch in Patienten bestätigen, könnte unsere Arbeit tatsächlich richtungsweisend für ein neues, personalisiertes Behandlungskonzept bösartiger Lymphome sein."

Suche nach spezifischen MALT1-Hemmstoffe

Da unterschiedliche Mechanismen für die antipsychotischen Effekte und die Antitumorwirkung von Mepazin und Thioridazin verantwortlich sind, zielen weitere Arbeiten nun auch auf die Entwicklung neuer Wirkstoffe.

Spezifische MALT1 Hemmstoffe ohne antipsychotische Nebenwirkungen könnten die Behandlungschancen von Lymphompatienten stark verbessern.

Mepazin und Thioridazin wurden nach Angaben des Helmholtz Zentrums München ab den 1950er Jahren als antipsychotische Arzneimittel der ersten Generation eingesetzt. Mellaril® (Thioridazin) ist bis heute für die Behandlung chronisch-psychotischer Patienten zugelassen. (eb)

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