Direkt zum Inhaltsbereich

Rheumapatienten warten lange auf den Facharzt

BERLIN (af). Es gibt zu wenige Rheumatologen in Deutschland. Die neun Millionen an entzündlich-rheumatischen Krankheiten leidenden Menschen seien unterversorgt, sagten gestern in Berlin Vertreterinnen der Rheuma-Gesellschaften im Vorfeld des Welt-Rheuma-Tages am 12. Oktober.

Veröffentlicht:

Die Deutsche Rheuma-Liga kommt auf neun Millionen Betroffene. Ihre Statistik bezieht Weichteil-Rheumatismus, Stoffwechselerkrankungen und degenerative Erkrankungen des Bewegungsapparates ein.

Lediglich 268 Schwerpunktpraxen und 178 ermächtigte Ambulanzen reichten für die Betreuung nicht aus, sagte Professorin Erika Gromnica-Ihle, die Generalsekretärin der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie. Sie forderte die ärztliche Selbstverwaltung auf, ein Arzt-Patienten-Verhältnis von eins zu 50 000 anzustreben. Das wären 1400 internistische Rheumatologen.

Außerdem seien die Primärärzte nicht ausreichend ausgebildet. Lehrstühle für Rheumatologie seien Mangelware. Im Schnitt müßten Rheuma-Patienten mehr als ein Jahr auf den ersten Kontakt mit einem Facharzt warten, sagte Gromnica-Ihle.

Hausärzte, Internisten und Orthopäden verordneten aber nur rund jedem zweiten Patienten mit einer Rheumatoiden Arthritis während dieser Wartezeit Therapien, die die Gelenkzerstörung verlangsamen könnten. Seltenere Krankheitsbilder würden oft ganz übersehen. Bei Morbus Bechterew dauere die durchschnittliche Zeit bis zur ersten Sitzung beim Facharzt sechs Jahre.

Gesundheitsministerin Ulla Schmidt nahm den von der Deutschen Rheuma-Liga erarbeiteten Aktionsplan entgegen. "Mit dem Plan richten wir uns an alle, die Verantwortung tragen in der Betreuung und Versorgung rheumakranker Menschen", sagte Christine Jakob, Präsidentin der Deutschen Rheuma-Liga. Der Plan enthält konkrete Empfehlungen zur Versorgung bei Erkrankungen wie Arthrose, entzündliches Rheuma, Fibromyalgie oder auch Rheuma bei Kindern.

Weitere Infos: www.rheuma-liga.de



STICHWORT

Rheumatische Erkrankungen

Zu den rheumatischen Erkrankungen zählen alle Störungen des Stütz- und Bewegungsapparats, die chronisch schmerzhaft sind und die Bewegung einschränken: etwa 450 Erkrankungen, dabei entzündlich-rheumatische und degenerativ-rheumatische.

Etwa je ein Prozent der Bevölkerung sind von Rheumatoider Arthritis (RA) oder Spondyloarthropathien betroffen. Die Prävalenz von Kollagenosen liegt bei etwa 0,2 Prozent. Bei RA betragen die Kosten pro Patient etwa 5000 Euro direkt und 10 000 Euro indirekt.

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

JAK-Inhibitor

Alopecia areata: Rote-Hand-Brief zu Ritlecitinib

Mögliche frühe Manifestation

Erst das trockene Auge – dann die Autoimmunerkrankung?

Das könnte Sie auch interessieren
Jugendliche die schon früh, ohne Eltern in die Sprechstunde kommen, werden selbstständiger.

© Racle Fotodesign / stock.adobe.com

Typ-1-Diabetes bei Kindern und Jugendlichen

Wie gelingt der Übergang vom Pädiater in die Erwachsenenmedizin?

Frauen erhalten eine andere und meist schlechtere Behandlung als Männer. Sie sind häufiger vom Medical Gaslighting betroffen, insbesondere in der Kardiologie.

© NPS Studio / stock.adobe.com

Hormone, Schwangerschaft, Wechseljahre

Warum ein Diabetes Frauen anders trifft als Männer

50 Jahre Jung-Preis

© Jung-Stiftung für Wissenschaft und Forschung

50 Jahre Jung-Preis

Freiheit als Voraussetzung für medizinischen Fortschritt

Anzeige | Jung-Stiftung für Wissenschaft und Forschung
Kommentare
Sonderberichte zum Thema

Opioid-induzierte Obstipation

Paradigmenwechsel in der Behandlung: Vom Stuhl zum Nervensystem

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Grünenthal GmbH, Aachen
Abb. 1: Die kardiorenalmetabolische Organachse: ganzheitliche Versorgung durch interdisziplinäre Zusammenarbeit (Quelle: Michalopoulou E et al., J Clin Med 2025, 14:428)

© Springer Medizin Verlag

Biomarker gegen Diabetes-Folgen

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Roche Diagnostics Deutschland GmbH, Mannheim
Porträt: xxx

© Porträt: Alexander Sahi

„ÄrzteTag extra“-Podcast

Testosteronmangel: Worauf es in der Hausarztpraxis ankommt

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Besins Healthcare Germany GmbH, Berlin
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Therapie je nach Risiko

Akute Lungenembolie: Was die optimale Therapie ausmacht

Lesetipps
Akte im Hängeregister mit der Aufschrift Gewerbesteuer.

© Torsten Sukrow / SULUPRESS.DE / picture alliance

Freiberuflichkeit

Viele Angestellte machen aus einer Arztpraxis noch lange kein Gewerbe