Deutsche Schmerzliga fordert

Schmerztherapeuten in die Bedarfsplanung!

Tausende Schmerztherapeuten fehlen, warnen die Fachgesellschaften. Jetzt macht die Profession Druck: Schmerztherapie soll in die Bedarfsplanung.

Anno FrickeVon Anno Fricke Veröffentlicht:
Bis zu zwölf Millionen Menschen leiden in Deutschland unter chronischen Schmerzen. Knapp 400 Ärzte sind hierzulande ausschließlich schmerztherapeutisch tätig.

Bis zu zwölf Millionen Menschen leiden in Deutschland unter chronischen Schmerzen. Knapp 400 Ärzte sind hierzulande ausschließlich schmerztherapeutisch tätig.

© Klaus Rose

BERLIN. Schmerzmediziner schlagen Alarm. Es gebe zu wenige Schmerztherapeuten, um den wachsenden Versorgungsbedarf zu decken.

"Chronische Schmerzen brauchen mehr Beachtung, sonst laufen wir in eine Katastrophe," sagt der Präsident der Deutschen Schmerzliga, Professor Michael Überall.

Studien zufolge leben in Deutschland bis zu zwölf Millionen Menschen mit chronischen Schmerzen. Davon bräuchten zwischen 1,2 und 1,8 Millionen eine hochspezialisierte Versorgung. Ihnen ständen aber gerade 1027 Schmerztherapeuten gegenüber.

Lediglich 381 von ihnen betreuten ausschließlich Schmerzpatienten, rechnet der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Schmerztherapie, Dr. Gerhard Müller-Schwefe, vor. Gebraucht würden etwa 6000 Schmerzmediziner.

Strukturierte Behandlungspfade auf Wunschliste

Das Fehlen von Spezialisten ist laut einer Umfrage unter Ärzten eine Ursache dafür, dass viele Menschen mit chronischen Schmerzen gar nicht behandelt würden. Eine weitere sei die mangelnde Koordination zwischen den Fachdisziplinen.

Jeder zweite der von Kantar Health im Auftrag der Initiative "Wege aus dem Schmerz" befragten 450 Allgemeinmediziner, Anästhesisten und Orthopäden gab an, für eine optimale Therapie nicht den notwendigen Behandlungsspielraum zu haben.

Mehr als drei Viertel plädieren für interdisziplinäre Versorgungsmodelle, an denen Schmerzzentren, niedergelassene Ärzte und Krankenkassen teilnehmen sollten. Auf der Wunschliste stehen auch strukturierte Behandlungspfade.

Medikamente oft teuer

Einen Facharzt für Schmerzmedizin hat Professor Joachim Nadstawek gefordert. Das sei Voraussetzung dafür, Schmerztherapeuten in die Bedarfsplanung aufzunehmen, sagte Nadstawek beim Kongress des Berufsverbands der Ärzte und Psychologischen Psychotherapeuten in der Schmerz- und Palliativmedizin am Wochenende in Berlin.

Tatsächlich gibt es in der aktuellen Bedarfsplanungsrichtlinie bereits eine Klausel, bei der Nachbesetzung von Arztsitzen darauf zu achten, keine schmerztherapeutische Kompetenz zu verlieren.

Schmerzpatienten benötigen oft teure Medikamente. Dies berücksichtigten die Kassen bei Wirtschaftlichkeitsprüfungen nicht, hieß es auf dem Kongress.

Die Schmerztherapie aus dem Budget herauszunehmen stehe bereits auf der Tagesordnung, kündigte Dr. Bernhard Gibis von der KBV an.

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Kommentare
Dr. Thomas Georg Schätzler 18.06.201322:05 Uhr

Liebe Kollegin Bauer,

ich sehe in meiner täglichen Praxis eine Reihe von Patienten, die von qualifizierten Schmerztherapeuten derart medikamentös "abgeschossen" wurden, dass die Sturzprophylaxe oft als einziger Ausweg bleibt. Man sollte als Schmerztherapeut im Glashaus der diffizilen und differenzierten Schmerztherapie auch nicht mit Steinen nach Hausärzten schmeißen. Denn unser Horizont reicht i. d. R. auch weit "über Ibuprofen, Diclofenac und Fentanyl hinaus". Tägliches Problem sind orthopädische Schmerzpatienten, die entweder abgewiesen und vertröstet oder mit über 4 Stunden Wartezeit hingehalten werden, weil sie keine IGeL-Patienten sind. Allgemeine Schmerztherapie muss integraler Bestandteil a l l e r Fachrichtungen (außer Pathologie) sein. Spezielle Schmerztherapie ist sicher etwas für Fach- und Spezialärzte.

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund

Dr. Birgit Bauer 18.06.201317:25 Uhr

Ahnungslos ?

Wäre schön wenn die Hausärzte eine qualifizierte Schmerztherapie durchführen würden, dann hätten wir nicht so viele hochchronifizierte Schmerzpatienten. Meist wird ein neuropatischer Schmerz gar nicht erkannt und vielfach sehe ich völlig morphinüberdosierte Pat. weil es ja schön einfach ist ohne Schmerzanalys die Pat. mit Fentanylpflastern zu bekleben.
Lieber Kollege Hausarzt, es wäre schon ein wirklicher Fortschritt wenn Hausärzte und Orthopäden mehr über Schmerzchronifizierung und geeignete Therapien wüssten. So mach verkorkster Lebenslauf könnte den Pat. erspart bleiben. Im übrigen ist schon jetzt die Qualifizierung zum Schmerztherapeuten sehr zeitaufwendig, aber auch sehr interessant und erweitert auf jeden Fall den therapeutischen Blick über Ibuprofen, Diclofenac und Fentanyl hinaus !
M.f.G. B.Bauer Praxis für spezielle Schmerztherapie

Dieter Döring 18.06.201311:44 Uhr

Tausende Schmerz­therapeuten fehlen?

Kann ich, als Hausarzt, nicht glauben.
Hier geht es nur darum einen neuen Facharzt oder ähnliches mit neuen Abrechnungsziffern zu generieren. Für diesen neunen Facharzt sind dann wieder neue kosten- und zeitintensive Kurse erforderlich. Die müssen dann absolviert werden, denn sonst kann man die Schmerztherapie, die zur Selbstverständlichkeit des Hausarztes gehört, nicht abrechnen.
Und die Kollegen die das dann generiert haben können mal die dicke Kohle mit den Kursen machen.

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