INTERVIEW

Rhythmusstörung oder Herzinsuffizienz - was ist die Henne, was das Ei?

Herzrhythmusstörungen sind ein wichtiges Thema in der Praxis. Kardiologen haben dazu extra ein Symposium veranstaltet. Wie kommt es zu Rhythmusstörungen, was kann für die Patienten getan werden? Nachgefragt bei Professor Erland Erdmann von der Uni Köln hat Dr. Christiane Inholte von der "Ärzte Zeitung".

Veröffentlicht:

Ärzte Zeitung: Worüber diskutieren Kardiologen beim Thema Herzrhythmusstörungen?

Professor Erland Erdmann: Ein interessanter Diskussionspunkt war: Sind Rhythmusstörungen die Ursache der Herzinsuffizienz, oder ist die Herzinsuffizienz die Ursache von Rhythmusstörungen?

Tachykarde Rhythmusstörungen findet man häufig als Ursache für eine Herzinsuffizienz - wenn man daran denkt und danach fahndet. Meistens handelt es sich um eine Tachyarrhythmie, die zur Kraft- und Funktionseinbuße des linken Ventrikels führt. Auch bei sehr vielen ventrikulären Extrasystolen oder bei Vorhofflattern kann es zu einer Tachymyopathie mit niedriger Auswurffraktion kommen. Die ist nach erfolgreicher Therapie - medikamentös oder durch Ablation - oft weitgehend oder vollständig reversibel.

In den meisten Fällen wird eher die Herzinsuffizienz als Ursache für Rhythmusstörungen angenommen. Differenzialdiagnostisch ist das nicht einfach auseinanderzuhalten. Offen bleibt die Frage: Was ist die Henne, was das Ei?

Ärzte Zeitung: Was bedeutet das für die Praxis?

Erdmann: Für die Praxis ist wichtig, bei Tachyarrhythmie und Herzinsuffizienz alle therapeutischen Möglichkeiten auszuschöpfen. Das sollte bis zur Ablation der Foci in einem darauf spezialisierten Zentrum gehen.

Ärzte Zeitung: Was raten Sie Ihren niedergelassenen Kollegen?

Erdmann: Bei der Tachymyopathie ist - ebenso wie bei der Herzinsuffizienz - meist das BNP (B-Typ Natriuretischen Peptid) als Ausdruck der verstärkten Wandspannung erhöht. Wird der Patient erfolgreich behandelt, sinkt das BNP wieder ab.

Ein weiterer Hinweis ist, dass die Sarkoidose und Borreliose Ursachen für Rhythmusstörungen sein können - die in der Folge zur Herzinsuffizienz führen. Zwar sind die Ursachen selten, aber dafür sind Betroffene kausal therapierbar.

Drittens möchte ich auf die günstige Rolle der Betablocker bei Therapie von Patienten mit Herzinsuffizienz und tachykarden Rhythmusstörungen hinweisen. Auch alle Patienten mit ICD (implantierbarer Cardioverter Defibrillator) sollten mit einem Betablocker behandelt werden. Wichtig in diesem Zusammenhang ist, dass die Betablockerdosis etwa in zweiwöchigen Abständen gesteigert wird: von 1,25 mg bis etwa 7,5 bis 10 mg Bisoprolol als Zieldosis. Zu niedrige Dosierungen mit weiterhin hohen Herzfrequenzen sind nutzlos. Die Frequenz sollte auf etwa 60 Herzschläge pro Minute gesenkt werden.

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema
Kommentare
* Hinweis zu unseren Content-Partnern
Dieser Content Hub enthält Informationen des Unternehmens über eigene Produkte und Leistungen. Die Inhalte werden verantwortlich von den Unternehmen eingestellt und geben deren Meinung über die Eigenschaften der erläuterten Produkte und Services wieder. Für den Inhalt übernehmen die jeweiligen Unternehmen die vollständige Verantwortung.
Sonderberichte zum Thema
MAGICA-Subgruppenanalyse: Reduktion von ventrikulären Extrasystolen (VES) bei Patientinnen und Patienten mit KHK (mit und ohne Myokardinfarkt) und anderen Erkrankungen

© Springer Medizin Verlag GmbH

Kalium für die Herzgesundheit

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Trommsdorff GmbH & Co. KG, Alsdorf
Abb. 1: Häufigkeit von SCD oder reanimationspflichtigem Herzstillstand in Post-Myokardinfarkt-Patienten in der VALIANT-Studie

© Springer Medizin Verlag GmbH, modifiziert nach [2]

Primärprävention des Plötzlichen Herztods

Effektiver Schutz kardialer Risikopatienten durch Defibrillatorweste

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: ZOLL CMS GmbH, Köln
Die Per-Protocol-Analyse der VEST-Studie ergab eine signifikante Risikoreduktion für einen arrythmogenen Tod in der WCD-Gruppe.

© Grafik: Springer Medizin Verlag GmbH

Ventrikuläre Tachykardien

Effektiver Schutz vor plötzlichem Herztod

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Zoll CMS GmbH, Köln
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Versteckte Zucker

Wie Fruktose den Nieren schadet

Lesetipps
Urinprobe für Harnsäuretests im Labor zur Feststellung von Anomalien im Urin.

© kittisak / stock.adobe.com

Treat-to-Target-Strategie

Gicht: Mit der Harnsäure sinkt auch das kardiovaskuläre Risiko