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"Schwanger und Säufer - wie geht das denn?"

HANNOVER (dpa). Adina sitzt auf einem alten braunen Ledersessel und streicht über ihren runden Baby-Bauch. Als sie festgestellt habe, daß sie Mutter wird, sei ihr der "Arsch auf Grundeis" gegangen, formuliert sie drastisch. "Schwanger und Säufer - wie geht das denn?" Inzwischen hat die 24jährige aus Hannover einen Alkoholentzug hinter sich. Und daß sie sich jetzt auf ihr Baby freuen kann, verdankt sie auch Familienhebamme Brigitte Bolte.

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Seit der zwölften Schwangerschaftswoche begleitet Bolte die junge Frau. "Sie gibt mir eine unglaubliche Sicherheit", sagt Adina. Bis zum ersten Geburtstag ihres Kindes kann die 24jährige auf die Hilfe der Familienhebamme bauen. Das ist weit mehr als die Betreuung, die jungen Müttern sonst durch Hebammen zuteil wird. Möglich ist es dank des Projekts der "Aufsuchenden Familienhilfe" der Stiftung "Eine Chance für Kinder", das seit 2002 in Hannover, Braunschweig, Osnabrück und im Landkreis Leer erprobt wird.

Die Familienhebammen sind in 170 Stunden speziell geschult worden. "Immer dann, wenn das Wohl eines Kindes gefährdet sein könnte, sollen wir möglichst frühzeitig eingreifen", erläutert Bolte. Das Ziel ist, die Eltern so fit zu machen, daß das Kind bei ihnen bleiben kann. Informiert werden die Familienhebammen von Frauen- und Kinderärzten, Suchthelfern oder dem Jugendamt.

Der Ruf nach einem Frühwarnsystem für Kinder in Not ist zuletzt nach dem Tod des kleinen Kevin in Bremen laut geworden. Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen will zehn Milliarden Euro investieren. "Die seelische und körperliche Vernachlässigung von Kindern ist ein drängendes Problem", sagt Professor Adolf Windorfer, Vorstand der Stiftung "Eine Chance für Kinder" und Chef des Niedersächsischen Landesgesundheitsamtes. "Wir müssen schätzen, daß fünf bis sieben Prozent der Mütter mit der Betreuung eines Säuglings überfordert sind." Je eher die Hilfen ansetzten, desto größer seien die Chancen, daß die Lage in den Risiko-Familien nicht eskaliert.

Erste Drogen mit zwölf Jahren, heroinabhängig mit 13, Methadon-Programm mit 16, clean mit 18, eine Fehlgeburt mit 19, "danach habe ich angefangen zu saufen, ganz schlimm" - was Adina in knappen, hastigen Worten über ihr Leben erzählt, hört sich nicht nach den besten Voraussetzungen für ein entspanntes Leben mit einem Kind an. Trotzdem ist Familienhebamme Bolte optimistisch.

"Ich merke, daß sie ihr altes Leben hinter sich lassen will und offen ist für Vorschläge." Gemeinsam haben sie eine neue Wohnung für Adina angesehen - hell und freundlich und nicht wie die bisherige an einer mehrspurigen Ausfallstraße. "Und über gesundes Essen weiß sie schon mehr als ich", sagt Bolte lachend.

Daß sie ihre Unterstützung als Hebamme und nicht etwa als Sozialarbeiterin vom Jugendamt anbieten kann, sieht Bolte als großen Vorteil. "Wir als Hebammen sind gesellschaftlich erstmal als Helfende akzeptiert, nicht als Kontrollierende." Es gebe Familien, die machten die Tür nicht auf, wenn sie "Jugendamt" hörten - aus Angst, ihnen würden die Kinder weggenommen.

Insgesamt 480 Familien haben die Hebammen seit Januar 2002 betreut. In 30 bis 35 Prozent der Fälle sei danach keine weitere Hilfe mehr nötig gewesen, sagt Windorfer. Bei weiteren 40 Prozent habe sich eine recht gute Eltern-Kind-Bindung ergeben.

Windorfers Ziel ist es nun, die Familienhebammen landesweit zu etablieren. Von 2007 an sollen mit der Unterstützung des Landes mehr als 100 Familienhebammen in 22 Kommunen arbeiten.

Weitere Infos im Internet unter www.eine-chance-fuer-kinder.de

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