Lungentumor

Schweizer Chirurgen retten Kind im Mutterleib

Schweizer Chirurgen haben bei einem Kind intrauterin einen Lungentumor verödet.

Veröffentlicht: 03.05.2016, 06:10 Uhr

BERN/LAUSANNE. Zwei Chirurgen vom Inselspital Bern und dem Universitätsspital in Lausanne verödeten in einer intrauterinen Not-Operation einen Lungentumor und retten so den Fötus, teilt das Universitätsspital Bern mit.

Inselspital, 22. Februar 2016, 11.15 Uhr: Zwei Spezialisten für fetomaternale Medizin schauen ein letztes Mal auf das Ultraschallbild am Monitor. Dann startet der gewagte Eingriff am Ungeborenen: Ein gutartiger Lungentumor belastet das Herz des Kindes lebensgefährlich.

Ohne Eingriff wird der kleine Junge nicht überleben. Eine Entbindung oder ein Abwarten kommen in der prekären Situation nicht in Frage. Unter den außerordentlichen Umständen beraten sich der behandelnde Arzt und die Familie ausführlich. Dann der Entschluss:Gemeinsam mit seinem langjährigen Lausanner Kollegen operiert der Berner Arzt das Kind in utero.

Das Besondere: Bisher hatten Luigi Raio vom Inselspital und David Baud vom Centre Hospitalier Universitaire Vaudois vor allem eineiige Zwillinge im Uterus operiert, die durch die Plazenta unausgewogen untereinander Blut austauschen.

Dieses sogenannte "Zwillingstransfusionssyndrom" führt ohne Eingriff in den meisten Fällen zum Tod eines oder beider Kinder. Gelingt es jedoch, bestimmte Blutgefäße in der Plazenta mit einem Laser zu veröden, gleicht sich die Blutzufuhr der Babies wieder aus. Die Kinder haben eine gute Chance zu gedeihen und gesund zur Welt zu kommen.

Mit einer ähnlichen Technik operierten die beiden Chirurgen nun den Lungentumor. Diesmal aber fand die Operation mitten im Körper des Kindes statt, in unmittelbarer Nähe zum Herzen und der Aorta. Es muss daher noch präziser und mit ständigem Blick auf den Ultraschall gearbeitet werden.

Doch der Eingriff gelang: Der Lungentumor wurde von der Blutzufuhr abgeschnitten. In den Wochen danach wurde das absterbende Gewebe kleiner, das Herz des Kindes erholte sich wieder.

Am 13. April kam der Junge gesund zur Welt. Es war die erste Operation dieser Art in der Schweiz, heißt es in der Mitteilung des Universitätsspitals. Weltweit wurden 17 Fälle beschrieben mit unterschiedlichen Resultaten. (eb)

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