Reisemedizin

Ruhigstellen - alles andere ist als Erste Hilfe bei Schlangenbissen überflüssig

BERLIN (ug). Wird im Urlaub jemand von einer Schlange gebissen, sollte man bei dem Betroffenen den gebissenen Arm oder Fuß ruhig stellen und den Patienten beruhigen. Viel mehr kann man als Erste-Hilfe-Maßnahme nicht tun. Einschneiden und Aussaugen der Bissstelle oder Abbinden der Extremität schaden mehr als sie nutzen.

Veröffentlicht: 16.03.2007, 08:00 Uhr

Wichtig sei daher vor allem, Reisenden klar zu machen, was man nach einem Schlangenbiss auf keinen Fall machen sollte, sagte der Frankfurter Toxikologe Professor Dietrich Mebs. So sei das Einschneiden und Aussaugen der Bissstelle sinnlos.

Durch das Saugen könne man so gut wie kein Gift entfernen, und durch das oft tiefe Einschneiden entstehe eine Blutungsquelle, was bei Giften, die zur Zersetzung der betroffenen Gewebe führen, oft schwere Komplikationen nach sich ziehen kann. Darauf hat Mebs auf einer Veranstaltung des Centrums für Reisemedizin und das Auswärtige Amtes in Berlin hingewiesen.

Abbinden der betroffenen Extremität sei nicht nur enorm schmerzhaft. Man provoziere außerdem, dass sich das Gift schnell im Körper ausbreitet, wenn die abgebundene Stelle wieder geöffnet wird. Ebenso gefährlich ist es, die betroffene Stelle zu kühlen oder zu wärmen.

Ein Schlangen-Antiserum mitzunehmen, ist ebenfalls sinnlos. Jede Selbstanwendung sei gefährlich, denn es könne zu einer Anaphylaxie kommen, sagte Mebs. Die meisten Präparate müssen außerdem bei vier Grad Celsius gekühlt werden. Für die Behandlung mit Antiserum durch einen Arzt kann es von Bedeutung sein, die Schlange zu identifizieren. Das sollte aber nur geschehen, wenn keine Gefahr dabei besteht. Es sollte also nicht versucht werden, die Schlange zu fangen.

Wichtigste Prävention sind umsichtiges Verhalten und gute Schuhe. Jeder zweite Biss einer Giftschlange ist zudem ein trockener Biss, das heißt, die Schlange hat kein Gift injiziert. Zu erkennen ist das allerdings nicht. "Man kann nur abwarten. Wenn sich nach einer halben Stunde kein Ödem gebildet hat, war es ein trockener Biss." Am wichtigsten ist aber, sofort den nächsten Arzt oder die nächste Klinik aufzusuchen.

Kommentare

Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar verfassen zu können.
Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Newsletter bestellen »

Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte, Medizinstudenten, MFA und weitere Personengruppen viele Vorteile.

Die Anmeldung ist mit wenigen Klicks erledigt.

Jetzt anmelden / registrieren »

Top-Meldungen
Gefüllte Gläser bei einem Sektempfang: Bund und Länder planen die Höchstgrenzen für Feiern zu begrenzen: 25 Personen bei Feiern im privaten Rahmen, 50 Personen in öffentlichen Räumen.

Virtueller Gipfel im Kanzleramt

Bund und Länder einigen sich auf neue Corona-Maßnahmen

Nette Pipetten: Im ELISA-Assay auf der Suche nach SARS-CoV-2.

Bewertungsausschuss

Corona-Antigentest jetzt EBM-Leistung – neue Labor-GOP 32779

Für zusätzliche Hygienemaßnahmen entstehen Ärzten und Zahnärzten Mehrkosten. Nach GOÄ lässt sich das über die analog anzusetzende GOP 245 abrechnen. Demnächst nur noch einfach.

Corona-Mehrkosten

Hygienepauschale in der GOÄ künftig in abgespeckter Form