Direkt zum Inhaltsbereich

Bluthochdruck-Patienten

Sartane verhindern Demenz

Hochdruck-Patienten mit einer Sartantherapie zeigen nach dem Tod seltener eine Alzheimerpathologie als Hypertoniker mit anderen Blutdrucksenkern. Auch ist die kognitive Leistung vor dem Tod besser.

Von Thomas Müller Veröffentlicht:
Bei Patienten mit Bluthochdruck ist eine antihypertensive Therapie der beste Schutz vor einer Demenz.

Bei Patienten mit Bluthochdruck ist eine antihypertensive Therapie der beste Schutz vor einer Demenz.

© Young / fotolia.com

LOS ANGELES. Bei Patienten mit Bluthochdruck ist eine antihypertensive Therapie der beste Schutz vor einer Demenz: Eine gute Einstellung des Blutdrucks kann nach Studiendaten jede zweite Demenz-Erkrankung verhindern.

Einer der Gründe ist das reduzierte Schlaganfallrisiko unter Antihypertensiva - ein Schlaganfall erhöht das Demenzrisiko deutlich.

Doch es gibt darüber hinaus noch weitere günstige Effekte der Blutdrucksenkung, die allerdings nicht bei allen Antihypertensiva in gleichem Maße nachweisbar sind.

Nach Daten retrospektiver Analysen deutet vieles auf einen Vorteil von Sartanen bei der Demenzprävention (Arch Neurol. 2012; 69: 1632).

Knapp 900 Gehirne analysiert

Geriater um Dr. Ihab Hajjar von der Universität von Südkalifornien in Los Angeles haben sich nun Ergebnisse von Gehirnautopsien von 890 Hypertonikern aus einer nationalen Datenbank genauer angeschaut.

Für alle Hypertoniker lagen auch Daten zu neuropsychologischen Tests und geriatrischen Diagnosen vor, die nicht allzu lange vor deren Tod erstellt wurden.

So hatten Ärzte bei 41 Prozent von 133 Verstorbenen mit Sartantherapie vor dem Tod eine Alzheimerdemenz festgestellt. Von den 577 Hypertonikern mit anderen Antihypertensiva waren 53 Prozent betroffen und von 180 unbehandelten Patienten mit Bluthochdruck gar 62 Prozent.

Auch war der Anteil ohne kognitive Defizite vor dem Tod in der Gruppe mit Sartanen am höchsten und betrug 14 Prozent. Dagegen war dieser Anteil mit anderen Blutdrucksenkern etwas niedriger (10 Prozent) und ohne Therapie am geringsten (6 Prozent).

Auch beim letzten Mini-Mental-Test schnitten die mit einem Sartan behandelten Patienten am besten ab: Ihr Wert lag mit 20 Punkten im Schnitt signifikant über dem Wert der Personen mit anderen Antihypertensiva (16,6 Punkte) und ohne Blutdrucksenkung (15,7 Punkte).

Alzheimerrate ein Drittel geringer

Die neuropathologischen Befunde bestätigten nun weitgehend die Unterschiede bei den klinischen Einschätzungen und Diagnosen vor dem Tod.

Für die Post-mortem-Analyse war etwa die Dichte der Alzheimerplaques in bestimmten Hirnregionen ermittelt worden oder aber die Dichte der Neurofibrillen, wie sie zur Bestimmung der Braak-Stadien nötig wird.

Je nach verwendeten Kriterien und Berücksichtigung von Alter und anderen Risikofaktoren war eine definitive Alzheimerdiagnose bei den Hypertonikern mit Sartanen um 32 bis 35 Prozent seltener als bei Hochdruckpatienten mit anderen Therapeutika und um 40 bis 45 Prozent seltener als bei Hypertonikern ohne Therapie - die Unterschiede waren also noch größer als bei den klinischen Diagnosen.

In Alzheimer-Tiermodellen, so berichten die Studienautoren, ließ sich mit Sartanen die Amyloidablagerung um den Faktor Vier reduzieren. Ein ähnlicher Effekt wurde mit anderen Klassen von Blutdrucksenkern nicht beobachtet.

Die Geriater um Hajjar sehen darin eine mögliche Erklärung für die geringere Alzheimerinzidenz unter Sartanen.

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Robert Koch-Institut

Fast jeder dritte Erwachsene hört schlecht

Daten aus Japan

Extreme Hitze scheint Demenz zu beschleunigen

Das könnte Sie auch interessieren
Jugendliche die schon früh, ohne Eltern in die Sprechstunde kommen, werden selbstständiger.

© Racle Fotodesign / stock.adobe.com

Typ-1-Diabetes bei Kindern und Jugendlichen

Wie gelingt der Übergang vom Pädiater in die Erwachsenenmedizin?

Frauen erhalten eine andere und meist schlechtere Behandlung als Männer. Sie sind häufiger vom Medical Gaslighting betroffen, insbesondere in der Kardiologie.

© NPS Studio / stock.adobe.com

Hormone, Schwangerschaft, Wechseljahre

Warum ein Diabetes Frauen anders trifft als Männer

Kommentare
Sonderberichte zum Thema
ATTR-CM-Therapien im Wandel: Die Rolle von Acoramidis

© CLIPAREA.com / stock.adobe.com

Transthyretin-Amyloidose mit Kardiomyopathie

ATTR-CM-Therapien im Wandel: Die Rolle von Acoramidis

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Bayer Vital GmbH, Leverkusen
 Abb. 1: Anwendung von Ruxolitinib-Creme bei mittelschwerer AD

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [1,8]

Ruxolitinib-Creme bei mittelschwerer AD

Topische steroidfreie Behandlungsoption bei atopischer Dermatitis

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Incyte Biosciences Germany GmbH, München
Abb. 1: MATTERHORN-Regime beim GC/GEJC: ereignisfreies Überleben (EFS)

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [10]

Perioperativ behandeln – kurativ denken

Durvalumab-basierte Therapie bei drei Tumorentitäten

Sonderbericht | Beauftragt und finanziert durch: AstraZeneca GmbH, Hamburg
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Kasuistik

Plötzliche Niesanfälle bringen Mann in Lebensgefahr

Herzbericht 2026

Das sind die aktuellen Trends in der Herzmedizin

Lesetipps
Illustration eines molekularen Modells von Messenger RNA.

© Dr_Microbe / Getty Images / iStock

Personalisierte mRNA-Therapien

Verheißungsvolle RNA-Krebsimpfstoffe: Wo steht die Forschung gerade?

Eine Ärztin tropft Allergielösung auf den präparierten Unterarm einer Patientin für den Pricktest.

© Alexander Raths / stock.adobe.com

Steigende Prävalenz

Allergiediagnostik: Dos und Don’ts für die Hausarztpraxis

Eine Thrombose in einem Gefäß

© freshidea / stock.adobe.com

ASS und P2Y12-Inhibitoren

So geht die Plättchenhemmer-Therapie in der Praxis!